Weihnachten: einfach.richtig.schön. / 3. Dezember

3. Dezember 2019

3. Dezember: einfach zulassen.

Ich höre immer wieder von Menschen, dass sie Weihnachten nicht mögen: den Rummel dabei, die Dauerberieselung mit sanfter Musik, die ständigen Wünsche, der Kaufs- und Geschenksrausch. Das ist alles gut verständlich, das kann auch wirklich ziemlich nervig sein, und das kann bewirken, dass man versucht, allem, was mit Weihnachten in irgendeiner Form zu tun hat, aus dem Weg zu gehen. Wie gut das gelingt, ist fraglich.

Man kann es auch anders machen: man kann sich einfach hineinlassen, es mit innerlichem Einverständnis zulassen. Wie die Hitze des Sommers oder den Dauernebel im November: es sind einfach Dinge, die zu einer Jahreszeit gehören (dass wir diese Dinge natürlich selbst gemacht haben im Unterschied zum Wetter, ist eine andere Geschichte, aber da sie sich unserer konkreten Handlungsfähigkeit entziehen, können wir sie gleich betrachten). Das bedeutet nicht, dass man es mögen muss, es geht mehr darum, sich dadurch nicht in der Ruhe stören zu lassen.

Gelassenheit bedeutet nicht, dass es einem nichts mehr ausmacht, sondern dass man nicht auf die Dinge reagiert, die einen stören oder beunruhigen. Man kann sie an sich abgleiten lassen wie den Regen, man kann sie als etwas behandeln, das für einen nicht so wichtig ist, dass man sich damit lange beschäftigen muss.

Weil es aber doch auch Menschen gibt (und das sind nicht wenige!), die das alles schön finden, die sich darin so richtig wohl fühlen, kann man diese Zeit mit ihren Eigenheiten diesen Menschen gönnen. Damit tut man nicht vor allem den anderen einen Gefallen, sondern sich selbst: man hat viel Möglichkeiten, Gelassenheit zu üben, und auch Großzügigkeit: es ist unser Geschenk an die, die das mögen.

Wenn man das schafft, dann kann man sogar in eine Art von großzügiger Weihnachtsstimmung kommen, und dann etwas erleben, was schön und bereichernd ist: einfach. richtig. schön.

Weihnachten: einfach. richtig. schön. / 2. Dezember

2. Dezember 2019

2. Dezember: richtig vorbereitet.

Wenn wir auf die heurige Weihnachtszeit schauen, dann haben wir – vermutlich entsprechend unserer Vergangenheit – sehr unterschiedliche Erwartungen und Gefühle. Das ist deshalb so wichtig, weil wir leicht annehmen, dass alle anderen Menschen auch so fühlen wie wir. Aber das ist nicht so, Menschen sind – auch hier wieder – verschieden.

Aber wie verschieden wir auch sind – wir alle werden diese Vor-Weihnachtszeit erleben (hoffentlich!). Wir werden durch diese Tage des Dezembers gehen, einen nach dem anderen, um irgendwann wird der 24. Dezember da sein, und darauf wollen wir vorbereitet sein. Wir wollen wissen, wie, mit wem und wie lange wir das Fest feiern werden, wir wollen (vielleicht) Geschenke vorbereitet haben und wir wollen uns darauf einstellen, was uns heuer erwartet. Für die von uns, die religiös sind, kommt auch noch diese Komponente dazu – was immer die Vorbereitung in diesem Fall auch bedeutet.

Wie auch immer unsere Erwartung aussieht – wir sollten unsere Vorbereitung darauf ausrichten. Je klarer uns ist, was wir uns wünschen, desto klarer können wir das auch kommunizieren, weil ja, wie gesagt, alle Menschen mit unterschiedlichen Erwartung auf das Fest zugehen. Und je besser wir mitteilen, was unsere Vorstellung ist, desto größer ist die Wahrscheinlichkeit, dass wir Weihnachten heuer so erleben können, wie Ich es Ihnen wünsche: einfach. richtig. schön.

