Posts Tagged ‘Beziehung’

Time to say goodbye: Maria Theresia

18. Juni 2018

Die 6m hohe Statue am Maria-Theresien-Platz erinnert an die Kaiserin, die in Wien von 1740 bis 1780 regierte, Österreich

Maria Theresia hat in dem vergangenen Jahr hart an sich gearbeitet und ist sehr viel weiter gekommen: sie hat Kontakt mit ihrem inneren Kind aufgenommen, hat es getröstet und versorgt. Das hatte zur Folge, dass sie ihr ständig schlechtes Gewissen in Bezug auf ihre Kinder (wahrscheinlich aufgrund ihrer eigenen kindlichen Sehnsucht nach einem liebevollen Umgang, der auf ihre kindlichen Bedürfnisse Rücksicht nimmt) über weite Strecken aufgeben konnte.

family-1784371_640Daher kann sie jetzt mit ihrer Kindern gelassener und weniger aus der Not heraus umgehen, sondern mehr aus der Freude am Gemeinsamen. Die wenige Zeit, die sich miteinander verbringen, ist von hoher Qualität: jeden Abend sitzt sie am Bett ihrer Kinder und unterhält sich mit ihnen. Endlich hat sie keine Angst mehr, eine schlechte Mutter zu sein und die Kinder zu vernachlässigen.

Auch der Umgang mit ihrem Mann ist besser geworden, sie reden wieder mehr miteinander, gehen spazieren oder tanzen, sie kuscheln und sind zärtlicher. Auch hier: die Zeit, die sie gemeinsam haben, gestalten sie bewusst, und wenn sie einmal Streit haben, schaffen sie es leichter, danach wieder ins Gespräch zu kommen.

In der Arbeit ist sie selbstbewusster, aber hier ist noch einiges zu verbessern: sie lässt sich  nach wie vor recht schnell von ihren männlichen Kollegen verunsichern, wenn diese sehr laut und bestimmt reden. Manche Situationen, die sie an früher erinnern, machen ihr immer noch Angst, aber sie hat immerhin gelernt, ihnen nicht auszuweichen sondern sich mutig zu stellen.team-spirit-2447163_640

Insgesamt ist sie auf einem sehr guten Weg, sie ist freundlicher und liebevoller im Umgang mit sich, ihrer Familie und ihrer Umgebung. Die Therapie wird wohl noch eine Weile dauern, ich schätze einmal so ca. bis zum Ende des Jahres.

Denn eine Therapie muss nie bis zum Ende eines Weges dauern sondern nur so lange, bis sich die Richtung gezeigt hat, in die man in Zukunft gehen will und die ersten Schritte gelungen sind. Ab dann schafft es jedeR alleine. Wenn KlientInnen später wiederkommen, brauchen sie oft nur eine kleine „Auffrischung“ von einer oder zwei Sitzungen, dann geht es wieder ohne Therapie weiter. Es ist für mich immer eine Freude, diesen Richtungswechsel zu beobachten und zusehen zu dürfen, wie Menschen aufblühen und ein befreiteres Leben führen!

In diesem Sinne: alles Gute weiterhin, Maria Theresia!

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Marilyn: Home Story (3)

28. Mai 2018

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Marilyn hat John F. gesagt, dass sie sich in Ruhe Zeit nehmen will für ihr Zimmer und dass sie nicht will, dass er es einfach entrümpelt. Die beiden hatten daraufhin Streit und Marilyn kommt traurig in die Therapie.

„Er hat gesagt, ich bin anstrengend und kompliziert. Er will doch nur mit mir eine gute Zeit erleben, er will es schön haben mit mir und mir auch das Leben leichter machen, indem er mir hilft, mein Haus neu zu organisieren. Er versteht überhaupt nicht, warum ich das nicht annehmen will.“

Und Sie: verstehen Sie sich?pair-707502_640

„Auch nicht wirklich. Ich habe mir jahrelang gewünscht, dass wir zusammen sein können, und jetzt, wo es endlich so ist, ist es eine reine Katastrophe. Wir streiten oft, und dann sagt er, er hätte gleich bei seiner Frau bleiben können. Wenn er gewusst hätte, dass ich so mühsam und streitsüchtig bin – das hat er bei ihr auch gehabt.“

Autsch, das klingt ja richtig schmerzhaft! Was sagen Sie darauf?

