Posts Tagged ‘Beziehungs-ABC’

Beziehung-ABC: W wie Wir schaffen das!

13. Mai 2019

W wie Wir schaffen das!

Eine wichtige Eigenschaft in der Beziehung ist Optimismus. Wer sich immer nur Sorgen macht, wer ständig das Schlechteste erwartet, wird auch viel eher genau das Schlechte erreichen. Denn es gibt tatsächlich diese selbsterfüllenden Prophezeiungen.

Positiv zu sein bedeutet nicht, alle Probleme unter den Teppich zu kehren (das wäre Verdrängung) oder alles schön zu reden (das wäre unwahr). Positiv zu sein bedeutet, dass es einen großen Unterschied macht, ob man sich mit den Problemen, die sich im Laufe der Zeit stellen, im Modus des Vertrauens nähert oder im Misstrauen, ob man daran glaubt, dass es einen Weg aus der Krise gibt oder ob man sehr oft das Ganze einfach hinschmeissen will (oder damit droht).

Vertrauen stärkt die Hoffnung, dass unser gemeinsames Projekt gut ausgehen wird, dass wir immer wieder einen Weg finden werden, weil es einfach gut ist, mitsammen unterwegs zu sein. Das Gefühl der Liebe muss nicht die ganze Zeit da sein, das wäre zu viel verlangt. Aber Liebe ist mehr als ein Gefühl: es ist eine Entscheidung, miteinander wohlwollend zu sein. Diese Entscheidung entsteht aus dem Gefühl, und wenn das Gefühl dann eine Zeitlang nicht leicht zu finden ist, trägt die Entscheidung dennoch durch diese Krise.

Dabei ist eines wichtig: Genauso wenig, wie mich an einem kalten Wintertag die Erinnerung daran, dass es im Sommer wieder warm sein wird, auch nur um ein Grad wärmt, und mir immer noch genauso kalt ist wie vorher, fühlt sich die Erinnerung an das gerade nicht vorhandene Liebesgefühl wohlig oder liebevoll an. Nein, es fühlt sich genauso kalt oder leer an – aber der Unterschied ist im Kopf (nicht im Herz): die Hoffnung darauf, dass es eines Tages wieder warm sein wird, lässt mich die Kälte des Winters ein Stück leichter ertragen. Der Unterschied ist nicht fühlbar (wir können immer nur im Augenblick fühlen), der Unterschied ist in der Erkenntnis!

Und so kann auch die Hoffnung darauf, dass es eines Tages wieder leichter zwischen uns wird, dabei helfen, die Krisenzeiten positiv zu bewältigen. Aber erwarten Sie sich nicht, dass es dadurch weniger anstrengend wird – es wird nur vorstellbarer! Der Weg zueinander ist niemals leicht, aber immer lohnend, denn schließlich haben wir ja irgendwann beschlossen, dass es besser ist, gemeinsam zu sein als ohne einander, und dafür hatten wir einen guten Grund: wir lieben einander. Wenn aus uns Lieb-Haber*innen eines Tages dann Recht-Haber*innen, oder sogar Macht-Haber*innen geworden sind, dann haben wir nicht nur die Liebe zueinander, sondern meist auch ein Stück von selbst verloren.

Wir schaffen das!
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Beziehungs-ABC: U wie Unbesprochenes und Unbestrittenes

8. April 2019

U wie Unbesprochenes und Unbestrittenes

Wie verführerisch ist es doch, einfach „um des lieben Frieden willens“ nichts zu sagen, sich seinen Teil zu denken, nicht „unnötig einen Streit vom Zaun zu brechen“, die Dinge lieber unter den Teppich zu kehren, in der Hoffnung, dass sie von alleine verschwinden werden.

Damit wir uns richtig verstehen: ich bin durchaus auch der Meinung, dass nicht jeder Gedanke ausgesprochen sein muss, dass es manchmal klug ist, für den Moment nichts zu sagen, in der Erwartung, dass die Emotion, die man gerade hat, wieder vorbeigehen wird – denn das geschieht sehr oft, und dann ist es auch gut so.