Weihnachten: einfach.richtig.schön, 1. Dezember.

1. Dezember 2019
  1. Dezember: Weihnachten letztes Jahr.

Ein Jahr ist es schon wieder her, dass wir das letzte Mal Weihnachten vorbereitet und gefeiert haben! Das ist gleichzeitig lang und kurz. Viel ist inzwischen geschehen, im persönlichen Leben, in Österreich, in der Welt.

Nehmen wir uns heute, bevor wir in den kommenden Advent starten, die Zeit, auf Weihnachten des letzten Jahres eine kleine Rückschau zu halten: wie war Weihnachten 2018? Haben Sie die Vorbereitung dazu genossen? Haben Sie das Fest schön feiern können? Waren Sie mit den Geschenken zufrieden (denen, die Sie gemacht haben und die Sie bekommen haben)? War es gut, das Fest im Jahr 2018, und auch die Zeit vorher und nachher?

Oder war es so, wie diese beiden Fotos von den Büchern zeigen: erst voller Vorfreude, Hoffnung und Erwartung, und danach eher platt, erschöpft, ernüchtert? Oder gibt es überhaupt keine Vorfreude, ist Ihnen schon von vornherein alles zu viel, zu groß, zu übertrieben?

Wie auch immer: was bedeuten die Erfahrungen vom letzten Jahr (und den Jahren davor) für das heurige Jahr? Was lernen Sie daraus, was nehmen Sie an Erkenntnissen mit? Damit Weihnachten einfach, richtig und schön wird, ist es wichtig, sich mit den Erfahrungen der Vergangenheit zu beschäftigen und daraus zu lernen. Wenn wir nichts anders machen, ist die Wahrscheinlichkeit, dass wir etwas Anderes erleben, sehr niedrig.

Wenn du etwas erleben willst, was du noch nie erlebt hast, dann musst du etwas tun, das du noch nie getan hast.

Daher heute: ein Rückblick, aus dem wir lernen, wie wir die Weihnachtszeit heuer gestalten wollen: ähnlich, weil es gut war oder anders, weil es Verbesserungspotential hat. Dann wird Weihnachten 2019 mehr so, wie Sie es sich vorstellen, wünschen und verdienen! Alles Gute dabei!

Beziehung-ABC: Z wie Zukunft

30. November 2019

Z wie Zukunft.

Oft wissen wir nicht, wie es weitergehen soll, in der Beziehung, im eigenen Leben oder der Welt. Das kann Angst machen, oder neugierig. Ich finde ja den Zugang der Neugierde besser (und hilfreicher, weil Angst macht uns handlungsunfähig). Wenn wir an die Zukunft denken, sind da meist irgendwelche Vorstellungen, wie es sein könnte, und diese Vorstellungen kommen aber daher, weil wir aus dem Bisherigen auf das Kommende schließen: wenn es bisher so war, dann wird es in Zukunft auch so sein, nur noch … (je nach Veranlagung: besser, schöner, schlimmer, größer, teurer, …)

Wir versuchen, in die Zukunft zu schauen, aber wirklich möglich ist es nicht. Wir können bestenfalls ahnen, was auf uns zukommen wird. Aber was sicher ist: die Erwartung, die ich an sie habe, bestimmt auf jeden Fall meine Wahrnehmung davon. Wenn ich erwarte, dass unsere Beziehung im Laufe der Zeit immer schöner, inniger, vertrauter und daher besser wird, dann werde ich auch alle Zeichen, die in diese Richtung deuten, bewusst und erfreut wahrnehmen. Das gilt leider umgekehrt auch.

Daher: erwarten Sie das Beste, erwarten Sie in der gemeinsamen Zukunft Freude, Liebe und Verständnis, dann ist die Wahrscheinlichkeit, dass Sie das auch erleben, deutlich höher!

