Posts Tagged ‘Lust und Laune’

Sommerreihe 2018: nach Lust und Laune 12: Auf Wiedersehen – und auf ein Wieder-Sehen

17. September 2018
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Auf Wiedersehen – und auf ein Wieder-Sehen
Wir sind am Ende des Sommers angekommen, und auch am Ende der Sommerreihe „nach Lust und Laune“. Ich bedanke mich bei Ihnen für Ihr Mitlesen, hoffe, dass Sie das eine oder andere Interessante erfahren konnten und bei den Experimenten hoffentlich erlebt haben, wie Sie mit Ihren „Dinosauriern“ umgehen können.
Nach dem „launigen“ Sommer geht es jetzt wieder ernst weiter – auf meiner Homepage können Sie mir weiter folgen, Sie müssen sich dort nur eintragen, dann bekommen Sie wöchentlich meine neuesten Blog-Einträge per mail zugesandt.
Das Thema, das uns dort in den nächsten Wochen beschäftigen wird, ist das „Beziehungsweise-ABC“: Woche für Woche werde ich nach dem Alphabet Themen rund um Beziehung „durchbuchstabieren“, von A wie Anfang bis Z wie Zufriedenheit.Falls Sie Themen haben, zu denen Sie möchten, das ich etwas schreibe, bitte senden Sie mir ein Mail, dann werde ich Ihre Anregung aufnehmen, wenn mir das irgendwie möglich ist. Wenn Sie das tun möchten, bitte klicken Sie
HIER und teilen Sie mir Ihren Wunsch mit.
Ich freue mich über alle, die mitlesen, oder auch mitdiskutieren. In diesem Sinne: einen guten Start in den Herbst, und ich hoffe, wir treffen einander auf meinem Blog wieder!
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Experiment 12: dem Blog folgen (falls Sie das nicht ohnehin schon tun..)
 
Bitte machen Sie es einfach jetzt gleich: klicken Sie auf den Button „diesem Blog folgen“ auf der Startseite rechts und tragen Sie sich dort ein. Sie sichern sich damit die Zusendung aller zukünftigen Blog-Einträge: das Beziehungs-ABC, das im Oktober starten wird, und viele andere interessante Beiträge rund um Leben, Lieben, Lassen, Lust und Launen.
Ich freue mich, wenn Sie auch gelegentlich einen Kommentar dazu geben, wenn Ihnen etwas besonders wichtig erscheint oder Sie auch eine andere Meinung haben.
Sollten Sie bereits einE regelmäßige LeserIn meines Blogs sein, sage ich Ihnen hiermit, dass ich mich über Sie besonders freue!
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Sommerreihe 2018: nach Lust und Laune 11: W wie Wut und Z wie Zorn

