Lustvoll: mit allen Sinnen genießen. Sommerreihe Teil 3: Augen-Blicke.

26. Juni 2017

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Augenscheinlich.

Es gibt so viel zu sehen: Schönes, Interessantes, Spannendes, Lustvolles, Komisches, Hässliches, Erstaunliches, Beklemmendes, Erfreuliches, … Vieles ist „schön für das Auge“, welches auch bei einer Mahlzeit mitisst, wir erfreuen uns an angenehmen Formen und Mustern. Das ist schon was für´s Auge!

Augen machen.

Was machen wir öfter: Fern-sehen oder weit-blicken? Suchen wir den Weitblick, wenn wir fern sehen? Was möchten wir gerne sehen, und was wollen wir dabei erkennen? Wie genau schauen wir? Wo schauen wir hin? Was sehen wir, wenn wir schauen? Für wen oder was haben wir Augen? Warum? Und umgekehrt: wie gut ist es, sich sichtbar zu machen, sich herzeigen zu können, oder auch sich zu verhüllen, wenn das notwendig ist?

Ins Auge fallen.

TränenWenn uns etwas zu viel wird, geht das Herz und gleichzeitig die Augen über: „Du hast ja Tränen in den Augen…!“ Tränen sind Zeichen von Emotionen: Freude oder Trauer, Hilflosigkeit, Überraschung, Erfolg, Ergriffenheit. Manche Menschen sind „nahe am Wasser gebaut“: sie weinen leichter, das ist aber kein Zeichen von größerer Berührbarkeit oder kleinerer Belastbarkeit, sondern eher von Gewohnheit oder Natur.

Augen auf.

Im Straßenverkehr. In der Natur. In der Kunst. Für die Schönheiten der Landschaft. Augen auf für die Situation der anderen: ihre Sichtweise, ihre Freuden, ihr Leid. Menschen wollen gesehen werden, wahrgenommen in ihrer ganz speziellen Situation: in ihrer Not, in ihrer Freude, ihrem Mut, ihrer Verzweiflung, ihrer Heldenhaftigkeit, ihrer Schönheit. Augen auf auch für einander: in die Augen schauen, einander wirklich sehen, wahr-nehmen, neugierig aufeinander sein. 

Augen zu.

person-864804_1280Wenn wir die Augen zu machen, schließt sich die äußere Welt für uns und die innere tut sich (leichter) auf. Das tun wir, um zu uns zu kommen, um einzuschlafen, um besser nachdenken zu können. Um nach innen zu gehen, um Innerlichkeit empfinden zu können, um die Stille besser wahrzunehmen, um zu lauschen, um intensiver zu spüren. Die meisten Menschen schließen die Augen, wenn sie küssen: manchmal sehen wir besser, wenn wir die Augen schließen. „Man sieht nur mit dem Herzen gut“, sagt der Kleine Prinz von Saint-Exupery.

Mit anderen Augen 

lade ich Sie ein, in dieser Woche umhergehen: schauen Sie, sehen Sie zu, achten Sie auf die Details, bewundern Sie Schönheit, wo immer Sie sie sehen. Haben Sie auch Augen für einander, schauen Sie jemandem tief in die Augen, mehr als nur einen Augenblick lang, versuchen Sie, zu erkennen, was man mit den Augen nicht sehen kann.

Lustvoll: mit allen Sinnen genießen. Sommerreihe Teil 2: Haut-Sache.

19. Juni 2017

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Nun, ich hoffe, Sie haben sich – vielleicht einmal nur vorsichtig und probeweise, die Erlaubnis gegeben, sich mit der Lust zu beschäftigen ohne rot zu werden. Rot werden ist eine Sache, die geschieht, wenn die Haut auf eine Emotion reagiert. Damit sind wir auch gleich bei unserem ersten Thema:

 

Genießen geht über die Haut. Genießen geht unter die Haut.

