Beziehungs-ABC: E wie Erotik und Sexualität

5. November 2018

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E wie Erotik und Sexualität

Kaum ein anderes Thema geht uns so nahe wie dieses, kaum eines ist mit Beziehung enger verbunden, kaum eines wird so kontrovers diskutiert: Erotik und Sex sind Dauerbrenner.

Wie können wir uns dem Thema so nähern, dass nicht Altbekanntes zum x-ten Mal wiederholt wird, keine Klischees bestärkt, keine Verletzungen wiederholt, keine Methode verteufelt, kein Ideal beschworen und keine  Phrasen gedroschen werden?

arrow-2085195_640Dazu möchte ich an den Beitrag von letzter Woche anknüpfen: du bist anders. Du bist der/die ganz Andere, und das gilt auch im Bereich der Sexualität. Aber anders zu sein kann uns über uns selbst verunsichern („bin ich richtig so, wo ich doch anders bin als du?“). Ebenso kann uns das Anderssein des/der Anderen unsicher machen  („bist du richtig so, wo du doch so anders bis als ich?“).

lover-1822498_640Diese Unsicherheit verursacht eine Spannung, die gerade in einem Punkt, der uns so nahe geht wie Sexualität, leicht zerstörerisch werden kann. Die Spannung kann dann gegen den/die Andere als Vorwurf verwendet werden: bei unterschiedlich häufigem Auftreten von Lust („immer / nie willst du Sex!“), oder bei unterschiedlichem Tempo beim Sex („du kommst zu früh / zu spät!“), bei unterschiedlichen Vorlieben („du bist zu bieder / pervers!“) oder bei unterschiedlichen Praktiken („immer / nie willst du ….!“). Dann fühlen wir uns verletzt, unverstanden, beschämt. Und gerade die Scham macht es uns schwer, im Gespräch zu bleiben.

boy-2462944_640Die Lösung besteht darin, anzuerkennen, dass alle das volle Recht haben, genau die Art von Sex zu wollen, die sie mögen. Denn das ganze Leben, alle Erfahrungen haben dazu geführt, dass ich genau so bin, wie ich bin, dass mich das erregt, was mich erregt, dass ich dann Sex mag, wann ich mag und dass ich diese Art von Erotik ansprechend finde und eine andere weniger. Es ist völlig legal, genau so zu sein wie ich bin.

Wichtig ist nur, das auch der/dem Anderen zuzugestehen. Wenn wir es aber schaffen, einander liebevoll zuzugestehen: „Ich bin okay, du bist okay!“, dann kommen wir aus der Schleife der Vorwürfe und Rechtfertigungen heraus und können voll Staunen die Welt des/der Anderen entdecken (die aber niemals die unsere sein wird oder sein muss oder soll!).

Dann kann genau diese Ebene eine besonders innige werden, sodass es uns möglich ist, nicht bloß „Sex zu haben“ sondern wirklich „Liebe zu machen“. 

Kuss.Rodin

(Der Kuss. nach Auguste Rodin)

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Beziehungs-ABC: D wie Du bist ja ganz anders!

29. Oktober 2018

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Du bist ja ganz anders!

Es gibt zwei Sprüche über Beziehungen, die einander scheinbar widersprechen: „Gleich und gleich gesellt sich gern“ und „Gegensätze ziehen sich an“. Also, was jetzt?

Ich bin der Meinung, dass es um die „magischen 20%“ geht: wir teilen mit fast allen Menschen in etwa 30% an Verhaltensweisen und Eigenschaften: wir fühlen uns wohl, wenn wir ausgeschlafen sind, wir mögen es, wenn wir gemocht werden, etc.