10. September 2018

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W wie Wut und Z wie Zorn

Wut und Zorn sind mächtige Gefühle, die uns ziemlich Angst machen können. Sie sind unangenehm, für uns und/oder die anderen, sie kommen wie eine Welle über uns, und meist fühlen wir uns ihnen vollkommen ausgeliefert. Und sie können eine Menge anstellen und kaputt machen, von ein paar Häferln, die wir in unserer Wut zerschlagen bis hin zu Beziehungen, ja sogar bis zum Krieg zwischen Völkern. Oder sie richtet sich nach innen, gegen sich selbst, dann wird man depressiv oder verletzt sich selbst, bis hin zum Suizid.
Alles in allem: ist es also ein Gefühl, das man besser vermeidet, weil es so schädlich und gefährlich ist? – NEIN!
Erstens nein, weil es ja gar nicht geht (wir erinnern uns: Dinos!) und zweitens nein, weil es schade darum wäre.
Schade, wenn es doch so gefährlich ist? – Kein Gefühl ist ohne Grund da, und die Wut ist da keine Ausnahme. Denn die Wut zeigt sehr deutlich auf, wo etwas nicht gut ist.
Unsere Seele will, dass wir es gut haben, und wenn wir das nicht bekommen, werden wir wütend. Es geht also (nur) darum, einen Weg zu finden, das Problem zu sehen und einen Weg zu finden, den Konflikt zu lösen, und zwar mit besseren Mitteln als mit blinder Wut.
Wie das geht, wissen Sie jetzt schon: den Dino vorbeiziehen lassen (atmen und warten, wissend, dass Sie jetzt diese eine Situation/Aussage/Handlung wütend gemacht hat, und wir bleiben bei dieser einen einzigen!) und dann mit Hilfe der Vernunft Lösungen suchen, mit denen beide Seiten gut leben können.
Wenn Sie, was Viele machen, das Problem verdrängen, kaum dass der Dino weg ist, werden Sie bei der nächsten Gelegenheit wieder wütend werden (müssen!). Umgekehrt ist ein Problem, das für beide Seiten gut gelöst ist, einfach passé: damit müssen Sie sich nicht mehr herumplagen.
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Dieses hier wird jetzt richtig schwierig! (Aber jetzt sind Sie ja auch schon keine AnfängerInnen mehr, und das Schwere habe ich mir daher bewusst für den Schluss aufgehoben)!
Ich bitte Sie, wenn Sie zornig werden, zuerst den Dino vorbei ziehen zu lassen und sich dann, und erst, wenn Sie nicht mehr dampfen vor Zorn!, zu überlegen, was Sie tun könnten, um diese Situation zu entschärfen.
Und ja, ich weiß: SIE haben es ja nicht gemacht, es war irgendwer anderer, der/die Sie geärgert hat. Genau darum geht es: auch die andere Seite war zornig, und zwar vermutlich genau auf Sie.
Es geht also darum, sich miteinander hinzusetzen und ohne Vorwürfe (die machen uns nur noch einmal zornig) darüber zu sprechen, was Sie wütend gemacht hat und anzuhören, wie das die andere Seite wahrgenommen hat.
Das geht, wirklich! Und wenn Sie eine Lösung gefunden haben, dann feiern Sie das gemeinsam!
(Falls Sie dabei Hilfe brauchen, weil die Situation schon zu verfahren ist, bitte tun Sie das. Nicht alles geht immer alleine, und dafür gibt es auch Profis, die einem helfen können.)

Sommerreihe 2018: nach Lust und Laune 10: Lust und Liebe

3. September 2018

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Lust und Liebe

Sie werden sich erinnern: ich könnte eine ganze Sommerserie über die Liebe schreiben, weil es dazu so unendlich viel zu sagen gibt. Ich will mich heute mit einer speziellen Art von Liebe beschäftigen: der Liebe zu Menschen allgemein.
Vielen fällt bei „Liebe“ die partnerschaftliche Liebe ein oder die Liebe zu den Kindern. Aber Liebe ist auch eine grundsätzliche Einstellung: ein weit offenes Herz, das bereit ist, freundlich und erst einmal prinzipiell offen auf Menschen zuzugehen. Das klingt Vielen vielleicht nach Naivität, aber es geht darum, anderen Menschen alles zuzutrauen, sogar das Gute ;). Also: es muss nicht automatisch so sein, wäre aber grundprinzipiell trotzdem möglich, dass diese anderen Menschen sogar Recht haben, nett sein oder sogar mögliche FreundInnen sein könnten …!
(Denn dass alle außer uns vollkommene Idioten sind, die von nichtseine Ahnung haben, und dass wir sowieso und außerdem alles am besten wissen – das fällt uns erstaunlich leicht.)
Wenn wir diese Art von Liebe üben, werden wir erstaunlich Effekte beobachten: die Menschen werden uns tatsächlich freundlicher erscheinen, wir werden mehr positive Erfahrungen mit den Anderen machen.
Meine Oma hat das genannt: „Wie man in den Wald hineinruft, so kommt es zurück“. Probieren Sie es, es stimmt tatsächlich. Je liebevoller wir mit den Menschen umgehen, desto netter sind sie auch zu uns.
Es ist also hier auch so, wie wir es aus der Zweierbeziehung kennen: lieben ist ein Tun-Wort! Wir sind liebevoll (auch), damit wir selbst liebevoll behandelt werden. Wir machen es also nicht (nur) für die anderen sondern immer (auch) für uns selbst!
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Experiment 10:
freundlich „in den Wald rufen“
 
Sie werden sich schon denken, was Sie in den nächsten Tagen ausprobieren dürfen: seien Sie zu ein paar Menschen, die Ihnen gar nicht besonders nahe stehen oder die Sie überhaupt nicht kennen, freundlicher und liebevoller als sonst. Ein Lächeln hier, ein freundliches Wort dort – und achten Sie darauf, welchen Effekt das hat: auf die anderen, und auch auf Sie selbst.
Aber Achtung: es könnte Nebenwirkungen haben: Sie könnten sich besser fühlen und Sie könnten angelächelt werden.
Ein liebevoller Mensch zu sein kann sich niemals nur auf den engsten Kreis beziehen sondern ist immer eine Einstellung des Herzens!

