Posts Tagged ‘Angst’

Sommerreihe 2018: nach Lust und Laune 7: A wie Angst

13. August 2018

dementia-3572398_1280

A wie Angst

 

Wenden wir uns nun im 2. Teil einigen speziellen Launen zu, und beginnen wir bei der Angst. Angst ist sicherlich ein sehr unangenehmes Gefühl, aber es ist auch dasjenige, das uns am Leben und gesund erhält. Stellen Sie sich nur einmal vor, wir hätten keine Angst vor den gefährlichen Dingen – das wäre wirklich lebensgefährlich!
Allerdings übertreibt die Angst auch gelegentlich: nicht alles, wovor man sich fürchtet, ist auch wirklich bedrohlich! Um nun das Gefährliche vom Ungefährlichen zu unterscheiden brauchen wir unsere Vernunft, das kann der Gefühlsteil des Gehirns nicht leisten. Wir dürfen herausfinden, was die Vernunft zu einer Situation sagt (Risikoabschätzung, Gefahrenbeurteilung), das ist wichtig für eine ordentliche und sinnvolle Verhandlung, wie ich Sie Ihnen letzte Woche vorgestellt habe.
Dann machen Sie es so, wie Sie es schon geübt haben: erst einmal atmen und warten (und dabei den Angst-Dino nicht füttern), indem Sie sich sagen: Ich habe gerade jetzt vor dieser speziellen Sache Angst. Atmen und warten Sie, bis das Gefühl der Bedrohung kleiner geworden ist. Und dann gehen Sie in Verhandlungen: „Es fühlt sich gefährlich an, UND meine Vernunft teilt mir mit, dass es durchaus Menschen gibt, die so eine Situation schon unbeschadet überlebt haben.“
Wenn es Ihnen gelingt, ist es immer eine gute Ideen, das mit einer Prise Humor zu spicken, in der Sie den „Dino“ mit einem Augenzwinkern zulächeln. (Wenn ich zB alleine in einem See schwimme, ist mir manchmal unheimlich, wenn die Fische springen, dann beruhige ich mich mit der Tatsache, dass mir wenig Angriffe von Kampf- oder Killerkarpfen in österreichischen Seen bekannt sind.)
14102233
Experiment 7: die Angst beruhigen
Gehen Sie mit Ihren Ängsten freundlich um, die wollen Ihnen nur Ihr Leben oder Ihre Gesundheit sichern, aber erlauben Sie ihnen trotzdem nicht, die „Weltherrschaft zu erlangen“. Die Angst will nämlich gerne JEDES Risiko ausschließen, aber  das kann nicht gelingen, denn Leben ist schon einmal lebensgefährlich. Das Ziel kann nur sein, ein vertretbares Risiko einzugehen und nicht JEDES zu vermeiden.
Alle Menschen sterben erst an ihrem letzten Tag und keinen Tag früher! Das bedeutet: die meisten Tage unseres Lebens beenden wir durchaus lebendig. Nehmen Sie sich also freundlich in den Arm, wenn Sie sich das nächste Mal fürchten und geben Sie der Angst einen Platz, aber nicht mehr, als ihr hier und heute zusteht!
Werbeanzeigen

Panikattaken: wenn alles eng wird

27. Februar 2017

the-offence-2048413_1280Es gibt Ängste: sich Sorgen machen, viel nachdenken oder grübeln, alles zu planen versuchen, stundenlang über das nachdenken, was gewesen ist, was man gesagt hat.

Aber es gibt auch Panikattacken: ganz plötzlich, völlig unvorbereitet wird einem heiß oder kalt, alles wird eng, die Luft bleibt einem weg, das Herz rast und die Hände zittern. Die Angst (vor dem Sterben) frisst sich durch das Gehirn, gegen alle gute Einsicht. Man will ins Freie, weil man keine Luft bekommt oder wieder hinein, weil man in Sicherheit sein will. Man ruft den Notarzt, geht in die Notaufnahme – und die beruhigen einen: es ist nichts (Organisches): man hat eine Panikattacke.

Damit sind Sie nicht alleine: wenn Sie in der U-Bahn oder einem Flugzeug sind – zählen Sie bis 5, ja, der Mensch dort drüben hat im Moment die gleichen Gefühle wie Sie. Wenn Sie im Lift fahren, schauen Sie sich unauffällig um – eineR der MitfahrerInnen fühlt sich vermutlich genauso unwohl wie Sie. Wenn Sie in einer Schlange anstehen, machen Sie das auch – es ist sehr verbreitet. Sie sind nicht alleine, und man sieht es Ihnen vermutlich genauso wenig an wie den anderen.