Weiters gibt es Menschen, mit denen wir auf etwa 50% kommen, diese nennen wir dann FreundInnen: mit ihnen teilen wir zusätzlich noch Vorlieben, Hobbys, Anschauungen, Einstellungen. Das sind unsere FreudInnen aus Vereinen, ArbeitskollegInnen, NachbarInnen, dazu gehören auch die meisten Familienmitglieder.

butterfly-3238048_640Und dann gibt es Menschen, mit denen wir auf rund 80% kommen, weil wir so viel gemeinsam haben, dass wir uns ihnen sehr nahe fühlen. Mit diesen Menschen können wir eine Liebesbeziehung haben. Das bedeutet, dass wir einander anziehen, weil wir einander so gut verstehen können, weil wir ähnliche Vorlieben, Ansichten, Freuden und Leiden haben. Es ist wunderschön, wenn wir uns so verstanden fühlen! In diesem Sinne: „gleich und gleich gesellt sich gern“.

arrow-2085195_640Umgekehrt bedeutet das auch, dass es ungefähr 20% gibt, die wir auch in der besten und innigsten Liebesbeziehung nicht miteinander teilen. Und das ist auch gut so! Denn auf der einen Seite sind es die Bereiche, in denen wir unterschiedlich sind und die uns daher auch Schwierigkeiten machen („du verstehst mich nicht“). Auf der anderen Seite aber handelt es sich hier um den Teil, in dem wir einander bereichern, inspirieren und ergänzen können. „Zeig mir deine Welt, erzähl mir Dinge, die ich noch nicht weiß, bring mir bei, wie man noch denken/fühlen/erleben kann!“ Wenn wir alles gleich hätten, wäre uns sehr bald langweilig! Hier gilt also: „Gegensätze ziehen sich an“.

 

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UnserE MärchenprinzEssin erträumen wir uns logischer Weise so, dass sie/er genau zu uns passt, also die vollen 100%. (Alles andere wäre komisch, ich stelle mir ja nicht eine WunschpartnerIn vor, die mir widerspricht …!). Die Aufgabe der ersten Wochen und Monate einer Beziehung ist unter anderem, herauszufinden, wo diese wichtigen 20% zu finden sind und wie wir damit umgehen können.

Wenn uns das gelingt, dann ist der Satz „Du bist ja ganz anders!“ kein Vorwurf mehr sondern eine Aufforderung, einander zu bereichern und zu neuen Ansichten einzuladen.

Beziehungs-ABC: C wie Charisma macht alles einfacher

22. Oktober 2018

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C wie Charisma macht alles einfacher

Unter Charisma verstehe ich hier: Begeisterungsfähigkeit, Empathie, Freude an intensiven Gefühlen, Echtheit, Optimismus und positive Lebenseinstellung.

Denn wer so in eine Beziehung geht, ist nicht vor allem an den Fehlern interessiert, die geschehen, sondern an dem Gelingenden. Da geht es dann vor allem darum, das zu feiern, was schön ist in der Beziehung: Goldgräberei statt Mistkäferei.

nature-3188987_640Wir dürfen das zu Recht machen, weil uns immer viel mehr gelingt als schief geht, weil wir uns bemühen und so viel davon geht in Erfüllung!

Wer das bei sich selbst und auch bei der PartnerIn sieht und wertschätzt, hat viel mehr Freude am Leben. Statt nur das Versagen zu sehen, wird der Stolz auf das wachsen, was mir/dir/uns gelungen ist, was wir geschafft haben.

Charismatisch zu sein, bedeutet dabei nicht, das Negative „schön zu reden“ oder „positiv zu denken“ sondern bedeutet (nur), das Gute nicht aus den Augen zu verlieren, weil es einfach total ungerecht ist, wenn wir das tun. Denn alle Menschen bemühen sich in ihren Grenzen, meist gelingt ihnen auch viel von dem, was sie angestrebt haben. Das will gewürdigt werden und nicht durch das zerstört, was eben nicht so gut geschafft wurde.

Diese Einstellung ist es, die uns dann auch ermöglicht, über das weniger gut Gelungene großherzig hinwegzusehen und es in Relation zu dem zu stellen, was gut gegangen ist.