Ich verabschiede mich nun von dieser Teil meines Blogs, das Beziehungs-ABC wird es in Zukunft auch in Form einer kleinen Broschüre geben, die Sie bei mir bestellen können (vielleicht auch ein gutes Geschenk an Ihre PartnerIn oder FreundInnen?). Weiter geht es mit dem Adventskalender von 2019: Weihnachten: einfach.richtig.schön. Willkommen dazu!

Beziehungs-ABC: XY wie „Diese Sache mit den Chromosomen“

27. Mai 2019

XY oder „Diese Sache mit den Chromosomen“

Was ist typisch für wen? Wie verhält sich eine Frau / ein Mann? Wir sind viel zu schnell dabei, ein Verhalten oder ein Aussehen einem Geschlecht zuzuordnen, und es ist umgekehrt oft schwer, es nicht zu tun. Aber es wird nie jemandem gerecht.

Auf der einen Seite nicht, weil es weder ein typisch weibliches, noch ein typisch männliches Verhalten gibt (alle LGTBQ fallen sowieso da nicht automatisch hinein), und auf der anderen Seite nicht, weil jeder Mensch einzigartig ist: eine wunderbare Mischung verschiedener Eigenschaften.

Denn es gibt Menschen, die sind zärtlich, liebevoll, emotional, fürsorglich, empathisch und warmherzig. Es gibt Menschen, die sind effizienzorientiert, strukturiert, rational, durchorganisiert, zielstrebig. Es gibt Menschen, die sind musikalisch, spirituell, kreativ und Menschen, die sind knallhart, kühl und logisch. Es gibt Menschen, die sind gut und solche, die das nicht sind. Es gibt hinterlistige Menschen und solche, die offen sind wie ein Buch. Es gibt Menschen, die grausam sind und gewalttätig, und solche, die sich mit allen Mitteln für Frieden und Verständigung einsetzen.

Und all das hängt weder vom Geschlecht ab, noch von den Genen oder sonstigen von der Natur vorgegebenen „selbstverständlichen“ Dingen. Die Grenze zwischen all diesen Eigenschaften geht also weder durch die Geschlechter noch die sexuelle Orientierung, denn sie geht gar nicht zwischen den Menschen hindurch. Die Grenze verläuft innerhalb der einzelnen Menschen, durch die Herzen und Köpfe der Einzelnen.

JedeR von uns kann alles sein, und ist es auch immer wieder. Klar, wir haben Eigenschaften, die wir öfter anwenden und andere, die wir nicht so oft benutzen. Manchmal sind wir richtig gut, da sind wir stolz auf uns selbst. Und manchmal sind wir gemein und böse, auch wenn wir das nicht so gerne an uns haben.

Es ist schön, dass es diese große Vielfalt gibt, die uns alle einzigartig macht. Niemand hat das Recht, sich mit anderen Menschen zu vergleichen, weil wir immer nur einen kleinen Teilaspekt mit anderen gemeinsam haben. Auf diesem kleinen Teilaspekt kann man sich vergleichen, aber dann bleiben noch die vielen, unendlich vielen anderen, die wir gar nicht mit diesem einen Menschen teilen. Es gibt also Eigenschaften, die wir haben, die andere Menschen auch haben, aber niemals alle. Das ist das Wunder der Vielzahl!

„Es gibt dich, es gibt mich. Und dass ich eine Frau bin, bedeutet nicht, dass du irgendetwas über mich weißt, über meinen Charakter, meine Fähigkeiten, meine Vorlieben, meine Eigenarten. Du musst mich kennenlernen, damit du weißt, welche spezielle Mischung aus all den möglichen Eigenschaften der Menschen die meinen sind!“ Das ist die Einladung und das große Abenteuer von Beziehungen!

Beziehung-ABC: W wie Wir schaffen das!

13. Mai 2019

W wie Wir schaffen das!

Eine wichtige Eigenschaft in der Beziehung ist Optimismus. Wer sich immer nur Sorgen macht, wer ständig das Schlechteste erwartet, wird auch viel eher genau das Schlechte erreichen. Denn es gibt tatsächlich diese selbsterfüllenden Prophezeiungen.

