Jean-Paul S: Es ist genug

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Jean -Paul ist es ja schon länger schlecht gegangen, und das hat sich nicht geändert. Die Kälte, die Dunkelheit und die Aussicht auf die Weihnachtszeit – all das macht seine Depression eher schlechter.

„Ich war bei der Ärztin, und sie hat gemeint, ich soll mehr Tabletten schlucken. Ich mag das nicht. Ich nehme die, die ich bis jetzt nehmen sollte, schon so ungern. Aber noch mehr – ich bin eigentlich gegen Tabletten. Sollte ich das nicht alleine schaffen?“

Ich verstehe es als eine Erweiterung Ihrer Aussage, dass, „wenn Sie sich ein bisschen zusammennehmen würden“, das alles nicht notwendig wäre. Ist das so gemeint?

face-1013519_1280„Ja, ich finde mein Gejammer erbärmlich. Alles finde ich erbärmlich. Auch die Menschen um mich herum: erbärmlich. Aber am meisten erbärmlich finde ich mich selbst.“

Wenn Sie „erbärmlich“ sind – haben Sie dann auch Erbarmen mit sich? Wie es das Wort ja im Grunde genommen fordert?

„Ha, Erbarmen mit mir! Nein, sicher nicht. Ich mag einfach nicht mehr. Mich nicht mehr mit mir so plagen. Mich so erbärmlich fühlen. Mir ist es zu viel. Alles ist zuviel. Es ist genug, ich mag nicht mehr.“

Muss ich mir um Sie Sorgen machen, Jean-Paul?

Er schweigt, was mir gar nicht gefällt.

Wenn es so schlimm ist – wie wäre es, wenn Sie für eine Zeit ins Krankenhaus gehen würden? Wie schon im Vorjahr scheint diese Jahreszeit für Sie sehr belastend zu sein – da könnte Ihnen vielleicht eine Auszeit gut tun, wie voriges Jahr. Was halten Sie davon?

Er hat den Kopf gesenkt und schweigt weiter. Dann nickt er.

„Ja, das wäre wahrscheinlich gut. Ich finde es zwar auch erbärmlich, wenn ich ab jetzt jeden Herbst im Krankenhaus sein muss, aber es hat mich damals schon aufgeheitert. Es war einfach einmal eine Zeit, in der ich viel geschlafen habe, mit anderen Betroffenen gesprochen und die Therapien waren auch ganz gut. Nicht alle, aber einige.“

Gut, werden Sie bitte mit Ihrer Ärztin reden, dass sie Sie überweist?

little-boy-1635065_1280Wir vereinbaren, dass er sich noch heute an seine Ärztin wendet und mir Bescheid gibt, wenn er im Krankenhaus angekommen ist, damit ich mir keine Sorgen machen muss. Ich bin froh, dass er sich diese Zeit gönnt, es ist ihm wirklich nicht gut gegangen, und niemand muss immer alles alleine schaffen.

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