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Beziehungs-ABC: B wie Beziehungs(un)fähigkeit

15. Oktober 2018

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B wie Beziehungs(un)fähigkeit

Mit einer Beziehung ist es wie mit einem Ofen. Wenn man sich vor ihn setzt und sagt: „Sobald du mir Wärme gibst, gebe ich dir Holz“, wird man nicht weit kommen. Es ist daher notwendig, selbst anzufangen, wenn man es warm haben will. Man muss dem Ofen Holz geben, und zwar nicht deshalb, weil der Ofen es für sich braucht oder es verdient hat, sondern weil man selbst es warm haben möchte.

bank-2662347_640Das bedeutet für die Beziehung: wenn man sich geliebt fühlen will, dann soll man selbst damit anfangen, liebevoll zu sein. Lieben ist ein Tun-Wort und nicht eine Sache, die einem in den Schoß fällt und dann einfach bleibt oder wieder verschwindet. Es liegt in unserer Hand, wie wir mit unserer PartnerIn umgehen, und wenn wir uns zu wenig geliebt fühlen, dann sind wir meist auch selbst nicht liebevoll genug gewesen. Und zur Erinnerung: man macht das zuerst nicht unbedingt, weil es die Partnerin braucht oder verdient hat, sondern weil man selbst geliebt werden möchte!

flame-580342_640Um dieses Beispiel noch etwas weiter zu treiben: man muss den Ofen auch mit dem füttern, was der Ofen an Brennmaterial braucht und nicht das, was einem selbst richtig erscheint oder was man selbst zum Brennen braucht. Einem Holzofen muss man Holz geben, einen Ölofen Öl und einem Gasofen Gas. Selbst wenn man selbst auf ein anderes Material steht. Da macht es keinen Sinn, dem Ofen zu erklären, warum das Material, das er braucht, nicht vorhanden, teuer oder wenig sinnvoll ist. Versuchen Sie nicht, den Ofen zu bekehren, dann werden Sie lange frieren!

hands-699486_640Finden Sie also heraus, was das ist, was Ihre PartnerIn unter liebevoller Zuwendung versteht: sind es Zärtlichkeiten, Gespräche oder Geschenke, Unterstützung, vielleicht auch: Lob, Zeit, gemeinsame Unternehmungen, …? Das ist wahrscheinlich nicht unbedingt immer auch das, was Sie gerade bevorzugen, aber diskutieren Sie nicht darüber, was sie/er braucht sondern: wenn Sie es warm haben wollen, wenn Sie sich geliebt fühlen möchten, geben Sie Ihrer PartnerIn genau das. Umgekehrt werden Sie dann auch bald das bekommen, was Sie wollen (vorausgesetzt, Sie haben das Ihrer PartnerIn auch mitgeteilt!)

In diesem Sinne: eine warme Woche!

Beziehungs-ABC: A wie: Aller Anfang ist leicht

8. Oktober 2018

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Aller Anfang ist leicht!

Nach längerer oder auch kürzerer Zeit, mit mehr oder weniger Sehnsucht und Hoffnung ist es nun endlich so weit: ihr habt einander gefunden und euch ineinander verliebt. Dieses Gefühl ist wunderschön: alles erscheint leicht, man selbst fühlt sich interessant, sexy, wunderschön, liebenswert und unglaublich witzig. Dasselbe gilt für die PartnerIn: sie/er ist endlich eine Seelenverwandte, ein Held ohne Fehl und Tadel!

Das ist eine gute Zeit, weil man mit jedem Menschen eine neue und andere Welt in all ihrer Schönheit kennenlernt, und weder sie noch die Ansichten der PartnerIn hinterfragt. Gleichzeitig ist da jemand, die/der sich für mich interessiert, meine Welt kennenlernen und das Leben mit mir teilen möchte.

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Zwei sehr unterschiedliche Probleme kann es in dieser Phase einer Beziehung geben: auf der einen Seite gibt es die, die diese Zeit immer festhalten möchten und auf der anderen die, die sie sich nie zu erleben getrauen.

castles-616573_640Die Enttäuschten: Wenn diese Zeit der Verliebtheit vergehen wird, dann wird eine gewisse Enttäuschung darüber entstehen. „Ich wollte einen allnächtlichen Mann – und habe einen alltäglichen bekommen.“ Was erst lustig oder traurig klingt, ist aber auch die einzige Möglichkeit, dass aus der Verliebtheit eine tiefe Liebe wird, die die Beziehung auf Dauer tragen kann.

