Archive for the ‘Allgemeines’ Category

Beziehungs-ABC macht Pause.

25. März 2019

Ich war am Wochenende auf einer Hypnosetagung, und hatte daher keine Zeit, einen Beitrag vorzubereiten. Dafür bin ich mit vielen Anregungen zurückgekommen, wieder mehr Hypnotherapie in meine Arbeit einzubauen. Wer mich kennt, weiß, dass ich das sowieso sehr oft mache (wenn auch nicht die „große Trance“, sondern eher die „kleine Trance zwischendurch“).

Und einen kleinen Witz habe ich auch mitgebracht, der leider sehr wahr ist: „Herr Minister, Sie sind sehr überzeugend, alle denkenden Menschen werden Sie wählen!“ – „Oje, das ist mir nicht genug. Ich will eine Mehrheit.“

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Beziehungs-ABC: T wie Trennungen sind nie einfach.

18. März 2019

T wie Trennungen sind nie einfach.

Es gibt sehr, sehr wenige Paare, die sich eine Trennung leicht machen – entgegen der allgemeinen Ansicht, dass sich heute Menschen „einfach so“ verbinden oder dann auch wieder trennen. Trennungen sind meist schmerzhafte Prozesse, die mit vielen Überlegungen, Tränen, oder auch Wut einhergehen können.

Meistens ist es ja so, dass die Trennung nicht gleichzeitig von beiden Seiten gewünscht wird, sondern dass eine Seite beschließt, einen Schlussstrich zu setzen, und die andere Seite wusste entweder noch gar nichts davon, oder ist jedenfalls selbst noch nicht so weit. Diese Spannung ist für beide Seiten schwierig auszuhalten.


Auf einmal ist man wieder alleine, auf einmal ist alles anders, auf einmal steht man vor der Türe. (Dass meist die andere Seite sagt, es hätte sich doch schon längst angekündigt, ändert nichts daran, dass man sich so fühlt, als wäre es „out of the blue“ gekommen!) Für die Alleine-Gelassenen fühlt es sich an, als ob sie aus einer Welt gefallen wären, die vorher noch sicher und planbar war – und jetzt ist auf einmal alles ganz anders. Man ist nicht nur mit der eigenen Wut oder Fassungslosigkeit konfrontiert, man muss sich auch völlig umstellen: von der Tatsache, dass man sich (wieder) alleine um alles kümmern muss bis hin zum leeren Bett, das so kalt und groß erscheint ohne die/den PartnerIn.

Aber auch für die Seite, von der die Trennung ausgeht, ist nicht der/die GewinnerIn. Es fühlt sich nicht gut an, jemanden zu verlassen, es gibt keine „elegante“ Art, das zu tun, man will dem/der Anderen nicht weh tun, schließlich war man ja lange Zeit zusammen und hat einander auch einmal wirklich geliebt. Diesem Menschen weh zu tun ist niemandem egal. Wir suchen nach einer guten Trennung, aber die gibt es nur sehr selten. Denn der Teil, der geht, ist in seinen Gedanken, Plänen und oft auch Taten dem anderen Teil einfach ein paar Wochen oder Monate voraus. Man selbst hat lange darüber nachgedacht, mit FreundInnen gesprochen, eine Zukunft geplant – und der andere nicht. Der andere Teil ist gekränkt, überrascht, oft auch (begründet oder nicht) eifersüchtig – und man selbst kommt sich bei all dem wie einE VerräterIn vor.

Dazu kommt noch die finanzielle und rechtliche Situation, die geklärt werden muss: wer wohnt wo, wer zahlt was, wer kümmert sich um welche Angelegenheiten, wem gehören welche Möbel, etc? Oft hat man das Gefühl, vollkommen überfordert zu sein. In diesen Fällen kann es gut sein, sich jede Menge Hilfe zu holen, von FreundInnen, Familie, bis hin zur Rechtsberatung und Psychotherapie. Bleiben Sie nicht alleine in so einer Situation – es ist so schon schwer genug!