„Gar nichts. Ich fühle mich wie eine Versagerin. Ich will doch auch, dass wir es gut haben miteinander. Und ich finde es auch angenehm, wenn er Dinge in die Hand nimmt und so aktiv ist. Letztens hat er die Gartenhütte neu gestrichen, das war schon lange fällig, aber ich hätte jemanden dafür bezahlen müssen, so etwas mag ich nicht alleine machen. Es ist gut, einen Mann im Haus zu haben, der von sich aus Sachen macht.“

Ja, das kann ich mir vorstellen.

adult-1822498_640„Und dann ist wieder alles fein, und ich liebe ihn. Will mit ihm schlafen, und wenn wir das tun, ist es immer großartig. Er ist ein super Liebhaber und mir macht es dann auch immer viel Spaß. Aber nicht einmal da ist alles gut: oft will er nicht. Können Sie sich das vorstellen: immer hat er mit mir geschlafen, sobald wir uns irgendwo getroffen haben, immer war er voll Leidenschaft und Sehnsucht! Immer war er ausdauernd und liebevoll, immer hat er gesagt, dass er verrückt ist nach mir. Sex war das Beste an unseren Treffen. Und jetzt: er ist müde, er kann jetzt nicht. Ich verstehe das alles nicht.“

 

Marilyn: Home Story (2)

21. Mai 2018

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Also, zu dem Zimmer, das John F. ausgeräumt haben will: was ist damit?

„Ja, er sagt, ich brauche das alles nicht. Und er hat nicht ganz unrecht. Es heißt ja: alles, was man ein Jahr nicht gebraucht hat, kann man auch gleich weggeben. Und viele Dinge drinnen habe ich schon seit vielen Jahren nicht mehr gebraucht. Ich sollte sie also einfach weggeben können.“

Und: können Sie?

„Naja, anscheinend nicht. Ich weiß gar nicht, was da alles drinnen ist. Ich muss mir die Zeit nehmen, alles der Reihe nach durchzugehen. Aber irgendetwas hält mich immer davon ab. Manchmal öffne ich die Türe und nehme mir vor, es jetzt anzugehen, aber dann stehe ich drinnen und mir fällt plötzlich etwas anderes ein, was ich dringender tun muss, dann mache ich die Türe wieder zu  und gehe weg. Aber belasten tut es mich schon!“

books-768426_640Wie wäre es, wenn Sie sich immer nur ein einziges Stück herausholen? Nur eines, und damit sofort das Zimmer wieder verlassen, damit Sie nicht in Versuchung kommen, oder Angst haben? Und dieses eine einzige Ding dann anschauen und entscheiden, was Sie damit machen wollen? Ginge das?

„Na, das zahlt sich doch nicht aus, oder? Wenn ich einmal damit anfange, dann sollte ich es gleich ordentlich machen, finde ich.“

Ja, ich auch. Aber wir müssen uns mit dem zufrieden geben, was gelingen kann und nicht immer das versuchen, was anscheinend nicht funktioniert hat in den letzten Jahren. Das Ganze zu schaffen scheint Ihnen, aus welchen Gründen immer, zu viel zu sein. Also brechen wir es einfach auf kleine Einheiten herunter, die machbar sind.

„Aber John F. sagt, er braucht dafür nur einen Tag, er bringt das einfach alles auf den Mistplatz und gut ist es. Dann hat er sein Zimmer und muss sich nicht mit dem kleinen Eck am Esstisch zufrieden geben, das er jetzt hat.“

Können Sie bitte einmal John F.s Wünsche weniger wichtig nehmen als Ihre eigenen? Wenn John F. nicht genug Platz hat, dann soll er sich ein Büro mieten, das ist doch nicht Ihr Problem. Sie wollten nicht, dass er bei Ihnen einzieht, es war seine Idee. Geben Sie  nicht alles auf, bloß weil er sich das einbildet. Sie haben schon die ganzen Jahre nach seinen Wünschen gelebt, aber da hatten Sie wenigstens noch zwischendurch Zeit für sich. Und jetzt darf er nicht einfach Ihr Leben gestalten, lassen Sie sich das bitte nicht einfach aus der Hand nehmen.

rage-1541317_1280„Mir fällt ein Stein vom Herzen, wenn Sie das so sagen. Ich finde auch, dass er ziemlich dominant ist, aber so ist er halt einmal. Ich bin manchmal fast ärgerlich auf ihn, weil er alles bestimmen will, aber ich liebe ihn halt und deswegen sage ich nichts.“

(Das ist so dicht, das braucht noch eine Fortsetzung nächste Woche…!)