Aber es gibt auch viele Themen, die angesprochen werden müssen, damit sie nicht als unausgesprochene Belastung zwischen uns hängen bleiben. Damit sie nicht bei nächster Gelegenheit als Waffe verwendet werden („immer bist du so, erst letztens hast du …!“) oder als Verletzung auf der Seele liegen bleiben. Diese Gespräche sind niemals einfach, und sie nicht zu einem Streit werden zu lassen, ist eine hohe Kunst. Aber selbst, wenn uns das nicht gelingt, und wir doch streiten – besser so, als sie liegen uns auf der Seele (und im Magen). Was nicht ausgesprochen wurde (und noch immer weh tut), ist wie eine Tretmine in der Beziehung. Und wenn man viele dieser gefährlichen Themen hat, dann erlahmt das Gespräch irgendwann, weil es dann das reinste Minenfeld wäre – und wer macht das schon freiwillig?

Wie kann das gelingen? Wir haben in der ganzen ABC-Reihe schon immer wieder die Grundzüge eines guten Gespräches aufgezeigt: es geht darum, die andere Person nicht dafür zu beschuldigen, dass sie so ist, wie sie ist, sondern gemeinsam einen Weg zu finden, mit den Unterschieden zwischen uns beiden umzugehen. Es wäre immer einfacher, wenn sich der/die Andere ändert – schon wäre ich mein Problem los. Aber das würde ja umgekehrt auch bedeuten, dass ich mich entsprechend der Wünsche meiner PartnerIn verändern müsste – und das geht doch gar nicht, oder?

Also: „Du darfst sein, wie du bist, und ich darf sein, wie ich bin.“ Wie finden wir einen Weg, mit den Unterschieden umzugehen? Wenn mich etwas an meinem Mann stört, dann habe ich ein Problem, und nicht er. Denn bloß weil es nicht so geht, wie ich mir das vorgestellt habe, ist das noch lange kein Grund, dass mein Partner sich ändern muss. Ich kann doch genauso gut meine Vorstellung ändern. Aber es muss wechselseitig sein: ich will auch gerne, dass er sich seine Probleme behält und nicht mir umhängt…

Und wenn wir diesen – meist unangenehmen – Gesprächen nicht aus dem Weg gehen, sondern uns mutig einander zumuten, wenn wir jedeR für sich versuchen, unsere Probleme zu lösen und einen guten Weg miteinander zu finden, dann wird das Unbesprochene /Unbestrittene sich auflösen und weder beim nächsten Streit als Waffe eingesetzt werden, noch länger auf unserer Seele als Verwundung liegen. Sie sehen also: es zahlt sich aus, sich diese Mühe zu machen. Am Schluss, wenn es uns gelungen ist, werden wir zu einer tieferen Intimität und eine größeren Vertrautheit, zu einer schöneren Liebe finden.

Beziehungs-ABC: T wie Trennungen sind nie einfach.

18. März 2019

T wie Trennungen sind nie einfach.

Es gibt sehr, sehr wenige Paare, die sich eine Trennung leicht machen – entgegen der allgemeinen Ansicht, dass sich heute Menschen „einfach so“ verbinden oder dann auch wieder trennen. Trennungen sind meist schmerzhafte Prozesse, die mit vielen Überlegungen, Tränen, oder auch Wut einhergehen können.

Meistens ist es ja so, dass die Trennung nicht gleichzeitig von beiden Seiten gewünscht wird, sondern dass eine Seite beschließt, einen Schlussstrich zu setzen, und die andere Seite wusste entweder noch gar nichts davon, oder ist jedenfalls selbst noch nicht so weit. Diese Spannung ist für beide Seiten schwierig auszuhalten.