Unsere Haut ist ein riesiges Organ, mit dem wir unendlich viel wahrnehmen können: Wärme und Kälte, Berührungen, Wind, Wasser, Gewand, Nähe. Dabei ist die Haut unheimlich empfindlich: schon die leiseste Berührung bemerken wird, kleine Veränderungen werden unserem Gehirn sofort gemeldet.

Haut-Aufgaben.

Sie hat viele Aufgaben, unsere Haut: von der Selbstreparatur kleinerer Wunden, der Regulation der Wärme, dem Schutz vor Fremdeinwirkung, dem Verströmen von Duft, der Einlagerung von Depot für schlechte Zeiten – oft nicht unserer Lieblingsfunktion der Haut 😉 -bis zum Tastsinn und dem Farbton. Sie ist reißfest, stossfest, wasserfest, extrem merkfähig und versorgt sich und die Umgebung mit Tausenden von Blutgefäßen. Und sie meldet durch Schmerz, wenn Gefahr droht.

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Unsere Schönheit ist ebenfalls Hautsache: was von uns zu sehen ist, ist die Haut. Wir können diese Haut verschönern, sie schminken, färben, tönen. Die Lippen bemalen, die Haare, die auch zur Haut gehören, zu einer Frisur gestalten, eine gesunde Bräune entwickeln, ein Stück der Haut zeigen, den Rest durch Gewand verbergen, das ist oft  schon Erotik.

Hautnah.

Wenn sich mir jemand nähert, kann er mir sehr nahe kommen, bis an die Haut. „Jemand rückt mir auf die Pelle“, heißt es dann. Aber auch beim Händereichen berühren wir einander: wir ziehen die Handschuhe aus, wenn wir die Hand geben – ich bin nicht durch meinen Handschuh so gut spürbar. Einander an der nackten Haut zu berühren kann sehr intim sein.

 

Harte Haut?

Wer eine harte Haut hat, der ist zäh, stabil, durchhaltefähig. Der hat schon viel durchgestanden, ausgehalten, kann aber manchmal dadurch etwas unsensibel sein. Ein Mensch mit dünner Haut hingegen ist zart besaitet, spürt aber dafür auch viel. Wir können es uns nicht aussuchen: wie auch immer unsere Haut ist, so können wir sie nehmen.

 

Unter die Haut.

Und dann gibt es Situationen, die gehen unter die Haut: da bekommen wir eine Gänsehaut, da rinnt es uns kalt den Rücken hinunter, da werden wir rot vor lauter Emotion, da beginnen wir zu schwitzen – wir sind emotional. Gefühle drücken sich ganz leicht über die Haut aus, weil sie ja die Grenze zum Außen ist.

Spüren Sie Ihre Haut!massage-1929064_1280

Nehmen Sie sich in der nächsten Woche immer wieder Zeit, ihre Haut zu spüren. Vielleicht beim waschen oder duschen, abtrocknen, eincremen, bürsten, anziehen. Bei Berührungen, gewollten oder unabsichtlichen. Spüren Sie den Unterschied zwischen sanfter und kräftiger Berührung. Und achten Sie darauf, wie Sie, wenn Sie sich selbst angreifen, beide Seiten gleichzeitig spüren können: Sie sind BerührerIn und BerührteR gleichzeitig.

Lassen Sie angenehme Dinge hautnah an sich heran, umarmen Sie jemanden hauteng, riechen Sie die Haut von jemandem, streichen Sie sich selbst über die Haut.

Hautsache angenehm!

 

Lustvoll: mit allen Sinnen genießen. Eine Einführung in die heurige Sommerreihe.

12. Juni 2017

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Heute beginnt meine Sommerreihe, und ich habe beschlossen, sie der Lust zu widmen. Viele denken dabei vielleicht vorrangig um Sex und Erotik, ja darum wird es auch gehen. (Am Ende, damit Sie am Ball bleiben ;), ein bisschen fies, aber was soll´s: Sex sells!)