Positiv zu sein bedeutet nicht, alle Probleme unter den Teppich zu kehren (das wäre Verdrängung) oder alles schön zu reden (das wäre unwahr). Positiv zu sein bedeutet, dass es einen großen Unterschied macht, ob man sich mit den Problemen, die sich im Laufe der Zeit stellen, im Modus des Vertrauens nähert oder im Misstrauen, ob man daran glaubt, dass es einen Weg aus der Krise gibt oder ob man sehr oft das Ganze einfach hinschmeissen will (oder damit droht).

Vertrauen stärkt die Hoffnung, dass unser gemeinsames Projekt gut ausgehen wird, dass wir immer wieder einen Weg finden werden, weil es einfach gut ist, mitsammen unterwegs zu sein. Das Gefühl der Liebe muss nicht die ganze Zeit da sein, das wäre zu viel verlangt. Aber Liebe ist mehr als ein Gefühl: es ist eine Entscheidung, miteinander wohlwollend zu sein. Diese Entscheidung entsteht aus dem Gefühl, und wenn das Gefühl dann eine Zeitlang nicht leicht zu finden ist, trägt die Entscheidung dennoch durch diese Krise.

Dabei ist eines wichtig: Genauso wenig, wie mich an einem kalten Wintertag die Erinnerung daran, dass es im Sommer wieder warm sein wird, auch nur um ein Grad wärmt, und mir immer noch genauso kalt ist wie vorher, fühlt sich die Erinnerung an das gerade nicht vorhandene Liebesgefühl wohlig oder liebevoll an. Nein, es fühlt sich genauso kalt oder leer an – aber der Unterschied ist im Kopf (nicht im Herz): die Hoffnung darauf, dass es eines Tages wieder warm sein wird, lässt mich die Kälte des Winters ein Stück leichter ertragen. Der Unterschied ist nicht fühlbar (wir können immer nur im Augenblick fühlen), der Unterschied ist in der Erkenntnis!

Und so kann auch die Hoffnung darauf, dass es eines Tages wieder leichter zwischen uns wird, dabei helfen, die Krisenzeiten positiv zu bewältigen. Aber erwarten Sie sich nicht, dass es dadurch weniger anstrengend wird – es wird nur vorstellbarer! Der Weg zueinander ist niemals leicht, aber immer lohnend, denn schließlich haben wir ja irgendwann beschlossen, dass es besser ist, gemeinsam zu sein als ohne einander, und dafür hatten wir einen guten Grund: wir lieben einander. Wenn aus uns Lieb-Haber*innen eines Tages dann Recht-Haber*innen, oder sogar Macht-Haber*innen geworden sind, dann haben wir nicht nur die Liebe zueinander, sondern meist auch ein Stück von selbst verloren.

Wir schaffen das!

Beziehungs-ABC: V wie Vergangenes begleitet uns

29. April 2019

V wie Vergangenes begleitet uns

Wir haben eine lange Geschichte: jedeR für sich, und auch gemeinsam. Diese Geschichten sind unsere ständigen Begleiter. Im letzten Eintrag haben wir über das Unbesprochene und Unbestrittene nachgedacht, das unsere Beziehung belastet. Daher wenden wir uns heute den Dingen zu, die wir im Rucksack mit uns herumtragen, die wir jede aus den eigenen Erfahrungen mitgebracht haben.

Wenn eine von uns etwas tut, was der/dem Anderen aus einer früheren Beziehung schmerzlich bekannt ist, dann möchten wir gerne, dass der/die Andere damit aufhört, weil es uns weh tut. Das ist ein verständlicher Wunsch, und oft kann dem auch nachgekommen werden. Aber das ist ein Geschenk unseres Partners, dass er uns machen kann. Oder auch nicht. Weil was uns beängstigt oder ärgert, ist unsere Geschichte und nicht die Verletzung, die uns die Partnerin zumutet.