Bitte versuchen Sie beide, die Kinder so weit als möglich draußen zu lassen: das geht die nichts an! Aber so viel sei darüber gesagt: nicht alle Kinder haben lieber, dass die Eltern beisammen bleiben! Ich habe schon so oft gehört: „Ich hätte mir gewünscht, dass sich meine Eltern getrennt hätten!“ Kinder wollen vor allem anderen, dass sie in Ruhe aufwachsen können, und das geht nur, wenn es beiden Eltern gut geht. Wenn das gemeinsam ist – gut. Wenn das aber nicht mehr geht, dann ist es für die Kinder besser, wenn sich die Eltern trennen. Denn dauernder Streit oder auch latente Spannungen sind für Kindern schlimmer als eine klare Trennung.

Trennungen sind nie einfach. Das ist leider so – oder zum Glück, sonst würden wir es leichtfertig machen. Versuchen Sie, die Wut, die Enttäuschung, den Schmerz in sich leben zu lassen (und dabei auf der legalen Seite zu bleiben!), finden Sie eine Form, mit diesen Gefühlen klar zu kommen und lassen Sie sich Zeit. Irgendwann wird der Schmerz / die Enttäuschung / die Wut kleiner und verschwindet wieder, dann sind Sie wieder bereit, sich neu auf jemanden einzulassen, auch wenn Ihnen das jetzt gerade sehr unwahrscheinlich vorkommt. Das Leben geht immer weiter, und neues Glück ist immer möglich!

Beziehungs-ABC: S wie Schwiegerfamilien sind nicht immer einfach.

11. März 2019

S wie Schwiegerfamilien sind nicht immer einfach.

Es gibt so unendlich viele Witze über Schwiegermütter, dass man schon fast nicht mehr glauben kann, dass man sich auch gut mit den Schwiegereltern verstehen kann. Aber: Ja, es gibt genug Familien, für die das gar kein Thema ist, weil sie sich einfach gut verstehen. Für die ist der heutige Beitrag nicht, die dürfen sich genüsslich zurücklehnen und einander zufrieden auf die Schulter klopfen: das haben wir gut gemacht!

Für alle anderen: damit man sich mit den Schwiegereltern / SchwägerInnen / Schwiegerkindern versteht, gibt es ein paar Regeln, die zu beachten sind. Denn dass es so viele Witze darüber gibt, zeigt, dass es ein heikles Feld ist, auf dem viel schief gehen kann. Denn Eltern sind auf der einen Seite für viele Menschen wichtige Bezugspersonen, auf der anderen Seite aber gibt es jetzt eineN neueN PartnerIn, die die wichtigste Person im Leben ist.

Umgekehrt ist es auch nicht leicht, das Kind, das einem lange so nah und für das man so wichtig war, und das man so gut zu kennen glaubt, an einen Menschen „abzugeben“, der einen großen Einfluss auf das Kind hat (das natürlich schon längst erwachsen ist und auch von ganz anderen Menschen schon viel gelernt und übernommen hat). Das Kind entfernt sich von den Eltern, das ist ein schmerzhafter Prozess, und ein Schwiegerkind kann dann auch als Gefahr wahrgenommen werden: jetzt geht er/sie ganz von uns weg! Und verändert sich auch noch so sehr, dass wir am Schluss vielleicht gar nicht mehr zusammenpassen!

Wichtig für beide Seiten ist erst einmal die gegenseitige Anerkennung der guten Intention der anderen, das Verständnis. Und Respekt: man will weder belehrt noch entmündigt werden, man will weder belächelt noch verachtet werden, man will geschätzt und anerkannt werden in der je eigenen Art, mit der eigenen Gewohnheit, mit der guten Absicht, die man hat. Die fremde Familie, die einem da auf einmal so nah ist, und die man sich ja nicht ausgesucht hat, ist immer anders: viel kann man nicht verstehen oder findet man komisch oder unangenehm. Aus Respekt dem Kind /PartnerIn gegenüber soll man versuchen, dieses Anderssein der anderen Familie zu lassen. Das geht leichter, wenn man sich bewusst ist, dass die anderen die je eigenen Gewohnheiten vielleicht auch befremdlich findet…

JedeR ist, wenn die Eltern da sind, in einem Loyalitätskonflikt, denn da steht man zwischen Menschen, die man (hoffentlich) liebt und von denen man hofft, dass sie sich verstehen. (Wir haben ja auch gerne, wenn unsere Freunde sich untereinander verstehen, und im Grunde ist es nicht viel anders.) Als PartnerIn kann ich versuchen, nicht gegen die Schwiegereltern zu konkurrieren, anzukämpfen, sondern freundlich zu ihnen zu sein, irgendetwas Gutes hat jeder Mensch! In der Position der Schwiegereltern gilt das genauso: respektiere die neue Frau / den neuen Mann im Leben deines Kindes, und akzeptiere, dass er/sie sich dadurch verändert (das haben wir ja in unseren Beziehungen auch gemacht!)