Auf einmal ist man wieder alleine, auf einmal ist alles anders, auf einmal steht man vor der Türe. (Dass meist die andere Seite sagt, es hätte sich doch schon längst angekündigt, ändert nichts daran, dass man sich so fühlt, als wäre es „out of the blue“ gekommen!) Für die Alleine-Gelassenen fühlt es sich an, als ob sie aus einer Welt gefallen wären, die vorher noch sicher und planbar war – und jetzt ist auf einmal alles ganz anders. Man ist nicht nur mit der eigenen Wut oder Fassungslosigkeit konfrontiert, man muss sich auch völlig umstellen: von der Tatsache, dass man sich (wieder) alleine um alles kümmern muss bis hin zum leeren Bett, das so kalt und groß erscheint ohne die/den PartnerIn.

Aber auch für die Seite, von der die Trennung ausgeht, ist nicht der/die GewinnerIn. Es fühlt sich nicht gut an, jemanden zu verlassen, es gibt keine „elegante“ Art, das zu tun, man will dem/der Anderen nicht weh tun, schließlich war man ja lange Zeit zusammen und hat einander auch einmal wirklich geliebt. Diesem Menschen weh zu tun ist niemandem egal. Wir suchen nach einer guten Trennung, aber die gibt es nur sehr selten. Denn der Teil, der geht, ist in seinen Gedanken, Plänen und oft auch Taten dem anderen Teil einfach ein paar Wochen oder Monate voraus. Man selbst hat lange darüber nachgedacht, mit FreundInnen gesprochen, eine Zukunft geplant – und der andere nicht. Der andere Teil ist gekränkt, überrascht, oft auch (begründet oder nicht) eifersüchtig – und man selbst kommt sich bei all dem wie einE VerräterIn vor.

Dazu kommt noch die finanzielle und rechtliche Situation, die geklärt werden muss: wer wohnt wo, wer zahlt was, wer kümmert sich um welche Angelegenheiten, wem gehören welche Möbel, etc? Oft hat man das Gefühl, vollkommen überfordert zu sein. In diesen Fällen kann es gut sein, sich jede Menge Hilfe zu holen, von FreundInnen, Familie, bis hin zur Rechtsberatung und Psychotherapie. Bleiben Sie nicht alleine in so einer Situation – es ist so schon schwer genug!

Bitte versuchen Sie beide, die Kinder so weit als möglich draußen zu lassen: das geht die nichts an! Aber so viel sei darüber gesagt: nicht alle Kinder haben lieber, dass die Eltern beisammen bleiben! Ich habe schon so oft gehört: „Ich hätte mir gewünscht, dass sich meine Eltern getrennt hätten!“ Kinder wollen vor allem anderen, dass sie in Ruhe aufwachsen können, und das geht nur, wenn es beiden Eltern gut geht. Wenn das gemeinsam ist – gut. Wenn das aber nicht mehr geht, dann ist es für die Kinder besser, wenn sich die Eltern trennen. Denn dauernder Streit oder auch latente Spannungen sind für Kindern schlimmer als eine klare Trennung.

Trennungen sind nie einfach. Das ist leider so – oder zum Glück, sonst würden wir es leichtfertig machen. Versuchen Sie, die Wut, die Enttäuschung, den Schmerz in sich leben zu lassen (und dabei auf der legalen Seite zu bleiben!), finden Sie eine Form, mit diesen Gefühlen klar zu kommen und lassen Sie sich Zeit. Irgendwann wird der Schmerz / die Enttäuschung / die Wut kleiner und verschwindet wieder, dann sind Sie wieder bereit, sich neu auf jemanden einzulassen, auch wenn Ihnen das jetzt gerade sehr unwahrscheinlich vorkommt. Das Leben geht immer weiter, und neues Glück ist immer möglich!

Beziehungs-ABC: S wie Schwiegerfamilien sind nicht immer einfach.

11. März 2019

S wie Schwiegerfamilien sind nicht immer einfach.