Marilyn: Home Story (1)

14. Mai 2018

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„John F. bedrängt mich. Er will, dass ich mein Haus umgestalte. Ich soll die Zimmer sinnvoller nutzen, meint er. Ich habe ein Zimmer, das ich nicht brauche, oder vielmehr: in dem ich alles aufhebe, was ich nicht dringend brauche. Er findet, wenn ich dort aufräume und das „alte Gerümpel“ wegschmeiße, dann könnte er sich dort ein Arbeitszimmer einrichten, dann hätten wir mehr Platz und müssten nicht immer auf zu engem Raum zusammen sein. Und uns auf die Nerven gehen.“

Aha, haben Sie sich schon darauf geeinigt, dass John F. bei Ihnen im Haus bleibt? Mir war gar nicht bewusst, dass das schon für Sie so klar ist.

hammock-425773_640„Naja, er ist halt gewohnt, in einem Haus zu wohnen, aber das kann er sich im Moment noch nicht leisten, sondern bestenfalls eine Wohnung. Solange halt die Scheidung noch nicht durch ist und alles unklar ist. So fühlt er sich am wohlsten. Und er ist auch gerne im Garten. In seiner Freizeit liebt er es, in der Hängematte zu liegen und in die Bäume zu schauen.“

Klingt sehr angenehm für ihn.

„Ja, er mag das auch gerne. Und ich habe ja auch etwas davon: er ist immer in meiner Nähe, und den Rasen gemäht hat er auch schon. Und mit dem Kärcher die Terrasse geputzt, das hat ihm total Spaß gemacht.“

Na gut, klingt so, als ob es wieder einmal nur um seine Wünsche geht. Aber zurück zum Zimmer, was ist damit?

luggage-638376_640„Er drängt mich, es auszuräumen. Aber da sind alle meine alten Schätze drinnen. Und auch Dinge, mit denen ich mich nicht beschäftigt habe, weil sie Arbeit sind, für die ich keine Zeit habe. Aber einfach entrümpeln – nein, das geht auch nicht. Ich muss mir dafür Zeit nehmen und langsam, Stück für Stück, die Dinge durchgehen.“

(Fortsetzung nächste Woche)

Marilyn M.: Don´t bother to knock.

9. April 2018

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Eine unerwartete Entwicklung gibt es in Marilyns Leben: John F.s Ehefrau hat die Affäre entdeckt und John F. wütend zur Rede gestellt. Er hat gestanden, schon seit einigen Jahren mit Marilyn eine Beziehung zu führen. Daraufhin hat ihn seine Frau hinausgeworfen mit den Worten: „Dann zieh halt zu ihr.“

„Und jetzt wohnt er auf einmal bei mir. Ich meine: er fährt oft ins Haus zu ihr, sie besprechen viel, aber am Abend kommt er dann heim zu mir.“

Und, wie ist das für Sie?

couple-67563_640„Ungewohnt eigentlich. Komisch. Ich habe oft davon geträumt, dass er nicht immer heimfahren muss, dass er einmal eine ganze Nacht bei mir ist und wir gemeinsam frühstücken können. Die ersten Tage war das auch fein, aber irgendwie ist es ziemlich ungewohnt und neu, für uns beide. Einmal haben wir sogar schon gestritten. Wir sind wie ein altes Ehepaar, nur sind wir das innerhalb von zwei Wochen geworden.“

Wie werden Sie denn jetzt weitermachen? Haben Sie darüber gesprochen?