Sommerreihe 2018: nach Lust und Laune 9: Trauer – Scheiden tut weh.

27. August 2018

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Trauer: Scheiden tut weh!

„Winter ade. Scheiden tut weh. Aber dein Scheiden macht, dass mir das Herze lacht. Winter ade. Scheiden tut weh.“
Das Reizvolle an diesem bekannten Kinderlied ist, dass es den normalen Abschiedsschmerz aufnimmt, in die Luft wirft und dann ins Gegenteil verkehrt: nein, nicht jeder Abschied tut weh!
Dennoch wissen wir, dass es meist eben doch so ist: wir trauern, wenn wir uns von Liebgewonnenem verabschieden müssen. Das können Menschen sein, die von uns gehen durch Tod oder Trennung, Orte, die wir verlassen müssen, Lebensphasen, die vorbei sind, oder auch Freude, Hoffnung oder ein Lebenssinn, wie bei einer Depression.
Wie also gehen wir mit einem Abschied um? Wir alle kennen das Wort „Trauerarbeit“, aber was genau bedeutet das?
Sie sind mittlerweile schon geübt in diesen Dingen, Sie werden ahnen, was kommt: nehmen Sie das, was war, liebevoll in den Blick (ja, ich weiß, das tut ein bisschen weh, aber anders geht es nicht, leider). Bedanken Sie sich für all das Gute, das Sie gemeinsam erlebt haben, und atmen Sie dabei.
Dann betrachten Sie auch das weniger Gute und Unangenehme, das mit der Situation verbunden war, und atmen Sie auch damit eine Weile.
Und dann: lassen Sie los. Schauen Sie zu, wie das, was vorbei war, sich von Ihnen entfernt, lassen Sie es davonschwimmen, -rinnen, -fliegen, … (was Ihrer Phantasie am ehesten entspricht).
Im nächsten Schritt wenden Sie sich nun der neuen Aufgabe zu, die vor Ihnen liegt. Es gibt immer etwas Neues, wenn eine Phase zu Ende geht, und die zu entdecken und gut zu meistern ist jetzt Ihr Auftrag. Denn denken Sie daran: alles, was Ihnen jetzt neu und fremd vorkommt, ist das, wovon Sie sich später auch wieder einmal schweren Herzens verabschieden müssen!
(Noch ein Wort zu Depressionen: das ist eine Krankheit, die nicht so einfach „mal kurz weggeht“ – wenn Sie darunter leiden, bitte holen Sie sich professionelle Hilfe bei Ihrer PsychiaterIn oder PsychotherapeutIn!)
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Experiment 9: Abschied proben
Meine heutige Einladung ist nicht ganz einfach, aber sehr effektiv: finden Sie in Ihrer Wohnung eine Sache, die Sie nicht mehr brauchen, mit der Sie aber Gefühle verbinden, die Sie bisher daran gehindert haben, sie wegzugeben.
Gehen Sie nun die oben genannten Schritte durch: denken Sie an das Gute – atmen Sie. Denken Sie an das Schwierige – atmen Sie. Verabschieden Sie sich von dieser Sache, lassen Sie sie innerlich los.
Dann geben Sie das Ding weg: verschenken Sie es, geben Sie es zur Caritas, werfen Sie es weg.
Nur 1 Sache – Sie schaffen das! Und lernen dabei mehr als wenn Sie nur „entrümpeln“: Sie verabschieden sich davon!

