Jean-Paul S.: Zeit zum Reifen

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Jean-Paul war, wie Sie sich vielleicht erinnern, für eine Zeit im Krankenhaus. Da er zum Zeitpunkt der Aufnahme in einem sehr schlechten Zustand war, blieb er etwas mehr als drei Wochen im Spital.

Wenn Sie heute – ca 1,5 Monate später  – darauf zurück schauen:  wie denken Sie darüber?

„Ich bin froh, dass ich dort war. Es ist mir zwar nicht leicht gefallen, mir einzugestehen, dass ich auf die Psychiatrie muss, aber eine kleine Stimme in mir hat das sehr richtig gefunden, und so hatte ich den Mut, es mir zu erlauben. Ich habe dort viel über mich nachgedacht, und das war richtig gut.“

black-and-white-1278713_640Worüber haben Sie nachgedacht?

„Über den Sinn meines Lebens. Über das, was mir wichtig ist. Warum ich mich jeden Tag so abmühen soll. Mir ist klar geworden, dass ich eines Tages wirklich sterben werde, und dass ich nicht auf mein Leben zurückschauen und es für sinnlos und leer halten will. Ich habe mir überlegt, dass mein Problem nicht ist, dass ich überhaupt NICHT leben will – ich will nur nicht SO leben wie bisher, so bedeutungslos.“

Ist es das, was Sie mit „erbärmlich“ gemeint haben, bevor Sie ins Krankenhaus gegangen sind? 

„Ja, so ist es. Ich will meinem Leben einen Sinn geben. Ich will nicht einfach nur so dahinleben: arbeiten, essen, schlafen. Ich will stolz sein auf mich. Ich will auf mein Leben schauen und sagen können: das ist gut, es ist meines!“

Was wäre denn ein erster Schritt in diese Richtung?

man-3085686_640„Ich will aufhören, mit Simone eine leere Beziehung zu führen. Wir haben begonnen, viele Gespräche zu führen, wie wir das verändern können. Ich bin noch nicht sicher, ob es uns gelingen wird, aber wenn alle Stricke reißen, werden wir uns trennen. Wir machen einander zur Zeit gegenseitig unglücklich, das kann nicht so bleiben. Wir sind auf der Suche.“

Ich gratuliere Jean-Paul zu seinem Entschluss, sein Leben in die Hand zu nehmen, und wir reden eine ganze Weile darüber, wie er das tun kann. Wichtig scheint mir die Erkenntnis zu sein, dass es in seiner Hand liegt, dem Leben einen Sinn zu geben. Aber ich bremse ihn auch etwas in seinem Enthusiasmus: er soll sich nicht zu viel auf ein Mal vornehmen, um sich nicht zu erschöpfen.

 

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