Das obige Bild mag ich gerne: es ist nichts falsch an dem einen Stein in der Mitte: es ist ein Pflasterstein, so wie die anderen auch. Aber es ist auch nichts falsch an den grauen Steinen: es sind ebenfalls Pflastersteine. Dass der eine Stein nicht zu den anderen passt, bedeutet also nicht, dass er falsch ist oder die anderen es wären. Es passt nur eben nicht genau zusammen. So ist das in der Schwiegerfamilie auch: richtig, aber nicht ganz einfach. Doch mit etwas gutem Willen, einem Schuss Humor und einer Prise Gelassenheit kann das wirklich gut gelingen!

Beziehungs-ABC: Q wie Querschläger, Fehltritte und Ausreißer

26. Februar 2019

Q wie Querschläger, Fehltritte und Ausreißer

Es sollte nicht sein, wir wollten es nicht, wir „rutschen“ da in etwas hinein, das so nie geplant war. Aber es kommt dennoch vor, und zwar gar nicht so selten, und sowohl bei Männern wie auch bei Frauen: der Fehltritt. Die Affäre, die Außenbeziehung, die Freundin / der Liebhaber.

Wenn Menschen gefragt werden, wie es dazu gekommen ist, ist die Antwort meist, dass die eigene Beziehung schal geworden ist, dass sie sich nicht mehr geliebt gefühlt haben, dass sie schon lange Zeit nur noch nebeneinander her gelebt haben.

Die andere Variante ist, dass man der PartnerIn „nichts wegnimmt“, weil der Sex sowieso schon lange keine Rolle mehr gespielt hat, nur noch Routine war, oder wegen der Kinder einfach nicht mehr stattfindet. Aber jetzt, mit dem Liebhaber/ der Freundin – da ist alles wieder neu und aufregend! Und mit einem Mal fühlt man sich wieder jung, sexy, geliebt!

Eine Außenbeziehung ist immer eine unglaubliche Krise für jede Beziehung, mit der niemand leicht fertig wird. Viele scheitern daran, der „Scheidungsgrund“ wird zur neuen Beziehung, was manchmal gut geht, oft aber auch nicht.

Wenn man aber die Beziehung nicht aufgeben will, ist es wichtig, dass sich alle Beteiligten bewusst sind, dass jede der drei Personen der Dreiecksbeziehung dabei etwas gewonnen und etwas verloren haben:

Die Person, die fremd gegangen ist, hat natürlich eineN FreundIn, mit der/dem man eine Weile lang unkompliziert flirten / Sex haben / tolle Gespräche führen etc. konnte. Aber sie hat auch etwas verloren: nämlich das Gefühl, irgendwo ganz geliebt zu sein, mit allen Seiten angenommen. Und man muss immer lügen, was gar nichts so einfach ist, denn die Wahrheit drängt ans Licht.

Die Person, die betrogen wurde, hat natürlich verloren: das Vertrauen wurde missbraucht, sie wurde angelogen, hintergangen. Aber sie hat auch etwas gewonnen: sie hatte eine Weile „Ruhe“ von ihrer PartnerIn, und sie kann sich bequem zurücklehnen und die alleinige Schuld an der Krise der anderen Person zuschieben.

Und die Affäre, die hat auch beides: auf der einen Seite eine interessante Beziehung, ohne Komplikationen, ohne Alltag, meist mit schönen Geschenken und Ausflügen. Aber sie ist auch immer nur die „Nummer 2“, alle Feiertage, Urlaube und die meisten Wochenenden ist sie alleine, muss sich immer nach den Möglichkeiten der Ursprungsfamilie richten.

Wenn man sich also bewusst ist, dass alle drei Personen von der Situation auf der einen Seite profitiert haben, auf der anderen Seite verloren haben – nur dann ist es möglich, ohne ständige Vorwürfe, schlechtes Gewissen, Entschuldigungen – und dann wieder Ausbruchsversuchen – aus der Krise wieder heraus zu kommen. Aber einfach ist es nicht, und meistens ist professionelle Hilfe angeraten.