Sommerreihe 2018: nach Lust und Laune 8: B wie Begeisterung

20. August 2018
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B wie Begeisterung

Letzte Woche war ein unangenehmes Gefühl dran, diesmal nehmen wir ein angenehmes: Begeisterung, Freude, Glück. Wie jedes andere starke Gefühl vergeht (leider, in diesem Fall) auch dieses ziemlich bald wieder: oft sind wir von etwas begeistert, aber in den „Mühen der Ebene“ vergeht die Freude an der Sache dann wieder.
Wenn wir uns die Begeisterung für eine Sache oder einen Menschen erhalten wollen, dann müssen wir „den Dino füttern“. Sie wissen inzwischen, wie das geht: am besten mit Sätzen wie „du bist immer so lieb zu mir“ oder „diese Sache ist mir einfach nie zu viel, weil sie mir immer so viel Freude macht“. Weil wir diese Gefühle schätzen, müssen wir sie umsorgen wie wir ein Haustier versorgen würden: regelmäßig füttern, gelegentlich den Mist wegräumen, und wenn es ihm nicht gut geht, mal auch professionelle Hilfe holen, damit es wieder gesund wird. Auf diese Weise bleiben auch die schönen Gefühle wie Begeisterung länger bei uns.
Es wird sich natürlich nicht ganz umgehen lassen, dass die auch die guten Gefühle einmal Pause machen, aber dann gilt auch wieder dasselbe wie für jede unserer Launen: in Verhandlungen treten. Wenn man keine Lust hat, sich für eine Sache einzusetzen, die einem im Grunde Freude macht, dann gilt es, Deals auszumachen: „ich mache das nur für eine Viertelstunde, dann mache ich eine Pause und setze ich mich  danach noch einmal eine Zeitlang hin“ oder „gut, im Moment ist die Begeisterung für diesen Menschen nicht so besonders, weil es etwas mühsam zwischen uns ist, aber ich weiß, dass es sich auszahlt, weil ich den Menschen im Grunde sehr mag, nur jetzt ist gerade eine Durststrecke.“
Wenn wir den Dino lang genug füttern, kommt er wieder zurück. Wenn wir in eine Sache Zeit und Aufwand investieren, wird sich das lohnen. Denn auch die guten Gefühle verschwinden, wenn wir nichts für sie tun, und das ist dann oft schade.
Und nicht notwendig.
Sie wissen, was Sie tun können.
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Experiment 7:
die Begeisterung versorgen
 
Ich lade Sie ein, sich hinzusetzen und zu überlegen, wofür Ihr Herz brennt oder gebrannt hat.
Falls es das noch immer tut: ausgesprochen fein.
Falls es aber eher im Abglühen ist: fachen Sie es noch einmal an! Machen Sie kleine Schritte bei den Dingen, die Sie begeistert haben, setzen Sie kleine Aktionen, die Sie nicht überfordern, aber dennoch die Sache weiterbringen: eine Viertelstunde das Buch schreiben, das Sie immer schon schreiben wollten, ein Spaziergang mit dem Menschen, den Sie so schätzen, eine Freundlichkeit hier, ein Einsatz dort.
Und freuen Sie sich daran, wie Ihr Haustier, das Sie schon fast für verendet gehalten haben, langsam wieder zum Leben erwacht!

Sommerreihe 2018: nach Lust und Laune 7: A wie Angst

13. August 2018

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A wie Angst

 

Wenden wir uns nun im 2. Teil einigen speziellen Launen zu, und beginnen wir bei der Angst. Angst ist sicherlich ein sehr unangenehmes Gefühl, aber es ist auch dasjenige, das uns am Leben und gesund erhält. Stellen Sie sich nur einmal vor, wir hätten keine Angst vor den gefährlichen Dingen – das wäre wirklich lebensgefährlich!
Allerdings übertreibt die Angst auch gelegentlich: nicht alles, wovor man sich fürchtet, ist auch wirklich bedrohlich! Um nun das Gefährliche vom Ungefährlichen zu unterscheiden brauchen wir unsere Vernunft, das kann der Gefühlsteil des Gehirns nicht leisten. Wir dürfen herausfinden, was die Vernunft zu einer Situation sagt (Risikoabschätzung, Gefahrenbeurteilung), das ist wichtig für eine ordentliche und sinnvolle Verhandlung, wie ich Sie Ihnen letzte Woche vorgestellt habe.
Dann machen Sie es so, wie Sie es schon geübt haben: erst einmal atmen und warten (und dabei den Angst-Dino nicht füttern), indem Sie sich sagen: Ich habe gerade jetzt vor dieser speziellen Sache Angst. Atmen und warten Sie, bis das Gefühl der Bedrohung kleiner geworden ist. Und dann gehen Sie in Verhandlungen: „Es fühlt sich gefährlich an, UND meine Vernunft teilt mir mit, dass es durchaus Menschen gibt, die so eine Situation schon unbeschadet überlebt haben.“
Wenn es Ihnen gelingt, ist es immer eine gute Ideen, das mit einer Prise Humor zu spicken, in der Sie den „Dino“ mit einem Augenzwinkern zulächeln. (Wenn ich zB alleine in einem See schwimme, ist mir manchmal unheimlich, wenn die Fische springen, dann beruhige ich mich mit der Tatsache, dass mir wenig Angriffe von Kampf- oder Killerkarpfen in österreichischen Seen bekannt sind.)
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Experiment 7: die Angst beruhigen
Gehen Sie mit Ihren Ängsten freundlich um, die wollen Ihnen nur Ihr Leben oder Ihre Gesundheit sichern, aber erlauben Sie ihnen trotzdem nicht, die „Weltherrschaft zu erlangen“. Die Angst will nämlich gerne JEDES Risiko ausschließen, aber  das kann nicht gelingen, denn Leben ist schon einmal lebensgefährlich. Das Ziel kann nur sein, ein vertretbares Risiko einzugehen und nicht JEDES zu vermeiden.
Alle Menschen sterben erst an ihrem letzten Tag und keinen Tag früher! Das bedeutet: die meisten Tage unseres Lebens beenden wir durchaus lebendig. Nehmen Sie sich also freundlich in den Arm, wenn Sie sich das nächste Mal fürchten und geben Sie der Angst einen Platz, aber nicht mehr, als ihr hier und heute zusteht!