Lust bedeutet, sinnlich zu genießen und wir werden uns mit den Sinnen beschäftigen, und wie wir diese Sinne zum Lustgewinn gebrauchen können (bzw. was wir alles tun, mit dem wir es manchmal verhindern).

Ich möchte mit der Frage beginnen, ob es überhaupt „erlaubt“ ist, Lust zu haben. Ein Witz sagt, alles, was Spaß macht, ist entweder eine Sünde oder es macht dick. Lust zu haben ist verboten, unmoralisch oder ungesund?

Wie geht es Ihnen, wenn Sie „lustvoll“ hören?

Wir alle werden aufmerksam – entweder wegen der Vorfreude oder wegen der Angst. Das ist nebenbei bemerkt auch der Grund, warum „Sex sells“: weil es zwar verboten ist, aber dennoch unsere Neugierde weckt.

Wieso bekomme ich nur Bilder von halbnackten Frauenkörpern, wenn ich Sinnlichkeit google? Was ist mit den Männern – leben die nicht sinnlich? Oder Kinder? Ich kenne kaum Erwachsene, die so lustvoll sinnlich sein können wie Kinder, die ihre Freude an der Körperlichkeit noch nicht verloren haben. Ein Kleinkind, das in die Luft geworfen und wieder aufgefangen wird, beim Schaukeln, ein schmatzender Säugling, ein Kind, das im Sand spielt, mit viel Wasser alles zu einem dicken Brei macht – all das ist Sinnlichkeit pur.

Lust ist ein Körpergefühl – dass es gut ist, diesen zu haben, und ihn zu spüren. Der Körper ist ein „Spielzeug“, das wir bekommen haben und das wir lernen müssen, richtig zu benutzen. Dann macht es sehr viel Freude. Aber wenn man ihn nicht mag und daher nicht gut behandelt, geht auch die Lust flöten.

Ich will Lust erleben, ich will mit allen Sinnen leben, ich will Freude am Leben haben!say-yes-to-the-live-2121044_1280

Können Sie das so für sich unterschreiben, oder was passiert mit Ihnen, wenn Sie so ein Bekenntnis zum lustvollen Leben hören? Gibt es (vielleicht eine alte) Scheu, ein altes Verbot? Wollen Sie um jeden Preis brav sein, moralisch leben, nicht dick werden? All das sind gute Vorsätze, gegen die gar nichts einzuwenden ist – aber UM JEDEN PREIS?

Was ist der Preis, den Sie für Ihr Brav-sein bezahlen?

Bei den meisten Menschen ist es die Lust, die man verliert. Keine Freude am Leben, innere Leere, Sinnlosigkeitsgefühle. Das ist schade, und gar nicht notwendig. Denn lustvoll zu leben ist nicht automatisch unmoralisch oder ungesund. Lustvoll zu leben ist nicht ein Leben „nach Lust und Laune“, mit keinem Gedanken an morgen. Lustvoll ist offen für alle Möglichkeiten, schließt erst einmal nichts aus und sagt eher „Warum nicht“ als „Geht nicht“.  Die Lust sagt zu etwas Unbekannten „aha, interessant“ und nicht „igitt, kenn ich nicht“.

Lassen Sie sich nicht von Angst leiten

sondern von Lust verführen!

 

Ich freue mich, wenn Ihnen meine Beiträge gefallen und freue mich, wenn Sie öfter mal „vorbeischauen“ oder auch persönlich mit mir Kontakt aufnehmen!

 

Pfingsten – Hilfe von oben?

5. Juni 2017

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Pfingsten – das Fest, das einige von der Firmung oder Konfirmation kennen, wo wir aber nicht genau wissen, was wir damit anfangen sollen. Es kann sein, dass wir uns erinnern, dass es etwas mit dem Heiligen Geist zu tun hat, oder mit Tauben oder mit Flammen. Dass es eine Hilfe sein soll, die irgendwie vom Himmel kommt, in dem eine Gottheit wohnt und die uns in unserem Leben hilft. Was fangen wir damit an?

Gibt es eine „Hilfe von oben“?