Dennoch: die gute Nachricht ist: alle Paare, die wieder zueinander finden wollen, können das auch tun. Selbst nach einem Querschläger!

Beziehungs-ABC: P wie Patchwork, oder: wie geht das mit uns allen?

11. Februar 2019

P wie Patchwork, oder: wie geht das mit uns allen?

In vielen Beziehungen ist patchworken der ganz normale Alltag: es wird ausgemacht, wann die Kinder bei welchem Elternteil sind, ausgehandelt, wer für was zuständig ist und abgesprochen, wie viel Verantwortung der Stiefelternteil für die Kinder hat. Was früher ungewöhnlich war, ist momentan eher die Regel als die Ausnahme.

Es ist für die Kinder wichtig, dass wir Erwachsene unsere Rollen klar trennen und sie nicht in unsere Ex-Beziehungsprobleme einschalten. Was so einfach klingt, ist doch mitunter so schwierig! Da ist die Neue des Ex, die man für inkompetent hält. Da ist die Mutter der Kinder, die schlecht über den Vater redet oder dem Vater seine Rechte vorenthält. Da gibt es Paare, die nicht miteinander, sondern nur über die Kinder kommunizieren. Und es gibt natürlich die neuen PartnerInnen, die versuchen, einen Kontakt mit den Stiefkindern herzustellen. Oft gibt es auch noch Stiefgeschwister, die das Ganze zusätzlich bereichern.

Kinder haben es schwer genug, wenn sich die Eltern getrennt haben. Sie müssen mit der neuen Situation fertig werden, die sie meist jedenfalls am Anfang nicht besonders mögen. Aber sie schaffen das, wenn die Erwachsenen sie nicht zusätzlich damit belasten, die Probleme, die sie miteinander nicht lösen konnten, jetzt „für die Eltern“ lösen zu müssen. Kinder können sich sehr gut auf die neue Situation einlassen, wenn sie bemerken, dass es den Eltern nun besser geht als vorher, wenn sich die Situation beruhigt und sie sehen, dass alle entspannt sind.

Was Kinder wirklich wollen, ist, dass es ihren Eltern gut geht. Das ist ihnen wichtiger als die Frage, ob diese beisammen bleiben oder sich trennen.

Immer wieder erzählen mir Menschen als Grund dafür, warum sie sich nicht trennen: „wegen der Kinder“. Ich halte dagegen: Kinder leiden mehr darunter, wenn die Eltern in Unfrieden beisammen bleiben oder sogar streiten. (Und wenn Sie glauben, Sie könnten irgendetwas vor Ihren Kindern verbergen, täuschen Sie sich nicht: niemand kennt Sie so gut wie Ihre Kinder. Die haben jahrelanges Training darin, Ihre Stimmungen und Mimik zu deuten, die haben ja lange nichts anderes gekonnt oder verstanden als das!)

Die Aufgabe besteht also darin, die Kinder in Ruhe ihre Beziehungen zu den getrennten Eltern aufbauen zu lassen, zu neuen PartnerInnen zu ermöglichen und darauf zu vertrauen, dass sich am Schluss eine gute Struktur für alle finden wird. Alle Eltern sind aufgefordert, das ebenfalls in Ruhe zu tun: auf sich schauen, ihre Prioritäten klären, die Ex-Beziehung verabschieden, die Kinder der neuen PartnerIn freundlich, aber nicht übervorsichtig behandeln, darauf vertrauen, dass es gut gehen wird.

Patchwork ist Arbeit, wie es das Wort schon sagt. Aber das ist jede Beziehung ja sowieso. Und oft ergeben sich Kombinationen, die man sich gar nicht vorstellen konnte, die richtig gut sind, für Kinder und Erwachsene!

Beziehungs-ABC: O wie Organisation ist alles

4. Februar 2019

O wie Organisation ist alles.

Der Alltag einer Beziehung ist oft unheimlich kompliziert: wie machen wir was, wann, wer kümmert sich um was, wer ist woran Schuld, wie soll etwas ablaufen, wer kauft ein, wer kocht, wann kommt jemand nach Hause, wer bezahlt was, wann, warum, wie oft, … ???

Das kann leicht in Vorwürfen enden, weil die Erwartungen nicht klar waren, weil es Missverständnisse geben kann, weil man sich nicht in der Lage fühlt, gewisse Dinge (auch noch!) zu erledigen.