Verliebtheit ist toll, aber eine Beziehung tragen kann sie nicht. Sie ist das Sahnehäubchen auf dem Kuchen der Liebe, und es ist gut, wenn wir uns immer wieder neu in unsere PartnerIn verlieben, wenn wir immer wieder aus dieser Zeit des Anfangs schöpfen und uns wieder einmal so verhalten wie am Anfang. So wird die Zeit der Verliebtheit immer eine Erinnerung daran, dass wir einander nicht als selbstverständlich betrachten: es ist ein Geschenk, dass du mit mir zusammen bist und mich liebst, mich in meiner Eigenart erträgst und auch in schwierigen Phasen bei mir bleibst.

sculpture-1478106_640Und dann gibt es Menschen, die vor lauter Angst erst gar niemanden so nahe an sich heranlassen, dass sie sich verlieben könnten. Sie fürchten den Verlust der wunderbaren Träume so sehr, dass sie lieber ihr Herz verschließen, von Anfang an die Fehler im Anderen suchen, der es ihnen unmöglich machen wird, sich überhaupt ernsthaft auf jemanden einzulassen.

Die Aussagen dieser Menschen sind dann: „Die große Liebe ist ja nur ein Märchen, die gibt es gar nicht.“ Oder: „Warum soll ich mir das Ganze mit der Beziehung antun, es macht mich höchstens verletzbar.“ Aber die Sehnsucht nach Nähe, die ist bei Vielen trotzdem da.

Verliebtheit ist ein schönes Gefühl, wir dürfen diese Phase genießen, ja, wir sollen es sogar. Wir dürfen nur nicht glauben, dass das schon alles ist, dass es immer Rosen regnen muss oder gar soll. Aber wir können später immer wieder auf diese Zeit zurückschauen und uns daran erinnern, welch ein tolles Geschenk es bedeutet, wenn einem jemand das Herz schenkt.

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Beziehungs-ABC

1. Oktober 2018

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Ich habe angekündigt, ab Herbst mit dem Beziehungs-ABC zu starten, und das beginnt also heute mit der Vorstellung der Themen. Zur Adventszeit wird es eine Pause geben – da wird es um Spiritualität gehen – aber ab dem kommenden Jahr geht es dann wieder mit dem Durchbuchstabieren des Beziehungs-ABCs weiter. Lassen Sie sich überraschen!

A wie Aller Anfang ist leicht

B wie Beziehungs(un)fähigkeit

C wie Charisma macht alles einfacher

D wie Du bist ja ganz anders

E wie Erotik und Sexualität

F wie Fröhlich bin ich Frau

G wie Gewohnheiten – Segen oder Fluch?

H wie Hoch-Zeiten versus Alltagstrott

I wie Ich liebe dich

J wie Jagdverein und sonstige Hobbys

K wie Kinder und andere kreative Projekte

L wie Liebe, Lust und Leidenschaft

M wie Männer mag man eben

N wie Nähe und Distanz

O wie Organisation ist alles

P wie Patchwork oder wie geht das mit uns allen?

Q wie Querschläger, Fehltritte und Ausreißer

R wie Richtig oder falsch?

S wie Schwiegerfamilien sind (nicht immer) ganz einfach

T wie Tiefzeiten nach den Hoch-Zeiten

U wie Unbesprochenes, Unbeirrtes und Unbestrittenes

V wie Vergangenheit begleitet uns

W wie Wir schaffen das

XX oder XY wie Diese Sache mit den Chromosomen

Z wie Zukunft für uns beide!

