Posts Tagged ‘Freundlichkeit’

Pfingsten – Hilfe von oben?

5. Juni 2017

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Pfingsten – das Fest, das einige von der Firmung oder Konfirmation kennen, wo wir aber nicht genau wissen, was wir damit anfangen sollen. Es kann sein, dass wir uns erinnern, dass es etwas mit dem Heiligen Geist zu tun hat, oder mit Tauben oder mit Flammen. Dass es eine Hilfe sein soll, die irgendwie vom Himmel kommt, in dem eine Gottheit wohnt und die uns in unserem Leben hilft. Was fangen wir damit an?

Gibt es eine „Hilfe von oben“?

Und wenn ja – brauchen wir so etwas überhaupt? Sind wir nicht heute so autonom, so unbedingt unabhängig, so selbständig, so ungebunden, dass wir „den ganzen Blödsinn nicht brauchen können“? Wir haben alles im Griff, wir können so viel naturwissenschaftlich erklären, wir wissen, dass wir uns vor uns selbst verantworten müssen. Wir können uns selbst und einander Himmel oder Hölle sein – wozu also da noch Gott oder eine höhere Macht?

Können wir Hilfe überhaupt annehmen, egal, von wo sie kommt?

Der Nachteil unserer Autonomie, um die wir so verzweifelt kämpfen, ist, dass wir keine Hilfe mehr annehmen wollen, weil wir das für Schwäche halten. Ich diskutiere oft mit Menschen, die sagen, sie teilen sich nicht mit, sie sagen nicht, wenn sie etwas brauchen, sie wollen keine Hilfe, weil sie nicht schwach sein wollen. Verstehe ich, ist aber traurig.

Hilfe zu geben ist viel leichter als Hilfe anzunehmen.help-1019912_1280

Ich habe gelesen, immer mehr Menschen wollen sterben, wenn sie schwer krank sind, nicht weil sie die Schmerzen fürchten sondern die Abhängigkeit. Weil sie „niemandem zu Last fallen wollen“. Das heißt: sie sterben lieber als dass sie jemanden belasten.

Ich finde das unheimlich traurig und einsam. Denn was sagt das über das Vertrauen, das wir in einander haben? Und wer behauptet, dass wir NUR eine Last sind, selbst wenn wir pflegebedürftig sind? (Es hängt von mir ab, ob ich das bin oder freundlich, höflich und dankbar). Und was sagt das über unsere Gesellschaft aus, wenn wir einander nicht mehr helfen können, wenn wir einander nicht mehr zu unterstützen, zu helfen bereit sind?

Hilfe von oben – Kraft, die antreibt, unterstützt, Energie gibt – das können wir alle gut brauchen. Nicht anstelle unserer eigenen Kraft, nicht anstelle der Naturwissenschaften, nicht anstelle der gegenseitigen Hilfe, sondern zusätzlich. Als etwas, das wir uns selbst nicht geben, das wir nicht machen, sondern nur geschehen lassen können.

„Komm, heiliger Geist“ heißt dann übersetzt:

komm, gute Idee! Komm, Freundschaft! Komm, freundliches Miteinander! Komm, Inspiration! Komm, Kraft zum Weitermachen! Komm, richtiges Wort zur richtigen Zeit! Komm, Versöhnung mit meiner PartnerIn, komm, Glückssträhne!

(Bild: Lichtensteiner Flügelaltar)

Ich freue mich, wenn Sie sich mit mir über diese oder andere Themen unterhalten wollen. Rufen Sie mich an oder machen Sie online einen Termin für ein Gespräch aus. Ich bin gerne bereit, mit Ihnen über Ihre Sicht der Dinge oder Ihre Probleme zu reden.

Höllenqualen

29. Mai 2017

300px-TheGreatLastJudgementWeil wir letzte Woche über den Himmel nachgedacht haben, möchte ich heute die Hölle nachreichen. Auch das ist ein Thema, mit dem wir immer wieder konfrontiert werden.

Wie oder was ist diese Hölle?

Viele von uns werden dabei durch Bilder wie diesem hier von Peter Paul Rubens geleitet, in denen (meist nackte) Menschen von Teufeln im Feuer gequält werden. Diese Bilder, die den Menschen früher wirklich Angst gemacht haben (und die wir häufig als erotisch betrachten) sind viel wirkungsvoller als uns bewusst ist.