Und wenn ja – brauchen wir so etwas überhaupt? Sind wir nicht heute so autonom, so unbedingt unabhängig, so selbständig, so ungebunden, dass wir „den ganzen Blödsinn nicht brauchen können“? Wir haben alles im Griff, wir können so viel naturwissenschaftlich erklären, wir wissen, dass wir uns vor uns selbst verantworten müssen. Wir können uns selbst und einander Himmel oder Hölle sein – wozu also da noch Gott oder eine höhere Macht?

Können wir Hilfe überhaupt annehmen, egal, von wo sie kommt?

Der Nachteil unserer Autonomie, um die wir so verzweifelt kämpfen, ist, dass wir keine Hilfe mehr annehmen wollen, weil wir das für Schwäche halten. Ich diskutiere oft mit Menschen, die sagen, sie teilen sich nicht mit, sie sagen nicht, wenn sie etwas brauchen, sie wollen keine Hilfe, weil sie nicht schwach sein wollen. Verstehe ich, ist aber traurig.

Hilfe zu geben ist viel leichter als Hilfe anzunehmen.help-1019912_1280

Ich habe gelesen, immer mehr Menschen wollen sterben, wenn sie schwer krank sind, nicht weil sie die Schmerzen fürchten sondern die Abhängigkeit. Weil sie „niemandem zu Last fallen wollen“. Das heißt: sie sterben lieber als dass sie jemanden belasten.

Ich finde das unheimlich traurig und einsam. Denn was sagt das über das Vertrauen, das wir in einander haben? Und wer behauptet, dass wir NUR eine Last sind, selbst wenn wir pflegebedürftig sind? (Es hängt von mir ab, ob ich das bin oder freundlich, höflich und dankbar). Und was sagt das über unsere Gesellschaft aus, wenn wir einander nicht mehr helfen können, wenn wir einander nicht mehr zu unterstützen, zu helfen bereit sind?

Hilfe von oben – Kraft, die antreibt, unterstützt, Energie gibt – das können wir alle gut brauchen. Nicht anstelle unserer eigenen Kraft, nicht anstelle der Naturwissenschaften, nicht anstelle der gegenseitigen Hilfe, sondern zusätzlich. Als etwas, das wir uns selbst nicht geben, das wir nicht machen, sondern nur geschehen lassen können.

„Komm, heiliger Geist“ heißt dann übersetzt:

komm, gute Idee! Komm, Freundschaft! Komm, freundliches Miteinander! Komm, Inspiration! Komm, Kraft zum Weitermachen! Komm, richtiges Wort zur richtigen Zeit! Komm, Versöhnung mit meiner PartnerIn, komm, Glückssträhne!

(Bild: Lichtensteiner Flügelaltar)

Ich freue mich, wenn Sie sich mit mir über diese oder andere Themen unterhalten wollen. Rufen Sie mich an oder machen Sie online einen Termin für ein Gespräch aus. Ich bin gerne bereit, mit Ihnen über Ihre Sicht der Dinge oder Ihre Probleme zu reden.

Höllenqualen

29. Mai 2017

300px-TheGreatLastJudgementWeil wir letzte Woche über den Himmel nachgedacht haben, möchte ich heute die Hölle nachreichen. Auch das ist ein Thema, mit dem wir immer wieder konfrontiert werden.

Wie oder was ist diese Hölle?

Viele von uns werden dabei durch Bilder wie diesem hier von Peter Paul Rubens geleitet, in denen (meist nackte) Menschen von Teufeln im Feuer gequält werden. Diese Bilder, die den Menschen früher wirklich Angst gemacht haben (und die wir häufig als erotisch betrachten) sind viel wirkungsvoller als uns bewusst ist.

Und an so etwas glauben wir heute wirklich nicht mehr! 

Dass es unwahrscheinlich ist, dass wir nach dem Tod noch einen Körper haben werden, ist der eine Einwand, der andere, dass wir nicht an eine Macht glauben wollen, die zu solcher Brutalität fähig ist.