In einer Beziehung geht es in diesem Sinn zu wie in einer Firma, nur gibt in dieser „Firma“ unglaublich viele Tätigkeiten, für die man sich weder „beworben“ hat, noch die man jemals gewollt hätte (sonst würde man das ja beruflich machen!) Es gibt die Führungsebene, wo Entscheidung getroffen werden, es gibt die Finanzabteilung, die Einkauf und Management beinhaltet, es gibt das Facility Management, die Kinderbetreuungsabteilung, den Bereich der Haustechnik. Bei all dem hat man weder Urlaubsanspruch noch Stundenbegrenzungen, und schon gar keine ordentliche Bezahlung!

Und man kann auch nicht in die Firma kommen, sich erst mal hinsetzen und sagen, man muss sich jetzt erst mal von der anstrengen Zeit zuhause ausruhen. Wenn Aufgaben erledigt werden müssen, kann man sie nicht einfach an jemand anderen delegieren, bloß weil man keine Lust dazu hat oder sich nicht kompetent fühlt.

Es gibt in vielen dieser Teilbereiche eineN von uns, der/die da kompetenter ist, das bedeutet, dass diese Person die Leitung und das Sagen in diesem Teilbereich hat, nicht aber, dass sie alles alleine zu erledigen hat. Für eine gut funktionierende Partnerschaft ist ein gutes Team wichtig, da muss klar sein, wer welche Kernkompetenzen hat. Und Bereiche, in denen sich keineR zuständig fühlt, muss man outsourcen, das ist eine Frage der Konsequenz: besser, wir machen die Dinge selbst, in denen wir uns zuständig und kompetent fühlen und überlassen die, für die wir uns nicht erwärmen können, an Außenstehende.

In diesem Sinne: setzen Sie sich zusammen und achten Sie darauf, dass Sie (weiter) das gute Team sind, das Sie nur gemeinsam sein können! Wenn alle gemeinsam an einem Projekt interessiert und engagiert sind, wird immer etwas Gutes daraus!

Beziehungs-ABC: N wie Nähe und Distanz

21. Januar 2019

N wie Nähe und Distanz

Die Frage beschäftigt uns in Beziehungen immer (wieder): wie nahe sind wir einander, wie viel Distanz brauchen wir? Häufig kann man etwas beobachten, was wie ein Tanz aussieht: ein Schritt aufeinander zu, ein Schritt voneinander weg.

Die Sehnsucht nach Nähe oder Distanz ist meist nicht gleich ausgeprägt bei beiden PartnerInnen, und auch pro Person wechselt das immer wieder. Nähe ist außerdem etwas, was Menschen mit unterschiedlichen Aktionen oder Situationen verbinden: manche fühlen sich besonders nah, wenn sie miteinander kuscheln, andere, wenn sie sich unterstützt fühlen, gelobt oder bei gemeinsamen Handlungen. Schon alleine diese unterschiedlichen Empfindungen können zu Missverständnissen führen, es ist also wichtig, herauszufinden, was genau sich die/der PartnerIn unter Nähe vorstellt.

Wenn wir es schaffen, einander- immer wieder – sehr nahe zu kommen, dann kann das ein sehr schönes und inniges Erleben sein: wir fühlen uns fast wie eins, wir mögen dieselben Dinge, wir können die Sätze der/des Anderen vervollständigen, wir fühlen uns ganz verstanden, tief geliebt, innig verbunden. Von diesen Zeiten lebt jede Beziehung sehr lange, und wenn es – nach der ersten Verliebtheit häufig – abnimmt, fühlen wir uns wie bei einem Kater: ungeliebt, unbefriedigt, traurig.

Und manchmal brauchen wir auch das Andere: Zeit für uns selbst, „me-time“, Freiheit, alleine sein können, tun, was wir wollen ohne uns eingeengt zu fühlen. Das kann, wenn man großes Glück hat, gleichzeitig auftreten, oft tut es das aber nicht, und das kann dann zu Kränkungen, Verletzungen oder Unverständnis führen, und zwar auf beiden Seiten: die PartnerIn, die alleine sein will, fühlt sich zu Unrecht dafür kritisiert, weil sie ja nichts Falsches tut, und die, die zurück bleibt, fühlt sich alleine gelassen, verraten, verlassen. Meine Ansicht ist, dass es für die Person immer wieder wichtig ist, sich ganz mit sich selbst zu beschäftigen, die eigenen Werte, das eigene Leben zu betrachten und zu hinterfragen, eigene Erlebnisse zu machen und zu verarbeiten, damit wir dann wieder voll Freude zu unserer PartnerIn zurückkehren können.