„Nein, John F. muss wohl erst innerlich zur Ruhe kommen. Er ist sehr aufgebracht und weint auch viel, was mich, ehrlich gesagt, auch kränkt. Immer hat er gesagt, dass ihm seine Frau in Wirklichkeit gar nichts mehr bedeutet, und jetzt heult er sich die Augen aus, weil es vorbei ist!“

Das kann ich mir vorstellen. Weiß er, dass Sie das kränkt?

frogs-3107001_640„Nein, ich tröste ihn immer. Ist sicher viel, was er im Moment zu verdauen hat. Er ist gerade wie ein kleiner Bub, der mich dringend braucht. Sehr anhänglich, will immer in meiner Nähe sein, lässt mich keine Minute alleine, wenn er hier ist. Fast freue ich mich, wenn er arbeiten fährt. Aber das kann ich ihm natürlich nicht sagen. Das würde ihn vielleicht zusätzlich belasten.“

Wir besprechen noch eine Weile, was genau Marilyns Bedürfnisse sind, wie sie sich die Zukunft vorstellt und wie sie mit John F. besprechen kann, dass sie, auch wenn sie jetzt offiziell zusammen sind, immer noch ihren Freiraum braucht. Sie kommt drauf, dass sie weiterhin den Affären-Status wollen würde: mit einigen gemeinsamen Stunden, auch mal ein paar gemeinsamen Nächten, aber auch mit Zeit für sich selbst. Sie ist selbst erstaunt darüber, dass sie nicht begeistert davon ist, dass John F. jetzt immer bei ihr ist und es kostet sie einigen Mut, das vor sich selbst einzugestehen.

Jean-Paul S.: Der Aufschub

19. März 2018

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Jean-Paul ist völlig außer sich, als er in die Sitzung kommt:

„Stellen Sie sich vor, ich habe mein Leben noch einmal geschenkt bekommen! Ich bin in einen Autounfall verwickelt gewesen, und vollkommen verletzungsfrei aus dem Auto ausgestiegen! Sie erinnern sich an den Schneefall vor zwei Wochen? Da bin ich  in einer Kurve ins Rutschen gekommen und das Auto ist von der Strasse abgekommen und einen Hang hinunter gerutscht. Das ist alles so schnell gegangen, das Auto hat sich mehrmals überschlagen, ich habe mich gefühlt wie in einer Waschmaschine. Ich habe mir nur gedacht: hoffentlich knalle ich nirgends dagegen, und wie ich unten angekommen war, bin ich einfach ausgestiegen und habe mir nur gedacht: Wahnsinn!“

Er erzählt noch ein wenig über das Vorher und Nachher, über die Begleitumstände, was mit dem Auto geschehen ist und was das alles für ihn bedeutet.

Sie haben gesagt, Sie haben Ihr Leben noch einmal geschenkt bekommen – was werden Sie mit diesem Geschenk machen?

rope-1465296_640„Ich werde mich jetzt endgültig von meinen alten Verstrickungen lösen. Die Situation mit  Simone klären. Mit meinen Eltern reinen Tisch machen. In der Arbeit mit den Angestellten einmal Klartext reden, endlich die Assistentin  kündigen, die ich schon lange feuern will. Wenn ich tot wäre, müssten die auch ohne mich leben.“

Gut. Wann fangen Sie an und wie werden Sie vorgehen?

„Ich muss schauen, wie ich mich gut von Simone trennen kann. Diese Ehe ist nur noch oberflächlich und verdient den Namen schon lange nicht mehr. Alle Versuche, sie zu retten, bleiben immer stecken. Simone will eine offene Beziehung, hat sogar schon einen anderen und sagt, ich kann das doch auch so machen, aber das gefällt mir nicht. Ich warte nur darauf, dass sie von selbst auf das Thema zu sprechen kommt, damit sie sich nicht gekränkt fühlt. Das täte mir leid, so will ich nicht sein.“

Es wäre gut, wenn Sie aufpassen, dass die alten Verstrickungen, wie Sie sie genannt haben, Sie nicht schneller einholen als Sie denken!

car-701770_640„Ja, aber meine erste Scheidung war mit so viel Streit verbunden, und ich musste so viel zahlen am Schluss. Das will ich nicht noch einmal erleben. Wenn sie von sich aus geht, ist das sicher ganz anders. Hoffe ich jedenfalls.“

Wenn es viel zu streiten gibt, ist das ein Zeichen, dass es auch viel gibt, um das gestritten werden kann, oder? Und bedenken Sie: wenn Sie es nicht tun, bekommt Simone einfach alles, falls die Situation das nächste Mal (von dem wir nicht hoffen, dass es eintritt, aber wir haben gesehen, es kann sehr schnell gehen!) nicht so gut ausgeht.