Es gibt so unendlich viele Witze über Schwiegermütter, dass man schon fast nicht mehr glauben kann, dass man sich auch gut mit den Schwiegereltern verstehen kann. Aber: Ja, es gibt genug Familien, für die das gar kein Thema ist, weil sie sich einfach gut verstehen. Für die ist der heutige Beitrag nicht, die dürfen sich genüsslich zurücklehnen und einander zufrieden auf die Schulter klopfen: das haben wir gut gemacht!

Für alle anderen: damit man sich mit den Schwiegereltern / SchwägerInnen / Schwiegerkindern versteht, gibt es ein paar Regeln, die zu beachten sind. Denn dass es so viele Witze darüber gibt, zeigt, dass es ein heikles Feld ist, auf dem viel schief gehen kann. Denn Eltern sind auf der einen Seite für viele Menschen wichtige Bezugspersonen, auf der anderen Seite aber gibt es jetzt eineN neueN PartnerIn, die die wichtigste Person im Leben ist.

Umgekehrt ist es auch nicht leicht, das Kind, das einem lange so nah und für das man so wichtig war, und das man so gut zu kennen glaubt, an einen Menschen „abzugeben“, der einen großen Einfluss auf das Kind hat (das natürlich schon längst erwachsen ist und auch von ganz anderen Menschen schon viel gelernt und übernommen hat). Das Kind entfernt sich von den Eltern, das ist ein schmerzhafter Prozess, und ein Schwiegerkind kann dann auch als Gefahr wahrgenommen werden: jetzt geht er/sie ganz von uns weg! Und verändert sich auch noch so sehr, dass wir am Schluss vielleicht gar nicht mehr zusammenpassen!

Wichtig für beide Seiten ist erst einmal die gegenseitige Anerkennung der guten Intention der anderen, das Verständnis. Und Respekt: man will weder belehrt noch entmündigt werden, man will weder belächelt noch verachtet werden, man will geschätzt und anerkannt werden in der je eigenen Art, mit der eigenen Gewohnheit, mit der guten Absicht, die man hat. Die fremde Familie, die einem da auf einmal so nah ist, und die man sich ja nicht ausgesucht hat, ist immer anders: viel kann man nicht verstehen oder findet man komisch oder unangenehm. Aus Respekt dem Kind /PartnerIn gegenüber soll man versuchen, dieses Anderssein der anderen Familie zu lassen. Das geht leichter, wenn man sich bewusst ist, dass die anderen die je eigenen Gewohnheiten vielleicht auch befremdlich findet…

JedeR ist, wenn die Eltern da sind, in einem Loyalitätskonflikt, denn da steht man zwischen Menschen, die man (hoffentlich) liebt und von denen man hofft, dass sie sich verstehen. (Wir haben ja auch gerne, wenn unsere Freunde sich untereinander verstehen, und im Grunde ist es nicht viel anders.) Als PartnerIn kann ich versuchen, nicht gegen die Schwiegereltern zu konkurrieren, anzukämpfen, sondern freundlich zu ihnen zu sein, irgendetwas Gutes hat jeder Mensch! In der Position der Schwiegereltern gilt das genauso: respektiere die neue Frau / den neuen Mann im Leben deines Kindes, und akzeptiere, dass er/sie sich dadurch verändert (das haben wir ja in unseren Beziehungen auch gemacht!)

Das obige Bild mag ich gerne: es ist nichts falsch an dem einen Stein in der Mitte: es ist ein Pflasterstein, so wie die anderen auch. Aber es ist auch nichts falsch an den grauen Steinen: es sind ebenfalls Pflastersteine. Dass der eine Stein nicht zu den anderen passt, bedeutet also nicht, dass er falsch ist oder die anderen es wären. Es passt nur eben nicht genau zusammen. So ist das in der Schwiegerfamilie auch: richtig, aber nicht ganz einfach. Doch mit etwas gutem Willen, einem Schuss Humor und einer Prise Gelassenheit kann das wirklich gut gelingen!

Beziehungs-ABC: O wie Organisation ist alles

4. Februar 2019

O wie Organisation ist alles.