Und an so etwas glauben wir heute wirklich nicht mehr! 

Dass es unwahrscheinlich ist, dass wir nach dem Tod noch einen Körper haben werden, ist der eine Einwand, der andere, dass wir nicht an eine Macht glauben wollen, die zu solcher Brutalität fähig ist.

Mit dem Tod öffnen sich nicht die Tore zur Hölle, sondern sie schließen sich!

Andererseits zweifelt niemand daran, dass es eine Hölle gibt!

Hölle ist eine qualvolle Realität von vielen Menschen, und meist sind die Verursacher dieser Höllen auch wieder Menschen! Die Hölle, das sind die anderen“, sagt Jean Paul Sartre, und das kennen wir: Krieg, Ausbeutung, Kapitalismus, Versklavung, Menschenhandel, Kindesmissbrauch, Vergewaltigung, Unterdrückung oder Psychoterror sind traurige Wirklichkeiten im Leben vieler Menschen.

Und auch wir selbst können uns das Leben zur Hölle machen.

Ich erlebe so viele Menschen, die sich selbst schlecht machen, die sich selbst hassen, kein gutes Haar an sich lassen, die sich ununterbrochen kritisieren und verurteilen. Die nichtheart-1377475_1280 aufhören, bis ihr Herz zerstört ist, bis sie jeden Glauben an sich und an alles Gute verloren haben. Denen es dann schwer fällt, sich lieben zu lassen und Menschen an sich heranzulassen.

Wir können wenig tun, damit andere Menschen aufhören, einander Hölle zu sein, aber wir können uns selbst ändern, unseren Umgang mit uns und mit unserer Umwelt.

Stoppen Sie die Hölle in sich, machen Sie sich nicht selbst das Leben zur Hölle.

Himmelwärts

22. Mai 2017

birch-2300857_1280Am Donnerstag ist das Fest Christi Himmelfahrt. Die meisten von uns denken: einer der freien Donnerstage im Frühling. Gut, ein verlängertes Wochenende. Ich möchte es als Anlass verwenden, mit Ihnen über den „Himmel“ nachzudenken.

Glauben wir (noch) an einen Himmel?

Und wenn, ist der oben, unten, innen, außen?

Und was ist das, was wir für das Gegenteil davon halten? Viele werden antworten, die Hölle. Ja, das haben wir vielleicht einmal so gelernt. Auch eine gute Frage: 

Glauben wir (noch) an eine Hölle?

Und wenn, wo ist die: unten, oben, außen, innen?

Oder ist das Gegenteil davon Erde, irdisches Leben, Boden unter den Füßen, Realität? Das alles ist etwas leichter: wir müssen nicht an die Erde glauben, die erleben wir täglich. Dinge fallen hinunter, Richtung Erdmittelpunkt. Wir stehen auf dem Boden. Das irdische Leben ist unser Alltag. Die Realität ist das, womit wir klar kommen müssen.

Himmel – was ist das für Sie?couple-2308244_1280

Wenn es den gibt, wo ist der? Wie erleben Sie ihn? Kommt er erst oder ist er schon da?
Immer? Immer wieder? Niemals in diesem
Leben?

Wer oder was bringt sie in den „siebten Himmel“?

(Und wer oder was in den 1. bis 6. Himmel?) Das kann viel sein, erlauben Sie sich, da ganz offen zu sein: ein Mensch, eine Situation, ein Fußballtor, gute Musik, eine gelungene Arbeit, eine Versöhnungsgeste, ein Geschenk, ein Tag am Wasser.

Wir können Himmel auf der Erde erleben, wir können uns den Himmel, falls es einen nach diesem Leben gibt, auch nur mit irdischen Vorstellungen ausmalen. Aber das macht nichts. Himmel kann jetzt sein, immer wieder, wenn auch immer nur stückweise.

Gönnen Sie sich immer wieder Augenblicke des Himmels – Sie haben ihn verdient!

 

Achtsamkeit – sich selbst gegenüber

15. Mai 2017

i-am-954818_1280Wir haben in den letzten Wochen viel Achtsamkeit geübt: dem Klang der Welt lauschen, Menschen zuschauen, sich Gründe für sie ausdenken, die eigene Bewertung und Sichtweise relativieren.

