Genießen – Kastanien und Sturm

Wie viele Genussmomente hast du in den letzten Tagen erlebt? Wie viel von den doch vorhandenen sonnigen Herbsttagen hast du bewusst genossen? Hast die kühle Luft geatmet, die tiefstehenden Sonnenstrahlen gespürt, die direkt das Herz wärmen, hast dich draußen ein bisschen bewegt? Hast vielleicht Maroni gegessen, deine Finger an ihnen gewärmt, dazu Saft, Mineralwasser oder Sturm getrunken? Bist am Feuer gestanden und hast verträumt in die Glut geschaut?

Kannst du wirklich genießen?

Darfst du genießen, auch, wenn es anderen Menschen auf dieser Welt nicht so gut geht wie dir oder wenn sie viel Leid erfahren? Fühlst du dich wohl, wenn es dir gut geht? Ich weiß, das klingt nach einer sonderbaren Frage, aber sie ist erstaunlich oft angebracht. 

Darf es dir gut gehen?

Manche Menschen haben ein komisches Gefühl, wenn ihnen nichts fehlt, wenn sie zum Leben sagen könnten: „Es ist gerade gut“. Als ob sie damit etwas Schlechtes heraufbeschwören würden, als ob sie damit den „bösen Blick“ auf sich ziehen könnten, als ob es dann schwerer wäre, das Unangenehme, das sicher wieder einmal kommen wird, auszuhalten.

Glaubst du, es würde jemandem nutzen, wenn du auf Lebensgenuss verzichtest?

Manche von uns haben eine (verkorkste und falsch verstandene) christliche, oder eher pseudo-christliche Erziehung gehabt, in der Genuss entweder eine Sünde war oder dick gemacht hat. („Am Anfang hat es mir der Pfarrer verboten, jetzt verbietet es mir der Doktor!“).

Schade. Denn Lebensfreude kann niemals eine Sünde oder Verbot sein, weder ist es unmoralisch noch ungesund. Es kommt auf das Maß an, aber Gutes wird ja bekanntlich nicht besser, wenn wir mehr davon nehmen.

Gönn dir Genuss, freu dich an den guten Dingen des Lebens!

Das Leben bietet sich dir in seiner Fülle dar, achte gut darauf, verschwende nichts, schade niemandem, aber sei auch nicht unnötig bescheiden.

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