Der Alltag einer Beziehung ist oft unheimlich kompliziert: wie machen wir was, wann, wer kümmert sich um was, wer ist woran Schuld, wie soll etwas ablaufen, wer kauft ein, wer kocht, wann kommt jemand nach Hause, wer bezahlt was, wann, warum, wie oft, … ???

Das kann leicht in Vorwürfen enden, weil die Erwartungen nicht klar waren, weil es Missverständnisse geben kann, weil man sich nicht in der Lage fühlt, gewisse Dinge (auch noch!) zu erledigen.

In einer Beziehung geht es in diesem Sinn zu wie in einer Firma, nur gibt in dieser „Firma“ unglaublich viele Tätigkeiten, für die man sich weder „beworben“ hat, noch die man jemals gewollt hätte (sonst würde man das ja beruflich machen!) Es gibt die Führungsebene, wo Entscheidung getroffen werden, es gibt die Finanzabteilung, die Einkauf und Management beinhaltet, es gibt das Facility Management, die Kinderbetreuungsabteilung, den Bereich der Haustechnik. Bei all dem hat man weder Urlaubsanspruch noch Stundenbegrenzungen, und schon gar keine ordentliche Bezahlung!

Und man kann auch nicht in die Firma kommen, sich erst mal hinsetzen und sagen, man muss sich jetzt erst mal von der anstrengen Zeit zuhause ausruhen. Wenn Aufgaben erledigt werden müssen, kann man sie nicht einfach an jemand anderen delegieren, bloß weil man keine Lust dazu hat oder sich nicht kompetent fühlt.

Es gibt in vielen dieser Teilbereiche eineN von uns, der/die da kompetenter ist, das bedeutet, dass diese Person die Leitung und das Sagen in diesem Teilbereich hat, nicht aber, dass sie alles alleine zu erledigen hat. Für eine gut funktionierende Partnerschaft ist ein gutes Team wichtig, da muss klar sein, wer welche Kernkompetenzen hat. Und Bereiche, in denen sich keineR zuständig fühlt, muss man outsourcen, das ist eine Frage der Konsequenz: besser, wir machen die Dinge selbst, in denen wir uns zuständig und kompetent fühlen und überlassen die, für die wir uns nicht erwärmen können, an Außenstehende.

In diesem Sinne: setzen Sie sich zusammen und achten Sie darauf, dass Sie (weiter) das gute Team sind, das Sie nur gemeinsam sein können! Wenn alle gemeinsam an einem Projekt interessiert und engagiert sind, wird immer etwas Gutes daraus!

Beziehungs-ABC: K wie Kinder und andere kreative Projekte

17. Dezember 2018

K wie Kinder und andere kreative Projekte

Viele Paare wollen irgendwann einmal Kinder, aus den verschiedensten Gründen: Weil es dazugehört, weil es schön ist, weil man etwas für die Gesellschaft tun will, weil Kinder herzig sind, weil man seiner Liebe Ausdruck geben will, weil man das Leben in all seinen Varianten kennenlernen möchte, … Jeder dieser Gründe ist gut und richtig.

Paare, die trotz eines starken Wunsches keine (eigenen) Kinder bekommen können, kommen dann leicht in eine Krise. Das Miteinander kann oft sehr mühsam und voller Vorwürfe werden, jeder misslungene Versuch die Frustration erhöhen, andere Paare mit erfülltem Kinderwunsch gemieden werden, und auf Dauer kann  das Thema sehr schmerzhaft und belastend sein. Die Frage, warum es bei einem nicht klappt, kann sich über das ganze Leben stellen und auch mitunter die Partnerschaft zerstören.

Kinder zu haben ist keine leichte Aufgabe: ständig ist man mit Situationen konfrontiert, über die man sich früher nie den Kopf zerbrochen oder die man sogar milde belächelt hat. Entscheidungen, die nicht ohne Bedeutung für ein Kind sind, sind beinahe täglich zu fällen: was sind die Erziehungsstrategien, welche Ernährung wählt man für sein Kind, welche Schule ist die richtige, wie geht man mit religiöser Erziehung um, wann muss es zuhause sein, wie viel darf es im Internet machen, …?