Sommerreihe 2018: nach Lust und Laune 12: Auf Wiedersehen – und auf ein Wieder-Sehen

17. September 2018
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Auf Wiedersehen – und auf ein Wieder-Sehen
Wir sind am Ende des Sommers angekommen, und auch am Ende der Sommerreihe „nach Lust und Laune“. Ich bedanke mich bei Ihnen für Ihr Mitlesen, hoffe, dass Sie das eine oder andere Interessante erfahren konnten und bei den Experimenten hoffentlich erlebt haben, wie Sie mit Ihren „Dinosauriern“ umgehen können.
Nach dem „launigen“ Sommer geht es jetzt wieder ernst weiter – auf meiner Homepage können Sie mir weiter folgen, Sie müssen sich dort nur eintragen, dann bekommen Sie wöchentlich meine neuesten Blog-Einträge per mail zugesandt.
Das Thema, das uns dort in den nächsten Wochen beschäftigen wird, ist das „Beziehungsweise-ABC“: Woche für Woche werde ich nach dem Alphabet Themen rund um Beziehung „durchbuchstabieren“, von A wie Anfang bis Z wie Zufriedenheit.Falls Sie Themen haben, zu denen Sie möchten, das ich etwas schreibe, bitte senden Sie mir ein Mail, dann werde ich Ihre Anregung aufnehmen, wenn mir das irgendwie möglich ist. Wenn Sie das tun möchten, bitte klicken Sie
HIER und teilen Sie mir Ihren Wunsch mit.
Ich freue mich über alle, die mitlesen, oder auch mitdiskutieren. In diesem Sinne: einen guten Start in den Herbst, und ich hoffe, wir treffen einander auf meinem Blog wieder!
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Experiment 12: dem Blog folgen (falls Sie das nicht ohnehin schon tun..)
 
Bitte machen Sie es einfach jetzt gleich: klicken Sie auf den Button „diesem Blog folgen“ auf der Startseite rechts und tragen Sie sich dort ein. Sie sichern sich damit die Zusendung aller zukünftigen Blog-Einträge: das Beziehungs-ABC, das im Oktober starten wird, und viele andere interessante Beiträge rund um Leben, Lieben, Lassen, Lust und Launen.
Ich freue mich, wenn Sie auch gelegentlich einen Kommentar dazu geben, wenn Ihnen etwas besonders wichtig erscheint oder Sie auch eine andere Meinung haben.
Sollten Sie bereits einE regelmäßige LeserIn meines Blogs sein, sage ich Ihnen hiermit, dass ich mich über Sie besonders freue!

Sommerreihe 2018: nach Lust und Laune 11: W wie Wut und Z wie Zorn

10. September 2018

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W wie Wut und Z wie Zorn

Wut und Zorn sind mächtige Gefühle, die uns ziemlich Angst machen können. Sie sind unangenehm, für uns und/oder die anderen, sie kommen wie eine Welle über uns, und meist fühlen wir uns ihnen vollkommen ausgeliefert. Und sie können eine Menge anstellen und kaputt machen, von ein paar Häferln, die wir in unserer Wut zerschlagen bis hin zu Beziehungen, ja sogar bis zum Krieg zwischen Völkern. Oder sie richtet sich nach innen, gegen sich selbst, dann wird man depressiv oder verletzt sich selbst, bis hin zum Suizid.
Alles in allem: ist es also ein Gefühl, das man besser vermeidet, weil es so schädlich und gefährlich ist? – NEIN!
Erstens nein, weil es ja gar nicht geht (wir erinnern uns: Dinos!) und zweitens nein, weil es schade darum wäre.
Schade, wenn es doch so gefährlich ist? – Kein Gefühl ist ohne Grund da, und die Wut ist da keine Ausnahme. Denn die Wut zeigt sehr deutlich auf, wo etwas nicht gut ist.
Unsere Seele will, dass wir es gut haben, und wenn wir das nicht bekommen, werden wir wütend. Es geht also (nur) darum, einen Weg zu finden, das Problem zu sehen und einen Weg zu finden, den Konflikt zu lösen, und zwar mit besseren Mitteln als mit blinder Wut.
Wie das geht, wissen Sie jetzt schon: den Dino vorbeiziehen lassen (atmen und warten, wissend, dass Sie jetzt diese eine Situation/Aussage/Handlung wütend gemacht hat, und wir bleiben bei dieser einen einzigen!) und dann mit Hilfe der Vernunft Lösungen suchen, mit denen beide Seiten gut leben können.
Wenn Sie, was Viele machen, das Problem verdrängen, kaum dass der Dino weg ist, werden Sie bei der nächsten Gelegenheit wieder wütend werden (müssen!). Umgekehrt ist ein Problem, das für beide Seiten gut gelöst ist, einfach passé: damit müssen Sie sich nicht mehr herumplagen.
abstract-71283_1280Experiment 11: Lösungen finden
 