So hat Jean-Paul die Situation bisher noch nicht gesehen und er ist sich bewusst, dass die vielen Hemmungen und Befürchtungen, die ihn bisher so gehindert haben, das Leben zu leben, das er sich wünscht, schnell wieder an die Macht wollen. Wenn ich tot wäre, müssten die auch alle ohne mich leben – wird zu seinem neuen Motto, mit dem er sich wieder auf den Weg in sein „neues“ Leben macht. Hoffen wir, dass der Schwung anhält, mit dem er sich des Geschenkes bewusst ist, am Leben zu sein und dass er es schafft, ein Stück mehr von dem zu leben, was sein Traum ist!

Jean-Paul S.: Zeit zum Reifen

5. Februar 2018

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Jean-Paul war, wie Sie sich vielleicht erinnern, für eine Zeit im Krankenhaus. Da er zum Zeitpunkt der Aufnahme in einem sehr schlechten Zustand war, blieb er etwas mehr als drei Wochen im Spital.

Wenn Sie heute – ca 1,5 Monate später  – darauf zurück schauen:  wie denken Sie darüber?

„Ich bin froh, dass ich dort war. Es ist mir zwar nicht leicht gefallen, mir einzugestehen, dass ich auf die Psychiatrie muss, aber eine kleine Stimme in mir hat das sehr richtig gefunden, und so hatte ich den Mut, es mir zu erlauben. Ich habe dort viel über mich nachgedacht, und das war richtig gut.“

black-and-white-1278713_640Worüber haben Sie nachgedacht?

„Über den Sinn meines Lebens. Über das, was mir wichtig ist. Warum ich mich jeden Tag so abmühen soll. Mir ist klar geworden, dass ich eines Tages wirklich sterben werde, und dass ich nicht auf mein Leben zurückschauen und es für sinnlos und leer halten will. Ich habe mir überlegt, dass mein Problem nicht ist, dass ich überhaupt NICHT leben will – ich will nur nicht SO leben wie bisher, so bedeutungslos.“

Ist es das, was Sie mit „erbärmlich“ gemeint haben, bevor Sie ins Krankenhaus gegangen sind? 

„Ja, so ist es. Ich will meinem Leben einen Sinn geben. Ich will nicht einfach nur so dahinleben: arbeiten, essen, schlafen. Ich will stolz sein auf mich. Ich will auf mein Leben schauen und sagen können: das ist gut, es ist meines!“

Was wäre denn ein erster Schritt in diese Richtung?

man-3085686_640„Ich will aufhören, mit Simone eine leere Beziehung zu führen. Wir haben begonnen, viele Gespräche zu führen, wie wir das verändern können. Ich bin noch nicht sicher, ob es uns gelingen wird, aber wenn alle Stricke reißen, werden wir uns trennen. Wir machen einander zur Zeit gegenseitig unglücklich, das kann nicht so bleiben. Wir sind auf der Suche.“

Ich gratuliere Jean-Paul zu seinem Entschluss, sein Leben in die Hand zu nehmen, und wir reden eine ganze Weile darüber, wie er das tun kann. Wichtig scheint mir die Erkenntnis zu sein, dass es in seiner Hand liegt, dem Leben einen Sinn zu geben. Aber ich bremse ihn auch etwas in seinem Enthusiasmus: er soll sich nicht zu viel auf ein Mal vornehmen, um sich nicht zu erschöpfen.

 

Misfits – Nicht gesellschaftsfähig

29. Januar 2018

Ich mache mir Sorgen um Marilyn. Es geht ihr gar nicht gut. Sie ist verzweifelt und hat die Hoffnung aufgegeben, jemals eine normale und zufriedene Beziehung leben zu können.

„Alles, was ich angreife, geht sowieso irgendwann den Bach hinunter. John F. hat gesagt, er will mehr Zeit mit seiner Frau verbringen, sie sind gerade dabei, ein Kind zu planen. Was soll ich da noch? Ich mache mir etwas vor, wenn ich glaube, jemals geglaubt habe, dass er mich wirklich liebt. Das alles hat doch gar keinen Sinn!“depression-1241819_640

Was bedeutet das für Sie? Wenn die beiden ein Kind planen und weiter auf glückliche Familie machen wollen?

„Das ist nur für den Schein, sagt John F. Aber das kann doch nicht sein. Das geht zu weit. Sicher ist er verliebt und will eh nur sie. Ich bin nur ein Spiel für ihn, ein netter Zeitvertreib. Nie etwas Ernstes, nie auch nur die geringste Chance gehabt.“

Und wie werden Sie sich jetzt verhalten? Werden Sie etwas verändern oder lassen Sie es dabei? Was ist Ihre Idee?