Keine Kinder zu haben (willentlich), ist auch nicht einfach: man wird immer gefragt, wie es denn jetzt damit ausschaut, wird vielleicht auch noch von unbedachten Äußerungen verletzt, man muss sich oft rechtfertigen für seine Lebensweise, ist Zielscheibe für Neid oder auch Mitleid.

Wie auch immer die Entscheidung aussieht: als Paar ist es wichtig, etwas zu haben, was über das Ich und Du hinaus geht, wo man gemeinsam an einem Projekt arbeitet, das einen verbindet. Kinder zu bekommen ist eine sehr gute Möglichkeit, sich kreativ zu betätigen (im Sinne von „erschaffen“), aber es ist nicht die einzige. Jede andere Lösung ist auch gut, von gemeinsamem sozialem Engagement bis zum Hobby, das wir teilen. Das alles gibt uns als Paar die Möglichkeit, „in eine Richtung“ zu schauen, statt immer nur „einander an“. Gemeinsame Versuche, Erfolge, aber auch Misserfolge schweißen zusammen, formen eine gemeinsame Geschichte, die uns verbindet und beisammen hält.

Beziehungs-ABC: J wie Jagdverein und sonstige Hobbys

10. Dezember 2018

Jagdverein und sonstige Hobbys

Wie viel Zeit soll man eigentlich gemeinsam verbringen? Wie ist es mit der Zeit, die wir für unsere Hobbys und Interessen brauchen, die wir nicht miteinander teilen? Ist es so, dass diese Hobbys hinter der Beziehung zurücktreten sollen oder haben sie nach wie vor ihre Berechtigung, auch wenn sie sehr viel Zeit brauchen?

Oft höre ich von Menschen, dass sie sich ganz aufgeben, wenn sie in eine Beziehung kommen, dass sie sich ganz verlieren. Der Prototyp wurde in dem bekannten Film „Die Braut, die sich nicht traut“ sehr gut beschrieben: die Betreffende weiß nicht einmal, wie sie ihre Frühstückseier gerne mag, weil sie sie einfach immer so gegessen hat wie ihr jeweiliger Verlobter.

Es ist natürlich schön, wenn man viel Zeit gemeinsam verbringt, aber sich dabei ganz zu verlieren, ist nicht zielführend: denn die PartnerIn hat sich ja in den Menschen verliebt, der man ist und nicht in eine Version von einem, die letztendlich beziehungsmäßig „weichgespült“ ist. Das Beispiel dazu ist der Rocker, der von seiner Frau so lange „bekehrt“ wird, bis er ein eintöniger Spießer ist, den seine Frau verachtet, weil er so langweilig ist. 

Die Kunst ist hier, den richtigen Mittelweg zu finden: man soll sehr wohl die eigenen Hobbys pflegen, aber das Entscheidende daran ist wohl, dabei die PartnerIn nicht ganz draußen vor zu lassen, ihr/ihm nicht das Gefühl zu vermitteln, unwichtig oder nebensächlich zu sein. Das ist auf der einen Seite eine Zeitfrage, auf der anderen aber eine der Aufmerksamkeit: man kann einander von den Erlebnissen erzählen, die man in der Zeit ohne einander gemacht hat, dabei auch darauf achten, was der/dem anderen interessant erscheinen kann.

Es ist die innere Verbindung, die den Unterschied macht, ob sich jemand eingeschlossen fühlt oder nicht. Und im Grunde wissen wir meist sehr genau, ob wir unsere PartnerIn an unserem Leben teilhaben lassen oder nicht. Und sie/er merkt das dann eben auch ….

Beziehungs-ABC: I wie Ich liebe dich!

3. Dezember 2018

I wie Ich liebe dich.

Manchmal ist es ganz leicht, diese „berühmten drei Worte“ zu sagen. Sie sind verbunden mit der Hoffnung, dass es auch in Zukunft so bleiben soll, weil es so schön ist, geliebt zu werden und lieben zu dürfen. Aber nicht immer ist es so, dass wir diese Liebe auch wirklich in unserem Inneren empfinden.