Denn wenn jemand etwas macht, ohne mir weh tun zu wollen, und die Sache auch an sich nicht verletzend ist, dann ist es meine persönliche Angst / Narbe, die mir da weh tut, und nicht der Fehler meines Partners. Und wenn ich etwas mache, was meinen Partner ärgert, weil das seine frühere Partnerin auch getan hat, die Handlung aber selbst nicht für jeden ärgerlich wäre, dann ist das sein Problem. Wenn wir freundlicherweise damit aufhören, weil wir nett sind, dann ist das ein Geschenk, und kein Recht, das wir einfordern könnten.

Sehr häufig bedeutet „du verletzt mich“ im Grunde „du erinnerst mich an alte Verletzungen“, und dann kommt es zur Angst, dass diese Verletzung sich wiederholen könnte. Wenn also zB meine Partnerin gelegentlich zu spät kommt, und ich das in einer früheren Partnerschaft als ausgesprochen respektlos erlebt habe, dann muss ich mir gut überlegen, ob das hier wieder der Fall ist. Oder ob nicht viel mehr meine Angst, dass ich unter derselben Respektlosigkeit wieder leiden könnte, das ist, was mich am meisten beschäftigt.

Dann darf ich mir die Behandlung meiner Wunden ermöglichen, dann darf ich mich selbst versorgen oder mir Hilfe holen, dann darf ich mich trösten und in den Arm nehmen lassen, auch von meinem Partner – solange mir und ihm klar ist, dass es gerade mein Problem ist, das ich versorge und nicht er sich ändern muss, nur damit ich mich nicht an meine Verletzungen erinnern muss. Ich kümmere mich um meine Narben und Ängste, und er sich um seine. Mit denen wiederum muss ich mich nicht beschäftigen, ich kann aber mit ihm darüber reden, kann klären, was ich mir denke, warum ich etwas mache – und vor allem: dass ich ihn liebe, auch wenn ich das weiterhin mache. Denn es ist nicht mein Problem, wenn er Angst hat. Aber alleine lassen werde ich ihn auch nicht in seiner Angst – also reden wir drüber, tröste ich ihn, halte ihn und sage ihm, dass ich ihn liebe. Und traue ihm zu, mit seinen Problemen fertig zu werden, so wie auch ich das von mir verlange. So ist allen geholfen, und wir erlauben einander sehr viel mehr.

Dann können wir einander gut so sein lassen, wie wir sind, und können gemeinsam darüber reden, wie wir mit unseren Unterschieden und Spannungen umgehen können. Wenn jedeR für sich selbst verantwortlich ist, bleibt viel mehr Kraft für das Gemeinsame, dass zu tun ist. Wenn wir nicht unsere Energie für gegenseitige Vorwürfe verschwenden, können wir uns dem zuwenden, was wir miteinander zu bewältigen haben. Dann können wir Hand in Hand unseren Weg gemeinsam gehen. Statt einander zu bekämpfen sind wir dann in der Lage, gemeinsam alle Widrigkeiten des Lebens zu meistern.

Beziehungs-ABC: U wie Unbesprochenes und Unbestrittenes

8. April 2019

U wie Unbesprochenes und Unbestrittenes

Wie verführerisch ist es doch, einfach „um des lieben Frieden willens“ nichts zu sagen, sich seinen Teil zu denken, nicht „unnötig einen Streit vom Zaun zu brechen“, die Dinge lieber unter den Teppich zu kehren, in der Hoffnung, dass sie von alleine verschwinden werden.

Damit wir uns richtig verstehen: ich bin durchaus auch der Meinung, dass nicht jeder Gedanke ausgesprochen sein muss, dass es manchmal klug ist, für den Moment nichts zu sagen, in der Erwartung, dass die Emotion, die man gerade hat, wieder vorbeigehen wird – denn das geschieht sehr oft, und dann ist es auch gut so.


