Ein gutes Jahr: Vergebung 2021

So gerne wir es vermeiden würden: manchmal passiert es, dass wir einander verletzen, dass wir Fehler machen, dass wir Dinge sagen, die uns später leid tun. Dann ist es notwendig, dass wir um Vergebung bitten.

Wohlgemerkt: ich kann MICH nicht entschuldigen, ich kann nur um Vergebung BITTEN. Ob ich die bekomme, liegt nicht vor allem an mir, sondern hauptsächlich an der anderen Seite. Es ist ist also meine Aufgabe, so um Verzeihung zu bitten, dass diese Bitte auch erhört wird.

Auf der anderen Seite liegt die Vergebung: wenn mich jemand verletzt, ungerecht behandelt oder beleidigt hat, und um Verzeihung gebeten hat, ist es an mir, diese Vergebung auch zu gewähren. Das gelingt meist recht einfach, wenn die Verletzung zeitlich begrenzt, und die Entschuldigung glaubhaft war, zB bei einem unabsichtlichen Anrempeln oder Auf-die-Zehen-steigen. Da ist es für beide Seiten meist einfach, das „Vergehen“ zu entschuldigen und zu vergeben.

Schwieriger wird es, wenn es sich um lange anhaltende Verletzungen handelt, bei denen die Unabsicht nicht leicht nachzuweisen, und auch oft nicht ganz glaubhaft ist. Dann bleibt oft so viel offen, dass eine Versöhnung wirklich schwierig ist, da die Frage nicht geklärt werden kann, wie es dazu gekommen ist.

Ich bin der Ansicht, dass Vergebung niemals eingeklagt werden kann, denn es braucht oft viel mehr als eine einfache Entschuldigung, damit Situationen zwischen zwei Menschen, die schief laufen, wieder geklärt werden können. Oft ist ja auch die Frage der Schuld nicht klar: niemals ist sie nur auf einer Seite, wenn es sich um längere und komplexere Situationen handelt.

Jede Verletzung wird mit einer Gegen-Verletzung erwidert, auch wenn es sich um eine ganz andere Art von „Gegenwehr“ handelt: wer angeschrien wird, kann beleidigt schweigen, wer angeklagt wird, traurig sein. Wer enttäuscht wird, wird bei einer anderen Gelegenheit etwas „vergessen“ (wir nennen das einen Freud´schen Fehler, das Unbewusste lässt grüßen!).

Auch wenn Menschen oft glauben, dass sie schuldlos sind – in einer Beziehung bleiben wir einander nichts auf Dauer schuldig: alles wird geahndet, absichtlich oder unabsichtlich.

Daher ist es so schwer, herauszufinden, wer mit etwas „angefangen“ hat, und wer „bloß“ reagiert hat. Wie es auch sei – Vergebung ist von beiden Seiten notwendig, und der erste Schritt ist oft der mühsamste. Aber „lieben“ ist ein tun-Wort: da wird ein Handeln von uns gefragt, dann wird sich das Gefühl der Liebe wieder einstellen.

Dann passt wieder zusammen, was zusammen gehört, dann finden wir einander wieder, dann schwingen wir wieder im Einklang – das ist das Ergebnis von Vergebung.

Egal, auf welcher Seite du dich glaubst – versuch es einmal: verzeihe, vergib – auch wenn du das Gefühl hast, dass du das Opfer bist (das ist sicher wahr, aber auch sicher falsch).

Erlebe, wie gut es sich anfühlt, wenn etwas bereinigt ist, wenn es wieder gut ist zwischen euch! Denn Unfriede ist immer zugleich außen und innen – und Friede, Freundlichkeit und Liebe auch.

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