„Keine Ahnung. Ich schätze, ich sollte wutentbrannt das Weite suchen, und oft ist mir auch danach. Dann sitze ich zuhause am Wochenende und stelle mir vor, wie die beiden miteinander schlafen und es immer romantisch haben. Auch wenn John F. schwört, dass es mit Jackie nicht so toll ist wie mit mir – es muss doch einen Grund geben, dass er  mit ihr zusammen ist, und das mit einem Kind auch noch fix macht.“

Sie sind schon wieder sehr damit beschäftigt, was die beiden tun oder nicht tun, und weniger mit sich selbst.

earth-1365995_640„Ja, aber ich kreise auch immer um die. Weil ich ja gar kein eigenes Leben habe. Ich bin nur ein Mond in seiner Umlaufbahn. Nicht mehr, niemals mehr.“

Aber der Mond hat ja einen gewaltigen Einfluss auf die Erde. Das sieht man nicht, aber bewegt immerhin das ganze Meerwasser.

„Ja, ich habe einen Einfluss auf ihn, fragt sich nur, ob der gut ist. Wahrscheinlich bin ich der Grund dafür, dass seine Ehe so gut hält. Weil er sich ja eh bei mir abreagieren kann, weil er die ganzen schmutzigen Sachen mit mir machen kann, und so sein Bild eines braven Mannes aufrecht erhalten kann.“

Wollen Sie das so?

„Keine Ahnung, ich habe die Schnauze voll, aber ich glaube einfach nicht, dass es sich jemals ändern kann. Auch nicht mit einem anderen Mann. Ich fürchte, eine Affäre ist alles, wozu ich tauge. Mit mir hält es keiner auf Dauer aus.“

Das alles sind keine guten Gedanken, und so mache ich mir eben Sorgen um sie. Wir vereinbaren einen Termin schon in ein paar Tagen, wenn sie möchte, kann sie mich Zwischendurch gerne anrufen.

Frank S.: Strangers in the Night

22. Januar 2018

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Frank hat über Weihnachten seine Beziehung mit der Salzburgerin beendet. Es war ihm zu anstrengend, ihr „immer nachlaufen zu müssen“, wie er sagt. Nach der ersten Erleichterung aber ist auch der Frust gekommen: so oft schon hat es nicht geklappt.

„Was ist nur mit den Frauen los? Warum sind alle immer so schwierig?“

Das kann wohl nicht die ganze Wahrheit sein, oder?

conversation-2302064_640„Sie wollen sicher darauf hinaus, dass es an mir liegt. Immer soll ich die ganze Verantwortung tragen.“

Nein, nicht die ganze. Aber die halbe vielleicht?

„Frauen sind einfach anstrengend. Nie sind sie zufrieden, immer wollen sie, dass ich mich verändere, aber das kann ich nicht. Ich bin so, wie ich bin. Und eine Frau, die mich liebt, muss mich so akzeptieren, wie ich bin. Das mache ich ja auch.“

(Schweigen)

„Jedenfalls sollten sie nicht immer an mir herumnörgeln. Ich will einfach nur ein paar gute Zeiten mit einer Frau verbringen, und sie machen immer alles kompliziert. Wollen über Gefühle sprechen oder dass ich mehr herzeige von meinen Gefühlen. Aber ich fühle mich dabei unwohl, ich mag das nicht so gerne. Und ich kann es auch nicht so gut. So etwas ist nichts für richtige Männer.“

man-211505_640(Wieder Schweigen)

„Das hat ja schon Freud gesagt, dass niemand weiß, was das Weib will. Und wenn der es nicht wusste, wer soll es dann sonst wissen?