Wichtig ist für alle Beziehungen, dass man sich darüber klar wird, was genau die Erwartungen der/des Anderen sind, wie die Bedürfnisse ausschauen und was man selbst will. Jede Beziehung braucht Phasen der Nähe, sonst lebt sie nicht. Und sie braucht Zeiten des Alleinseins, sonst kann die eigene Person zu wenig erfahren und reifen. Wenn man verstanden hat, dass beides für eine gute Beziehung notwendig ist, dass weder das eine noch das andere schlecht oder verletzend ist (oder sein muss), dann wird man eine Form finden, die für beide Seiten gut und zufriedenstellend ist. Dann kann man selbst immer wieder für sich sein und dann wieder gerne in die Nähe der/des Anderen kommen.

Beziehungs-ABC: L wie Liebe, Lust und Leidenschaft

7. Januar 2019

L wie Liebe, Lust und Leidenschaft

Erst einmal willkommen zurück nach den Weihnachtstagen, dem Urlaub und alles Gute im Neuen Jahr 2019! Mögen all Ihre Sehnsüchte deutlich werden und viele davon in Erfüllung gehen! Das gilt auch für unser Thema Beziehung. Auch hier möge Ihnen viel gelingen, möge sie Ihnen Freude und Zufriedenheit bringen!

Liebe, Lust und Leidenschaft – all das sind schöne Dinge, die das Leben zu zweit so richtig beglückend machen. Vor allem zu Beginn einer Beziehung können wir meist gar nicht genug voneinander bekommen, können Hände und Münder nicht voneinander lassen, der/die andere riecht, schmeckt so gut, fühlt sich so schön an, …! Wir könnten ganze Tage im Bett miteinander verbringen, und oft tun wir das auch. Und das ist auch sehr gut so!


Finden Sie dennoch im Laufe der Zeit mehr Möglichkeiten als „nur“ Sex, um diese Leidenschaft miteinander zu leben! Denn die Zeiten ändern sich, man gewöhnt sich aneinander, ist nicht mehr so neugierig auf den Körper der/des anderen – der Alltag hat einen wieder. Das geschieht immer, ist unvermeidlich und sogar richtig, aber die Leidenschaft sollte dann nicht abnehmen müssen.

Suchen Sie gemeinsam nach Ausdrucksformen, die auch im Alltag leicht möglich sind: Berührungen, kleine Zärtlichkeiten, Kuscheleinheiten, Küsse. Gehen Sie miteinander tanzen oder betreiben Sie Sport, bei dem Sie einander berühren können, wo Sie miteinander auf ein Ziel hinarbeiten. Versuchen Sie auf viele Arten, die Freude aneinander, am Körper der/des anderen und an seinem/ihrem Dasein aufrecht zu erhalten.

Und vergessen Sie die lieben Worte nicht! Wir alle freuen uns über eine kleine Notiz, einen Brief, ein SMS, ein Mail – irgendeine Nachricht, die uns zeigt, dass die/der andere sich an uns wichtige Dinge erinnert, schon auf uns wartet, mit Liebe an uns gedacht hat – uns einfach liebt und uns das auch zeigt.

Das alles erhält die Leidenschaft, macht Lust aufeinander

und vertieft die Liebe.

Beziehungs-ABC: J wie Jagdverein und sonstige Hobbys

10. Dezember 2018

Jagdverein und sonstige Hobbys

Wie viel Zeit soll man eigentlich gemeinsam verbringen? Wie ist es mit der Zeit, die wir für unsere Hobbys und Interessen brauchen, die wir nicht miteinander teilen? Ist es so, dass diese Hobbys hinter der Beziehung zurücktreten sollen oder haben sie nach wie vor ihre Berechtigung, auch wenn sie sehr viel Zeit brauchen?

Oft höre ich von Menschen, dass sie sich ganz aufgeben, wenn sie in eine Beziehung kommen, dass sie sich ganz verlieren. Der Prototyp wurde in dem bekannten Film „Die Braut, die sich nicht traut“ sehr gut beschrieben: die Betreffende weiß nicht einmal, wie sie ihre Frühstückseier gerne mag, weil sie sie einfach immer so gegessen hat wie ihr jeweiliger Verlobter.