Aber es gibt auch viele Themen, die angesprochen werden müssen, damit sie nicht als unausgesprochene Belastung zwischen uns hängen bleiben. Damit sie nicht bei nächster Gelegenheit als Waffe verwendet werden („immer bist du so, erst letztens hast du …!“) oder als Verletzung auf der Seele liegen bleiben. Diese Gespräche sind niemals einfach, und sie nicht zu einem Streit werden zu lassen, ist eine hohe Kunst. Aber selbst, wenn uns das nicht gelingt, und wir doch streiten – besser so, als sie liegen uns auf der Seele (und im Magen). Was nicht ausgesprochen wurde (und noch immer weh tut), ist wie eine Tretmine in der Beziehung. Und wenn man viele dieser gefährlichen Themen hat, dann erlahmt das Gespräch irgendwann, weil es dann das reinste Minenfeld wäre – und wer macht das schon freiwillig?

Wie kann das gelingen? Wir haben in der ganzen ABC-Reihe schon immer wieder die Grundzüge eines guten Gespräches aufgezeigt: es geht darum, die andere Person nicht dafür zu beschuldigen, dass sie so ist, wie sie ist, sondern gemeinsam einen Weg zu finden, mit den Unterschieden zwischen uns beiden umzugehen. Es wäre immer einfacher, wenn sich der/die Andere ändert – schon wäre ich mein Problem los. Aber das würde ja umgekehrt auch bedeuten, dass ich mich entsprechend der Wünsche meiner PartnerIn verändern müsste – und das geht doch gar nicht, oder?

Also: „Du darfst sein, wie du bist, und ich darf sein, wie ich bin.“ Wie finden wir einen Weg, mit den Unterschieden umzugehen? Wenn mich etwas an meinem Mann stört, dann habe ich ein Problem, und nicht er. Denn bloß weil es nicht so geht, wie ich mir das vorgestellt habe, ist das noch lange kein Grund, dass mein Partner sich ändern muss. Ich kann doch genauso gut meine Vorstellung ändern. Aber es muss wechselseitig sein: ich will auch gerne, dass er sich seine Probleme behält und nicht mir umhängt…

Und wenn wir diesen – meist unangenehmen – Gesprächen nicht aus dem Weg gehen, sondern uns mutig einander zumuten, wenn wir jedeR für sich versuchen, unsere Probleme zu lösen und einen guten Weg miteinander zu finden, dann wird das Unbesprochene /Unbestrittene sich auflösen und weder beim nächsten Streit als Waffe eingesetzt werden, noch länger auf unserer Seele als Verwundung liegen. Sie sehen also: es zahlt sich aus, sich diese Mühe zu machen. Am Schluss, wenn es uns gelungen ist, werden wir zu einer tieferen Intimität und eine größeren Vertrautheit, zu einer schöneren Liebe finden.

Beziehungs-ABC macht Pause.

25. März 2019

Ich war am Wochenende auf einer Hypnosetagung, und hatte daher keine Zeit, einen Beitrag vorzubereiten. Dafür bin ich mit vielen Anregungen zurückgekommen, wieder mehr Hypnotherapie in meine Arbeit einzubauen. Wer mich kennt, weiß, dass ich das sowieso sehr oft mache (wenn auch nicht die „große Trance“, sondern eher die „kleine Trance zwischendurch“).

Und einen kleinen Witz habe ich auch mitgebracht, der leider sehr wahr ist: „Herr Minister, Sie sind sehr überzeugend, alle denkenden Menschen werden Sie wählen!“ – „Oje, das ist mir nicht genug. Ich will eine Mehrheit.“

Beziehungs-ABC: T wie Trennungen sind nie einfach.

18. März 2019

T wie Trennungen sind nie einfach.

Es gibt sehr, sehr wenige Paare, die sich eine Trennung leicht machen – entgegen der allgemeinen Ansicht, dass sich heute Menschen „einfach so“ verbinden oder dann auch wieder trennen. Trennungen sind meist schmerzhafte Prozesse, die mit vielen Überlegungen, Tränen, oder auch Wut einhergehen können.