Wissen Sie denn genau, was Sie in Wirklichkeit wollen? Eine Partnerin nur für schöne Stunden, das kann ja nicht funktionieren. Wenn man wirklich zusammen ist, dann muss man das „in guten und in schlechten Zeiten“ sein. Die andere Variante, nur für angenehme Dinge, gibt es auch, und sie ist auch berechtigt, aber dann muss man wohl mehr von einer Freundin sprechen als von einer Partnerin. Mit einer Freundin trifft man sich gelegentlich, verbringt gute Stunden, und das Schwierige, das lässt man draußen. Das ist unverbindlich, und auch eine gute Variante. Nur, wenn man wirklich mit jemandem zusammen sein will, innerlich verbunden, dann bleibt es nicht unverbindlich und auch nicht nur nett. Jeder Mensch hat Kanten und Ecken, die gehören zu uns dazu, und die wollen auch angenommen werden. Das wünschen wir uns, und das müssen wir aber auch unserer Partnerin bieten.

„Ja, dann belasse ich es vielleicht lieber bei einer Freundin. Das andere ist mir einfach im Moment zu anstrengend. Ich muss meine Energie für mich selbst behalten, ich will sie nicht an jemand anderen vergeuden, die es dann vielleicht nicht zu schätzen weiß.“

Frank S.: I´ve got you under my skin!

13. November 2017

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Ich habe das Wochenende sehr genossen. Barbara war wirklich gut drauf, wir haben viel miteinander unternommen. Es war schwer, sie dann am Sonntag Abend in den Bus steigen zu sehen. Ich freue mich immer, wenn wir uns gut verstehen. Ich hatte noch nie eine Freundin, mit der ich mich so gut verstanden habe.

„Das freut mich sehr. Wenn ich fragen darf: was ist denn anders als mit den Freundinnen bisher?“

Sie ist lustiger, weniger launisch. Das macht es viel einfacher. Die anderen waren immer irgendwie schwierig, das ist sie nicht. Und wir können über alles reden. Sie ist sehr verständnisvoll, was meine Art angeht, sie beklagt sich nicht ständig. Keine komplizierte Frau eben. Ich hatte schon fast aufgehört, darauf zu hoffen.

„Und Sie – was machen SIE anders als bisher? Irgendwie nehmen wir uns ja immer selber mit in eine neue Beziehung. Wenn wir auf Dauer etwas anderes erleben wollen, müssen wir auch bewusst selbst anders sein.“

teds-1808323_1280Ja, ich versuche, meine Gefühle mehr zu zeigen. Mehr über mich zu sprechen. Das fällt mir nicht leicht, aber Barbara ist da eh sehr konsequent. Sie fragt mich immer wieder. Am Anfang hat mich das schon eher genervt, aber ich merke, dass ich da auch besser werde. Es fällt mir leichter, bei mir und bei meinen Gefühlen zu bleiben statt immer nur zu schauen, wie sie drauf ist. Dafür ist sie selbst verantwortlich. 

„Das klingt alles sehr gut, gratuliere!“

Ja, ich bin auch sehr froh, dass wir den Einstieg geschafft haben. Die ersten Monate sind doch die entscheidenden, meiner Erfahrung nach. Ich habe ein richtig gutes Gefühl bei Barbara und mir. Und auch der Sex funktioniert gut, das ist nicht immer bei den Frauen so. Oft geht es mir so, dass nach der ersten Begeisterung die Zahl der heißen Nächte auch abflaut, aber das ist bei uns bis jetzt nicht so. Wahrscheinlich, weil wir nicht immer zusammen sind. Das hält die Sehnsucht aufrecht.

Das kann gut sein. Wird das denn so bleiben – die Fernbeziehung? Haben Sie sich darüber schon Gedanken gemacht?

Barbara hat eine Fixstelle in ihrer Firma, die kann da schwer weg. Ob ich allerdings Graz verlassen will? Das scheint mir doch ein großer Schritt zu sein. Mir wäre lieber, Barbara käme zu mir. Dann wäre das Risiko nicht so groß.

„Für Sie jedenfalls.“

key-2114046_640Ja, natürlich. Da ist also sicher noch nicht bald eine Lösung in Sicht. Dazu kommt noch, dass wir da unterschiedlich denken: ich hätte sie schon gerne näher bei mir, aber ihr ist der Freiraum ganz recht. Sie freut sich immer, wenn sie Tage für sich hat. Das geht für mich auch, aber die Nächte sind schwer. Ich schlafe nicht gerne allein. Aber, wissen Sie was: ich gedulde mich da einfach. Ich habe von Ihnen gelernt, dass nicht alle Probleme auf einmal zu lösen sind, und versuche einfach, mich auf das zu konzentrieren, was im Moment dran ist.

„Danke, Frank, das freut mich.“