Mit dem Tod öffnen sich nicht die Tore zur Hölle, sondern sie schließen sich!

Andererseits zweifelt niemand daran, dass es eine Hölle gibt!

Hölle ist eine qualvolle Realität von vielen Menschen, und meist sind die Verursacher dieser Höllen auch wieder Menschen! Die Hölle, das sind die anderen“, sagt Jean Paul Sartre, und das kennen wir: Krieg, Ausbeutung, Kapitalismus, Versklavung, Menschenhandel, Kindesmissbrauch, Vergewaltigung, Unterdrückung oder Psychoterror sind traurige Wirklichkeiten im Leben vieler Menschen.

Und auch wir selbst können uns das Leben zur Hölle machen.

Ich erlebe so viele Menschen, die sich selbst schlecht machen, die sich selbst hassen, kein gutes Haar an sich lassen, die sich ununterbrochen kritisieren und verurteilen. Die nichtheart-1377475_1280 aufhören, bis ihr Herz zerstört ist, bis sie jeden Glauben an sich und an alles Gute verloren haben. Denen es dann schwer fällt, sich lieben zu lassen und Menschen an sich heranzulassen.

Wir können wenig tun, damit andere Menschen aufhören, einander Hölle zu sein, aber wir können uns selbst ändern, unseren Umgang mit uns und mit unserer Umwelt.

Stoppen Sie die Hölle in sich, machen Sie sich nicht selbst das Leben zur Hölle.

Himmelwärts

22. Mai 2017

birch-2300857_1280Am Donnerstag ist das Fest Christi Himmelfahrt. Die meisten von uns denken: einer der freien Donnerstage im Frühling. Gut, ein verlängertes Wochenende. Ich möchte es als Anlass verwenden, mit Ihnen über den „Himmel“ nachzudenken.

Glauben wir (noch) an einen Himmel?

Und wenn, ist der oben, unten, innen, außen?

Und was ist das, was wir für das Gegenteil davon halten? Viele werden antworten, die Hölle. Ja, das haben wir vielleicht einmal so gelernt. Auch eine gute Frage: 

Glauben wir (noch) an eine Hölle?

Und wenn, wo ist die: unten, oben, außen, innen?

Oder ist das Gegenteil davon Erde, irdisches Leben, Boden unter den Füßen, Realität? Das alles ist etwas leichter: wir müssen nicht an die Erde glauben, die erleben wir täglich. Dinge fallen hinunter, Richtung Erdmittelpunkt. Wir stehen auf dem Boden. Das irdische Leben ist unser Alltag. Die Realität ist das, womit wir klar kommen müssen.

Himmel – was ist das für Sie?couple-2308244_1280

Wenn es den gibt, wo ist der? Wie erleben Sie ihn? Kommt er erst oder ist er schon da?
Immer? Immer wieder? Niemals in diesem
Leben?

Wer oder was bringt sie in den „siebten Himmel“?

(Und wer oder was in den 1. bis 6. Himmel?) Das kann viel sein, erlauben Sie sich, da ganz offen zu sein: ein Mensch, eine Situation, ein Fußballtor, gute Musik, eine gelungene Arbeit, eine Versöhnungsgeste, ein Geschenk, ein Tag am Wasser.

Wir können Himmel auf der Erde erleben, wir können uns den Himmel, falls es einen nach diesem Leben gibt, auch nur mit irdischen Vorstellungen ausmalen. Aber das macht nichts. Himmel kann jetzt sein, immer wieder, wenn auch immer nur stückweise.

Gönnen Sie sich immer wieder Augenblicke des Himmels – Sie haben ihn verdient!

 

Achtsamkeit – sich selbst gegenüber

15. Mai 2017

i-am-954818_1280Wir haben in den letzten Wochen viel Achtsamkeit geübt: dem Klang der Welt lauschen, Menschen zuschauen, sich Gründe für sie ausdenken, die eigene Bewertung und Sichtweise relativieren.