Sommerreihe 2018: nach Lust und Laune 6: Seelen-Diplomatie

6. August 2018
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Seelen-Diplomatie
Wenn wir in den letzten Wochen gehört haben, dass wir keine Chance gegen unsere Gefühle haben, dass wir weder steuern können, wann sie auftreten noch was sie herbeilockt sondern höchstens, wie lange sie bleiben, dann lässt uns das vielleicht etwas ratlos zurück.
Deshalb heute die gute Nachricht: wir können sehr wohl mit unseren Gefühlen verhandeln! Nur eben nicht, wenn sie uns wie eine Welle überschwemmen wollen. Nur die starken, heftigen Emotionen sind Dinosaurier, die anderen sind durchaus zu Verhandlungen bereit.
Dabei muss man aber immer die Grundbegriffe der Diplomatie im Auge behalten: erst einmal beide Seiten verstehen und ihnen Recht geben. Denn die Angst hat dasselbe Recht, in mir aufzutreten wie die Vernunft, die sagt, dass es keineswegs lebensbedrohlich ist, in der Firma einmal Nein zu sagen.
Also: es gibt diese beiden Seiten in mir, die beide Recht haben, und es gibt eine innere BeobachterIn oder VermittlerIn oder RichterIn, die dann alles aushandelt: „Okay, heute schlafen wir aus, dafür stehen wir morgen ganz früh auf und arbeiten die liegengebliebenenen Dinge auf.“ Oder: „Ich versehe prinzipiell, dass ich mir Sorgen mache und erlaube mir das auch, daher kontrolliere ich die Türe noch einmal, aber nach diesem Mal ist es dann Schluss damit und ich glaube mir, dass ich zugesperrt habe.“
Wichtig dabei ist, diesen Verspechen gegeben absolut verlässlich zu sein, damit sich beide Seiten auf diese Deals einlassen und darauf vertrauen können, dass sie ihren Teil auch tatsächlich bekommen. Sonst werden wir vor uns selbst unglaubwürdig, und das wäre schlecht.
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Experiment 6:
Verhandlungsposition
Bitte versuchen Sie diese Woche, solche Verhandlungen mit sich selbst zu führen und sich auch an die Abmachung zu halten, die Sie eingegangen sind. Nehmen Sie beide Seiten ernst und entwerten Sie keine der beiden, sonst kommen Sie nie in eine gute Verhandlungsposition! Viel Spaß bei der inneren Diplomatie, die Sie hier üben!