Wenn Sie das alles geübt haben, lade ich Sie zu einem weiteren Schritt ein:

Sich selbst gegenüber achtsam zu sein.

Beobachten Sie Ihre Gedanken und Gefühle, wie Sie das schon von den anderen Schritten kennen: ohne vorschnelle Wertung, vor allem ohne Verurteilung. Bleiben Sie dabei, diese Gedanken oder Emotionen wahrzunehmen, was auch immer es ist. Sie können Ihnen noch so lustig, banal, kompliziert, übertrieben erscheinen – lassen Sie sich einfach so, wie Sie sind.

Auch diese Übung können Sie überall und jederzeit machen!

Ob Sie unterwegs sind oder zuhause, ob Sie arbeiten oder Freizeit haben, ob Sie alleine sind oder unter Menschen, ob Sie sich anstrengen oder kurz vor dem Einschlafen sind – überall, jederzeit. Die Frage, die Sie sich stellen können ist: wie sind meine Gedanken, was fühle ich gerade – im Körper oder in der Seele?

nothing-1820481_1280Alles ist gleich gut, alles ist erlaubt, alles ist in Ordnung!

Gehen Sie davon aus, dass auch Sie gute Gründe dafür haben, was Sie denken oder empfinden. Schimpfen Sie nicht mit sich, wenn Sie etwas gemacht haben, was nicht so zielführend war wie Sie es gerne gehabt hätten. Beobachten Sie, nehmen Sie wahr und lassen Sie es (für den Moment) einfach sein.

Diese Übung hat enorme Auswirkungen – ich schlage vor, Sie üben das einmal und wir kommen später wieder darauf zu sprechen. Viel Freude mit dieser Übung!

Den Menschen zuschauen – Teil 3

8. Mai 2017

girls-438148_1280Wenn Sie eine Weile damit Spaß hatten, sich Gründe für Menschen auszudenken, haben Sie hoffentlich: 

  1. eine Menge Kreativität erlebt,
  2. sich weniger aufgeregt,
  3. eine andere Sichtweise bekommen.

Um diesen letzten Punkt geht es mir heute:

von der kindlichen zum reifen Sichtweise.

Kinder erleben sich selbst als Zentrum der Welt: alles, was geschieht, hängt gefühlsmäßig mit ihnen zusammen: „Wenn ich brav bin, lachen meine Eltern. Wenn ich böse bin, sind sie ärgerlich.“ Was dann umgekehrt auch bedeutet: „Wenn die Eltern lächeln, war ich anscheinend brav, wenn sie verärgert sind, habe ich etwas angestellt.“ 

Kinder können noch nicht anders denken als so: ego-zentrisch (also sich im Zentrum des Geschehens).

Wenn wir aber älter und reifer werden, sollte sich das ändern: wir erkennen, dass Menschen auch unabhängig von unserem Verhalten erfreut oder verärgert sein können: weil sie Stress haben, weil sie mit jemandem im Streit sind, weil sie krank sind, etc. Wir können uns immerhin denken, dass das Verhalten, dass jemand an den Tag legt, auch andere Gründe haben könnte.

rest-2106964_1280Wenn Sie sich Gründe für das (eigenartige) Verhalten eines Menschen ausdenken, tun Sie genau das: Sie verlassen die Vorstellung, dass Sie der Grund für das Verhalten des Anderen ist. Wenn also jemand grantig, kurz angebunden oder unhöflich ist, dann müssen Sie das nicht mehr auf sich beziehen sondern können sich denken, dass es dafür auch andere Gründe geben könnte.

Von der egozentrischen zur reifen Sichtweise – ein Reifungsschritt!

Immer noch sind Sie natürlich das Zentrum Ihres Universums, das sollen Sie sein und das kann auch nicht anders sein. Aber Sie wissen, dass Sie nicht mehr das Zentrum des Universums der anderen sein können und damit haben Sie viel Reife gewonnen!

Bleiben Sie bei dieser Übung noch eine Woche, nächstes Mal gehen wir wieder einen Schritt weiter! Wenn Sie mit mir über diese oder auch ganz andere Themen reden möchten, dann bitte kontaktieren Sie mich oder reservieren Sie online einen Termin. Ich freue mich darauf, mit Ihnen in Kontakt zu kommen!