Dieses hier wird jetzt richtig schwierig! (Aber jetzt sind Sie ja auch schon keine AnfängerInnen mehr, und das Schwere habe ich mir daher bewusst für den Schluss aufgehoben)!
Ich bitte Sie, wenn Sie zornig werden, zuerst den Dino vorbei ziehen zu lassen und sich dann, und erst, wenn Sie nicht mehr dampfen vor Zorn!, zu überlegen, was Sie tun könnten, um diese Situation zu entschärfen.
Und ja, ich weiß: SIE haben es ja nicht gemacht, es war irgendwer anderer, der/die Sie geärgert hat. Genau darum geht es: auch die andere Seite war zornig, und zwar vermutlich genau auf Sie.
Es geht also darum, sich miteinander hinzusetzen und ohne Vorwürfe (die machen uns nur noch einmal zornig) darüber zu sprechen, was Sie wütend gemacht hat und anzuhören, wie das die andere Seite wahrgenommen hat.
Das geht, wirklich! Und wenn Sie eine Lösung gefunden haben, dann feiern Sie das gemeinsam!
(Falls Sie dabei Hilfe brauchen, weil die Situation schon zu verfahren ist, bitte tun Sie das. Nicht alles geht immer alleine, und dafür gibt es auch Profis, die einem helfen können.)

Sommerreihe 2018: nach Lust und Laune 10: Lust und Liebe

3. September 2018

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Lust und Liebe

Sie werden sich erinnern: ich könnte eine ganze Sommerserie über die Liebe schreiben, weil es dazu so unendlich viel zu sagen gibt. Ich will mich heute mit einer speziellen Art von Liebe beschäftigen: der Liebe zu Menschen allgemein.
Vielen fällt bei „Liebe“ die partnerschaftliche Liebe ein oder die Liebe zu den Kindern. Aber Liebe ist auch eine grundsätzliche Einstellung: ein weit offenes Herz, das bereit ist, freundlich und erst einmal prinzipiell offen auf Menschen zuzugehen. Das klingt Vielen vielleicht nach Naivität, aber es geht darum, anderen Menschen alles zuzutrauen, sogar das Gute ;). Also: es muss nicht automatisch so sein, wäre aber grundprinzipiell trotzdem möglich, dass diese anderen Menschen sogar Recht haben, nett sein oder sogar mögliche FreundInnen sein könnten …!
(Denn dass alle außer uns vollkommene Idioten sind, die von nichtseine Ahnung haben, und dass wir sowieso und außerdem alles am besten wissen – das fällt uns erstaunlich leicht.)
Wenn wir diese Art von Liebe üben, werden wir erstaunlich Effekte beobachten: die Menschen werden uns tatsächlich freundlicher erscheinen, wir werden mehr positive Erfahrungen mit den Anderen machen.
Meine Oma hat das genannt: „Wie man in den Wald hineinruft, so kommt es zurück“. Probieren Sie es, es stimmt tatsächlich. Je liebevoller wir mit den Menschen umgehen, desto netter sind sie auch zu uns.
Es ist also hier auch so, wie wir es aus der Zweierbeziehung kennen: lieben ist ein Tun-Wort! Wir sind liebevoll (auch), damit wir selbst liebevoll behandelt werden. Wir machen es also nicht (nur) für die anderen sondern immer (auch) für uns selbst!
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Experiment 10:
freundlich „in den Wald rufen“
 