Meistens ist es ja so, dass die Trennung nicht gleichzeitig von beiden Seiten gewünscht wird, sondern dass eine Seite beschließt, einen Schlussstrich zu setzen, und die andere Seite wusste entweder noch gar nichts davon, oder ist jedenfalls selbst noch nicht so weit. Diese Spannung ist für beide Seiten schwierig auszuhalten.


Auf einmal ist man wieder alleine, auf einmal ist alles anders, auf einmal steht man vor der Türe. (Dass meist die andere Seite sagt, es hätte sich doch schon längst angekündigt, ändert nichts daran, dass man sich so fühlt, als wäre es „out of the blue“ gekommen!) Für die Alleine-Gelassenen fühlt es sich an, als ob sie aus einer Welt gefallen wären, die vorher noch sicher und planbar war – und jetzt ist auf einmal alles ganz anders. Man ist nicht nur mit der eigenen Wut oder Fassungslosigkeit konfrontiert, man muss sich auch völlig umstellen: von der Tatsache, dass man sich (wieder) alleine um alles kümmern muss bis hin zum leeren Bett, das so kalt und groß erscheint ohne die/den PartnerIn.

Aber auch für die Seite, von der die Trennung ausgeht, ist nicht der/die GewinnerIn. Es fühlt sich nicht gut an, jemanden zu verlassen, es gibt keine „elegante“ Art, das zu tun, man will dem/der Anderen nicht weh tun, schließlich war man ja lange Zeit zusammen und hat einander auch einmal wirklich geliebt. Diesem Menschen weh zu tun ist niemandem egal. Wir suchen nach einer guten Trennung, aber die gibt es nur sehr selten. Denn der Teil, der geht, ist in seinen Gedanken, Plänen und oft auch Taten dem anderen Teil einfach ein paar Wochen oder Monate voraus. Man selbst hat lange darüber nachgedacht, mit FreundInnen gesprochen, eine Zukunft geplant – und der andere nicht. Der andere Teil ist gekränkt, überrascht, oft auch (begründet oder nicht) eifersüchtig – und man selbst kommt sich bei all dem wie einE VerräterIn vor.

Dazu kommt noch die finanzielle und rechtliche Situation, die geklärt werden muss: wer wohnt wo, wer zahlt was, wer kümmert sich um welche Angelegenheiten, wem gehören welche Möbel, etc? Oft hat man das Gefühl, vollkommen überfordert zu sein. In diesen Fällen kann es gut sein, sich jede Menge Hilfe zu holen, von FreundInnen, Familie, bis hin zur Rechtsberatung und Psychotherapie. Bleiben Sie nicht alleine in so einer Situation – es ist so schon schwer genug!

Bitte versuchen Sie beide, die Kinder so weit als möglich draußen zu lassen: das geht die nichts an! Aber so viel sei darüber gesagt: nicht alle Kinder haben lieber, dass die Eltern beisammen bleiben! Ich habe schon so oft gehört: „Ich hätte mir gewünscht, dass sich meine Eltern getrennt hätten!“ Kinder wollen vor allem anderen, dass sie in Ruhe aufwachsen können, und das geht nur, wenn es beiden Eltern gut geht. Wenn das gemeinsam ist – gut. Wenn das aber nicht mehr geht, dann ist es für die Kinder besser, wenn sich die Eltern trennen. Denn dauernder Streit oder auch latente Spannungen sind für Kindern schlimmer als eine klare Trennung.

Trennungen sind nie einfach. Das ist leider so – oder zum Glück, sonst würden wir es leichtfertig machen. Versuchen Sie, die Wut, die Enttäuschung, den Schmerz in sich leben zu lassen (und dabei auf der legalen Seite zu bleiben!), finden Sie eine Form, mit diesen Gefühlen klar zu kommen und lassen Sie sich Zeit. Irgendwann wird der Schmerz / die Enttäuschung / die Wut kleiner und verschwindet wieder, dann sind Sie wieder bereit, sich neu auf jemanden einzulassen, auch wenn Ihnen das jetzt gerade sehr unwahrscheinlich vorkommt. Das Leben geht immer weiter, und neues Glück ist immer möglich!