Wie ist das mit der Liebe in einer Beziehung? Wie wichtig ist sie für eine Beziehung, was passiert, wenn man sie nicht mehr fühlt, kann sie vergehen, und wenn ja, warum? Kann man das überhaupt beeinflussen?

Ich habe viel darüber nachgedacht, weil ich das für eine sehr wichtige Frage halte. Liebe kann man, meiner Ansicht nach, nicht überbewerten, aber man darf sie auch nicht überbewerten. Das klingt nach einem Widerspruch, bitte lassen Sie es mich erklären:

Liebe ist für die Beziehung wichtig, ohne Liebe ist sie schal und langweilig, niemand interessiert sich dafür, und schon gar nicht würde man irgendetwas für den/die Anderen tun, wenn man sie nicht lieben würde. Sie ist das Feuer, das die Beziehung am Leben erhält, sie ist die Wärme, die uns zusammenschmilzt, sie ist der Kitt, der uns beisammen hält, die ständige Sehnsucht nach dieser Wärme bringt uns dazu, uns für einander einzusetzen und liebevoll zu sein.

Aber Liebe ist mehr als ein Gefühl, sie ist auch eine Entscheidung, und daher darf das Gefühl nicht überbewertet werden. Es ist die Entscheidung, der/dem Anderen gegenüber wohlwollend zu sein, ihr/ihm zuerst einmal mit einem positiven Vorurteil zu begegnen, und auch in mühsamen Zeiten das Handtuch nicht gleich zu schmeißen. Manchmal ist es mit der Liebe wie mit dem Grundwasserspiegel, der immer noch da ist, auch wenn oben das Wasser schon spärlich wird. Dann muss man – wie bei einem Brunnen – pumpen, damit es oben auch wieder erscheint, dann muss man an der Beziehung arbeiten, damit sich die Liebe wieder einfindet.

In diesem Sinne ist es manchmal wie schwere Arbeit, „Ich liebe dich“ zu sagen, und manchmal ganz leicht. Wenn es leicht ist – genießen Sie es. Wenn es schwer ist – machen Sie sich an die Arbeit! Je größer die Mühe, desto besser schmeckt das Ergebnis, wenn es gelingt!

Beziehungs-ABC: F wie Fraulich

12. November 2018

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F wie Fraulich.

Ich bin eine Frau. Stimmt. Aber woher weiß ich das eigentlich?

Weiß ich es, weil ich meinen Körper mit den von anderen Menschen verglichen habe und bemerkt: ich habe Brüste und eine Vagina, ich kann Kinder gebären und stillen? Also: weiß ich, dass ich eine Frau bin, weil ich einen Frauenkörper habe? – Was ist dann mit all den Menschen, die sich im falschen Körper befinden oder deren Körper nicht eindeutig einem Geschlecht zuzuteilen sind? Sind das dann keine „richtigen“ Frauen?

housewife-23868_640Oder weiß ich es, weil mir von klein auf gesagt wurde, dass ich ein Mädchen bin, später eine Frau? Also dadurch, dass ich von außen diese Rückmeldung bekommen habe, und dass ich als Kind Puppen bekommen habe und – anders als meine Brüder – im Haushalt mitarbeiten sollte? Also: weiß ich, dass ich eine Frau bin, weil es mir die Umgebung gesagt und mich als solche erzogen hat? – Was ist dann mit all den Frauen, die sich an diese Rollenstandards nicht halten wollen? Sind das dann keine „richtigen“ Frauen?yin-2730344_640

Weiß ich es vielleicht, weil ich mich (meistens) von Männern angezogen fühle, weil ich mit Männern verheiratet bin/war oder von Männern begehrt und als Partnerin gewählt wurde? Also: weiß ich es aufgrund meiner sexuellen Orientierung? – Was ist dann mit all den Frauen, die sich da nicht eindeutig zuordnen wollen, die auf Frauen stehen oder die vorziehen, gar nicht in Partnerschaften zu leben? Sind das dann keine „richtigen“ Frauen?