Sommerreihe 2018: nach Lust und Laune 5: der Kampf der Giganten

30. Juli 2018
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Kampf der Giganten: Gefühle vs. Vernunft
Wir haben Gefühle, die uns über weite Strecken steuern, und wir haben einen Verstand, auf den wir uns gerne verlassen. Wie verhalten sich diese beiden Teile des Gehirns zueinander? Ich habe schon darüber gesprochen, dass Gefühle Dinosaurier sind, weil sie so ein alter Teil unseres Gehirns sind, und dass wir nicht beeinflussen können, wann sie auftreten, wohl aber, dass sie bald wieder verschwinden (atmen und warten).
Heute möchte ich auf das Verhältnis von Vernunft und Emotionen zu sprechen kommen, und dazu noch einmal einen Ausflug nach Jurassic Park machen: dort haben wir gelernt: wenn der Mensch, mit all seiner Vernunft, versucht, den Dino verbal zu beherrschen („sitz, Dino, böser Dino, geh Platz!“), scheint das nicht so gut zu gelingen. Bei einem Kampf gegeneinander gewinnen doch meist die Dinos.
So auch in unserem Hirn: alle Versuche, mit dem Verstand die Gefühle zu kontrollieren, sind ziemlich hoffnungslos: im Zweifelsfall gewinnt immer das Gefühl. Beispiele? „Brauchst ja keine Angst zu haben“, „Jetzt hör endlich auf, traurig zu sein, es ist doch lächerlich“ funktioniert genauso wenig wie „Ich hoffe und freu mich lieber nicht zu früh“ oder „da gibt es nichts zu lachen!“
Beide Teile versuchen meist, den ganzen Platz einzunehmen („ich hab Recht“ – „nein, ich hab aber wirklich Recht“ – „ich bin klüger“ – „aber ich bin älter“ – „du bist blöd“ – „nein, du bist selber blöd“). Regeln Sie das, indem Sie beiden Teilen  Recht geben, aber beiden nicht erlauben, alles zu dominieren. Es geht also darum, diese beiden nebeneinander stehen zu lassen, und beiden ihren Platz zuzugestehen. „Es fühlt sich jetzt gefährlich an, UND ich weiß, es ist nicht so bedrohlich, wie es sich anfühlt.“ Oder: „Ich hoffe, dass etwas eintrifft, UND ich bin mir bewusst, dass es auch anders kommen kann“.
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Dino und Mensch
 
Bitte achten Sie diese Woche darauf, wie oft Sie (oder andere) versuchen, als Mensch gegen „Dinos“ zu kämpfen: wie oft wir versuchen, mittels unseres Verstandes gegen die Launen zu argumentieren. Hören Sie zu, wie diese Formulierungen und Argumente klingen und denken Sie sich andere aus, die zu einem friedlichen Nebeneinanderleben der beiden Gehirnareale führen können. Experimentieren Sie damit, wie es sich anfühlt, wenn sie ihren Gefühlen den Platz zugestehen, den sie einnehmen wollen, ohne ihnen dabei komplett Recht zu geben. Und wie es dem Verstand geht, wenn er seinen Platz verteidigt bekommt, aber auch nicht auf ganzer Front gewinnt.

Sommerreihe 2018: nach Lust und Laune 4: Gefühle sind nicht steuerbar

23. Juli 2018

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Ich nehme an, Sie haben es probiert: atmen und warten. Und ich hoffe, Sie haben herausgefunden, dass es tatsächlich nicht lange dauert, bis eine starke Emotion abklingt. Sie haben erfahren, dass es unsere Entscheidung ist, wie lange uns etwas beschäftigt.
Was wir aber (leider) gar nicht beeinflussen können, ist WAS uns bewegt: WAS uns interessiert, WAS uns ärgert, WAS uns belustigt, WAS uns kränkt oder ängstigt. Selbst wenn wir wollen: das gelingt uns nicht. (Beispiel: wir können uns, so sehr wir uns bemühen, nicht in eine Person verlieben, die noch so nett ist.)
Wir sind da vollkommen machtlos, und andererseits das ist auch eines der Dinge, die wir aneinander interessant finden: das jemand anderer so ganz anders reagiert als wir selbst: dass DU Dinge lustig findest, die MICH langweilen, dass ICH mich für Sachen interessiere und sie mir ganz leicht merke, über die DU noch nicht einmal nachgedacht hast. So können wir voneinander lernen und neue Erfahrungen machen.
Emotionen sind das, was uns unterscheidet. Sie sind das Ergebnis unserer Erfahrungen, bewusster oder unbewusster, und sie sind NICHT steuerbar. (Was in einer Zeit, in der wir alles steuern wollen, eine echter Herausforderung ist!) Es gibt zwar schon Dinge, die viele Menschen gefallen (Videos von Babykatzen), aber das Meiste ist von der eigenen Geschichte abhängig.

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Experiment 4:
WAS bewegt mich?
 
Wenn Sie wollen, achten Sie diese Woche darauf, was Sie bewegt:
– Bei welchen Bildern reagieren Sie mit welchen Gefühlen?
– Welche Aussagen rufen welche Assoziationen in Ihnen hervor?
– Was macht Ihnen Freude?
– Was ärgert Sie?
– Was macht Ihnen Angst?
– Worüber lachen Sie?
Und achten Sie auch auf die Unterschiede, Menschen können manchmal ganz andere Gefühle haben als Sie selbst.
Werten Sie nicht, weder die eigenen Gefühle noch die der anderen – erinnern Sie sich: wir können nicht aussuchen, was uns bewegt!