Atmen Sie.

IMG_2437Denken Sie an eine beruhigende Szene: ein weißes Zimmer, eine weite Wiese, eine kuschelige Höhle, ein Meeresufer, ein Berggipfel (das sind Beispiele von meinen KlientInnen).

Warten Sie, atmen Sie.

Vermeiden Sie, andere Situationen derselben Art zu erinnern, das verlängert die Situation nur. Bleiben Sie ganz hier, ganz jetzt: nur diese einzige Panikattacke zählt jetzt.

Atmen Sie „im Viereck“:

Stellen Sie sich ein Viereck vor und atmen Sie: entlang der Längsseite (4 Takte einatmen), dann hinauf (2 Tage Luft anhalten), die obere Längsseite zurück (4 Takte ausatmen), die kurze Seite herunter (2 Takte Luft anhalten). Machen Sie das, bis es leichter wird. Nichts anderes: atmen und zählen. 

Jede Attacke dauert nur ein paar Minuten.

Die sich wie eine Ewigkeit anfühlen, ich weiß. Aber es nicht sind. Nie. Es geht vorüber. Immer.

Und man stirbt daran nicht.

Wenn Sie das öfter haben, bitte holen Sie sich Hilfe. Es gibt wirklich gute Techniken, wie Sie lernen können, damit fertig zu werden, bzw wie es dazu kommt, dass Sie immer wieder in diese Situationen kommen. Ich habe mit vielen Menschen erfolgreich gearbeitet, die Panikzustände hatten, und den allermeisten geht es heute nicht mehr so. Reden Sie mit mir, machen Sie einen Termin aus, so soll das Leben nicht sein!

Paris 13.11.15 – Angst ist ein schlechter Ratgeber!

14. November 2015

soldier-733602_1920Der Terrroranschlag in Paris erschüttert mich: So viele Menschen, die betroffen sind. So viele Tote, so viele Verletzte. Aber vor allem:

So viele, die Angst haben!

Was wird das für uns alle bedeuten? Was werden Menschen aufgrund dieser Angst machen? Und was werden andere Menschen aus dieser Angst machen? Was werden sie sagen, anbieten? (Scheinbare) Sicherheit durch verhärtete Politik?

Was macht das mit uns allen?

Ich habe auch Angst. Angst, weil sich nicht vorhersehen lässt, was das alles auslösen wird. Angst vor dem Populismus, der das ausnützt. Der die Angst ausnützt, der Menschen ausnutzt.

Europa hat es gerade sowieso nicht leicht: Wirtschaft schwierig, Flüchtende, Asylpolitik. Und damit sind sowieso, wir haben es in den letzten Wochen jeden Tag in der Zeitung gelesen, die Herzen härter geworden.

Lasst die Angst nicht gewinnen!

Jemand hat eine Werteschulung gefordert. Gute Idee! Ich frage mich nur, wer diese mehr braucht: die anderen, die zu uns kommen oder wir, die wir sie aufnehmen (oder eben nicht).

terrorist-attacks-1042871_1920Ich weiß nicht, was das für Folgen hat, ich weiß nicht, wie es weitergehen wird mit Europa, mit der Welt. Wir haben alle Angst. Aber Angst ist immer ein schlechter Ratgeber. Aus der Angst heraus reagieren wir nicht mit dem Teil unseres Gehirns, der sich um die Auswirkungen unseres Handelns kümmert, der überlegen kann, was gut, sinnvoll und wertvoll ist.

Über Angst kann man reden, dann wird sie überschaubarer. Miteinander im Gespräch zu bleiben ist vielleicht das Beste, was wir tun können. Ich lade Sie ein, das zu tun. Sprechen Sie über Ihre Angst, aber auch über das, was Sie tun können. Für sich, für andere, für Menschen in Not, für Europa, für die Welt. Es gibt eine Lösung, auch wenn wir sie noch nicht kennen. Alleine zu bleiben und extreme Positionen einzunehmen ist auf keinen Fall ein Ausweg. Reden Sie mit Ihrer Familie, Ihren Freunden, oder auch mit mir, wenn Sie mögen.

Angst ist ein Ausgangspunkt, kein Ende.

Angst gibt es überall. Aber sie ist ein Anfang, ein Auftrag. Paris hat unser Mitgefühl. Von diesem Punkt aus geht es weiter. Wieder aufeinander zu. Nur so können wir unsere vielgeliebten Werte halten.

Das Miteinander macht uns zu Menschen, nicht das Gegeneinander!