Oder weiß ich es, weil ich mich als emotional sorgend, emphatisch und fürsorglich empfinde? Weil ich vielleicht Multitasking kann oder ich alles Niedliche und Kleine mütterlich umsorgen will? Also: weiß ich, dass ich eine Frau bin, weil ich emotionale Intelligenz habe? – Was ist dann mit all den Frauen, die andere emotionales Rüstzeug bekommen haben? Sind das dann keine „richtigen“ Frauen?

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Wieso wissen Sie, dass Sie (oder Ihre Partnerin) eine Frau ist? Woran machen Sie es fest? Ich lade Sie ein, darüber nachzudenken, denn es ist keinesfalls so einfach, wie man normal denkt. Sobald man sich darüber Gedanken darüber macht, werden alle Zuschreibenden willkürlich und fließend.

Beziehungs-ABC: E wie Erotik und Sexualität

5. November 2018

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E wie Erotik und Sexualität

Kaum ein anderes Thema geht uns so nahe wie dieses, kaum eines ist mit Beziehung enger verbunden, kaum eines wird so kontrovers diskutiert: Erotik und Sex sind Dauerbrenner.

Wie können wir uns dem Thema so nähern, dass nicht Altbekanntes zum x-ten Mal wiederholt wird, keine Klischees bestärkt, keine Verletzungen wiederholt, keine Methode verteufelt, kein Ideal beschworen und keine  Phrasen gedroschen werden?

arrow-2085195_640Dazu möchte ich an den Beitrag von letzter Woche anknüpfen: du bist anders. Du bist der/die ganz Andere, und das gilt auch im Bereich der Sexualität. Aber anders zu sein kann uns über uns selbst verunsichern („bin ich richtig so, wo ich doch anders bin als du?“). Ebenso kann uns das Anderssein des/der Anderen unsicher machen  („bist du richtig so, wo du doch so anders bis als ich?“).

lover-1822498_640Diese Unsicherheit verursacht eine Spannung, die gerade in einem Punkt, der uns so nahe geht wie Sexualität, leicht zerstörerisch werden kann. Die Spannung kann dann gegen den/die Andere als Vorwurf verwendet werden: bei unterschiedlich häufigem Auftreten von Lust („immer / nie willst du Sex!“), oder bei unterschiedlichem Tempo beim Sex („du kommst zu früh / zu spät!“), bei unterschiedlichen Vorlieben („du bist zu bieder / pervers!“) oder bei unterschiedlichen Praktiken („immer / nie willst du ….!“). Dann fühlen wir uns verletzt, unverstanden, beschämt. Und gerade die Scham macht es uns schwer, im Gespräch zu bleiben.

boy-2462944_640Die Lösung besteht darin, anzuerkennen, dass alle das volle Recht haben, genau die Art von Sex zu wollen, die sie mögen. Denn das ganze Leben, alle Erfahrungen haben dazu geführt, dass ich genau so bin, wie ich bin, dass mich das erregt, was mich erregt, dass ich dann Sex mag, wann ich mag und dass ich diese Art von Erotik ansprechend finde und eine andere weniger. Es ist völlig legal, genau so zu sein wie ich bin.

Wichtig ist nur, das auch der/dem Anderen zuzugestehen. Wenn wir es aber schaffen, einander liebevoll zuzugestehen: „Ich bin okay, du bist okay!“, dann kommen wir aus der Schleife der Vorwürfe und Rechtfertigungen heraus und können voll Staunen die Welt des/der Anderen entdecken (die aber niemals die unsere sein wird oder sein muss oder soll!).

Dann kann genau diese Ebene eine besonders innige werden, sodass es uns möglich ist, nicht bloß „Sex zu haben“ sondern wirklich „Liebe zu machen“. 

Kuss.Rodin

(Der Kuss. nach Auguste Rodin)