Es ist natürlich schön, wenn man viel Zeit gemeinsam verbringt, aber sich dabei ganz zu verlieren, ist nicht zielführend: denn die PartnerIn hat sich ja in den Menschen verliebt, der man ist und nicht in eine Version von einem, die letztendlich beziehungsmäßig „weichgespült“ ist. Das Beispiel dazu ist der Rocker, der von seiner Frau so lange „bekehrt“ wird, bis er ein eintöniger Spießer ist, den seine Frau verachtet, weil er so langweilig ist. 

Die Kunst ist hier, den richtigen Mittelweg zu finden: man soll sehr wohl die eigenen Hobbys pflegen, aber das Entscheidende daran ist wohl, dabei die PartnerIn nicht ganz draußen vor zu lassen, ihr/ihm nicht das Gefühl zu vermitteln, unwichtig oder nebensächlich zu sein. Das ist auf der einen Seite eine Zeitfrage, auf der anderen aber eine der Aufmerksamkeit: man kann einander von den Erlebnissen erzählen, die man in der Zeit ohne einander gemacht hat, dabei auch darauf achten, was der/dem anderen interessant erscheinen kann.

Es ist die innere Verbindung, die den Unterschied macht, ob sich jemand eingeschlossen fühlt oder nicht. Und im Grunde wissen wir meist sehr genau, ob wir unsere PartnerIn an unserem Leben teilhaben lassen oder nicht. Und sie/er merkt das dann eben auch ….

Beziehungs-ABC: I wie Ich liebe dich!

3. Dezember 2018

I wie Ich liebe dich.

Manchmal ist es ganz leicht, diese „berühmten drei Worte“ zu sagen. Sie sind verbunden mit der Hoffnung, dass es auch in Zukunft so bleiben soll, weil es so schön ist, geliebt zu werden und lieben zu dürfen. Aber nicht immer ist es so, dass wir diese Liebe auch wirklich in unserem Inneren empfinden.

Wie ist das mit der Liebe in einer Beziehung? Wie wichtig ist sie für eine Beziehung, was passiert, wenn man sie nicht mehr fühlt, kann sie vergehen, und wenn ja, warum? Kann man das überhaupt beeinflussen?

Ich habe viel darüber nachgedacht, weil ich das für eine sehr wichtige Frage halte. Liebe kann man, meiner Ansicht nach, nicht überbewerten, aber man darf sie auch nicht überbewerten. Das klingt nach einem Widerspruch, bitte lassen Sie es mich erklären:

Liebe ist für die Beziehung wichtig, ohne Liebe ist sie schal und langweilig, niemand interessiert sich dafür, und schon gar nicht würde man irgendetwas für den/die Anderen tun, wenn man sie nicht lieben würde. Sie ist das Feuer, das die Beziehung am Leben erhält, sie ist die Wärme, die uns zusammenschmilzt, sie ist der Kitt, der uns beisammen hält, die ständige Sehnsucht nach dieser Wärme bringt uns dazu, uns für einander einzusetzen und liebevoll zu sein.

Aber Liebe ist mehr als ein Gefühl, sie ist auch eine Entscheidung, und daher darf das Gefühl nicht überbewertet werden. Es ist die Entscheidung, der/dem Anderen gegenüber wohlwollend zu sein, ihr/ihm zuerst einmal mit einem positiven Vorurteil zu begegnen, und auch in mühsamen Zeiten das Handtuch nicht gleich zu schmeißen. Manchmal ist es mit der Liebe wie mit dem Grundwasserspiegel, der immer noch da ist, auch wenn oben das Wasser schon spärlich wird. Dann muss man – wie bei einem Brunnen – pumpen, damit es oben auch wieder erscheint, dann muss man an der Beziehung arbeiten, damit sich die Liebe wieder einfindet.

In diesem Sinne ist es manchmal wie schwere Arbeit, „Ich liebe dich“ zu sagen, und manchmal ganz leicht. Wenn es leicht ist – genießen Sie es. Wenn es schwer ist – machen Sie sich an die Arbeit! Je größer die Mühe, desto besser schmeckt das Ergebnis, wenn es gelingt!