Sie werden sich schon denken, was Sie in den nächsten Tagen ausprobieren dürfen: seien Sie zu ein paar Menschen, die Ihnen gar nicht besonders nahe stehen oder die Sie überhaupt nicht kennen, freundlicher und liebevoller als sonst. Ein Lächeln hier, ein freundliches Wort dort – und achten Sie darauf, welchen Effekt das hat: auf die anderen, und auch auf Sie selbst.
Aber Achtung: es könnte Nebenwirkungen haben: Sie könnten sich besser fühlen und Sie könnten angelächelt werden.
Ein liebevoller Mensch zu sein kann sich niemals nur auf den engsten Kreis beziehen sondern ist immer eine Einstellung des Herzens!

Sommerreihe 2018: nach Lust und Laune 9: Trauer – Scheiden tut weh.

27. August 2018

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Trauer: Scheiden tut weh!

„Winter ade. Scheiden tut weh. Aber dein Scheiden macht, dass mir das Herze lacht. Winter ade. Scheiden tut weh.“
Das Reizvolle an diesem bekannten Kinderlied ist, dass es den normalen Abschiedsschmerz aufnimmt, in die Luft wirft und dann ins Gegenteil verkehrt: nein, nicht jeder Abschied tut weh!
Dennoch wissen wir, dass es meist eben doch so ist: wir trauern, wenn wir uns von Liebgewonnenem verabschieden müssen. Das können Menschen sein, die von uns gehen durch Tod oder Trennung, Orte, die wir verlassen müssen, Lebensphasen, die vorbei sind, oder auch Freude, Hoffnung oder ein Lebenssinn, wie bei einer Depression.
Wie also gehen wir mit einem Abschied um? Wir alle kennen das Wort „Trauerarbeit“, aber was genau bedeutet das?
Sie sind mittlerweile schon geübt in diesen Dingen, Sie werden ahnen, was kommt: nehmen Sie das, was war, liebevoll in den Blick (ja, ich weiß, das tut ein bisschen weh, aber anders geht es nicht, leider). Bedanken Sie sich für all das Gute, das Sie gemeinsam erlebt haben, und atmen Sie dabei.
Dann betrachten Sie auch das weniger Gute und Unangenehme, das mit der Situation verbunden war, und atmen Sie auch damit eine Weile.
Und dann: lassen Sie los. Schauen Sie zu, wie das, was vorbei war, sich von Ihnen entfernt, lassen Sie es davonschwimmen, -rinnen, -fliegen, … (was Ihrer Phantasie am ehesten entspricht).
Im nächsten Schritt wenden Sie sich nun der neuen Aufgabe zu, die vor Ihnen liegt. Es gibt immer etwas Neues, wenn eine Phase zu Ende geht, und die zu entdecken und gut zu meistern ist jetzt Ihr Auftrag. Denn denken Sie daran: alles, was Ihnen jetzt neu und fremd vorkommt, ist das, wovon Sie sich später auch wieder einmal schweren Herzens verabschieden müssen!
(Noch ein Wort zu Depressionen: das ist eine Krankheit, die nicht so einfach „mal kurz weggeht“ – wenn Sie darunter leiden, bitte holen Sie sich professionelle Hilfe bei Ihrer PsychiaterIn oder PsychotherapeutIn!)
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Experiment 9: Abschied proben
Meine heutige Einladung ist nicht ganz einfach, aber sehr effektiv: finden Sie in Ihrer Wohnung eine Sache, die Sie nicht mehr brauchen, mit der Sie aber Gefühle verbinden, die Sie bisher daran gehindert haben, sie wegzugeben.
Gehen Sie nun die oben genannten Schritte durch: denken Sie an das Gute – atmen Sie. Denken Sie an das Schwierige – atmen Sie. Verabschieden Sie sich von dieser Sache, lassen Sie sie innerlich los.
Dann geben Sie das Ding weg: verschenken Sie es, geben Sie es zur Caritas, werfen Sie es weg.
Nur 1 Sache – Sie schaffen das! Und lernen dabei mehr als wenn Sie nur „entrümpeln“: Sie verabschieden sich davon!