Wenn Sie das alles geübt haben, lade ich Sie zu einem weiteren Schritt ein:

Sich selbst gegenüber achtsam zu sein.

Beobachten Sie Ihre Gedanken und Gefühle, wie Sie das schon von den anderen Schritten kennen: ohne vorschnelle Wertung, vor allem ohne Verurteilung. Bleiben Sie dabei, diese Gedanken oder Emotionen wahrzunehmen, was auch immer es ist. Sie können Ihnen noch so lustig, banal, kompliziert, übertrieben erscheinen – lassen Sie sich einfach so, wie Sie sind.

Auch diese Übung können Sie überall und jederzeit machen!

Ob Sie unterwegs sind oder zuhause, ob Sie arbeiten oder Freizeit haben, ob Sie alleine sind oder unter Menschen, ob Sie sich anstrengen oder kurz vor dem Einschlafen sind – überall, jederzeit. Die Frage, die Sie sich stellen können ist: wie sind meine Gedanken, was fühle ich gerade – im Körper oder in der Seele?

nothing-1820481_1280Alles ist gleich gut, alles ist erlaubt, alles ist in Ordnung!

Gehen Sie davon aus, dass auch Sie gute Gründe dafür haben, was Sie denken oder empfinden. Schimpfen Sie nicht mit sich, wenn Sie etwas gemacht haben, was nicht so zielführend war wie Sie es gerne gehabt hätten. Beobachten Sie, nehmen Sie wahr und lassen Sie es (für den Moment) einfach sein.

Diese Übung hat enorme Auswirkungen – ich schlage vor, Sie üben das einmal und wir kommen später wieder darauf zu sprechen. Viel Freude mit dieser Übung!

Den Menschen zuschauen – Teil 3

8. Mai 2017

girls-438148_1280Wenn Sie eine Weile damit Spaß hatten, sich Gründe für Menschen auszudenken, haben Sie hoffentlich: 

  1. eine Menge Kreativität erlebt,
  2. sich weniger aufgeregt,
  3. eine andere Sichtweise bekommen.

Um diesen letzten Punkt geht es mir heute:

von der kindlichen zum reifen Sichtweise.

Kinder erleben sich selbst als Zentrum der Welt: alles, was geschieht, hängt gefühlsmäßig mit ihnen zusammen: „Wenn ich brav bin, lachen meine Eltern. Wenn ich böse bin, sind sie ärgerlich.“ Was dann umgekehrt auch bedeutet: „Wenn die Eltern lächeln, war ich anscheinend brav, wenn sie verärgert sind, habe ich etwas angestellt.“ 

Kinder können noch nicht anders denken als so: ego-zentrisch (also sich im Zentrum des Geschehens).

Wenn wir aber älter und reifer werden, sollte sich das ändern: wir erkennen, dass Menschen auch unabhängig von unserem Verhalten erfreut oder verärgert sein können: weil sie Stress haben, weil sie mit jemandem im Streit sind, weil sie krank sind, etc. Wir können uns immerhin denken, dass das Verhalten, dass jemand an den Tag legt, auch andere Gründe haben könnte.

rest-2106964_1280Wenn Sie sich Gründe für das (eigenartige) Verhalten eines Menschen ausdenken, tun Sie genau das: Sie verlassen die Vorstellung, dass Sie der Grund für das Verhalten des Anderen ist. Wenn also jemand grantig, kurz angebunden oder unhöflich ist, dann müssen Sie das nicht mehr auf sich beziehen sondern können sich denken, dass es dafür auch andere Gründe geben könnte.

Von der egozentrischen zur reifen Sichtweise – ein Reifungsschritt!

Immer noch sind Sie natürlich das Zentrum Ihres Universums, das sollen Sie sein und das kann auch nicht anders sein. Aber Sie wissen, dass Sie nicht mehr das Zentrum des Universums der anderen sein können und damit haben Sie viel Reife gewonnen!

Bleiben Sie bei dieser Übung noch eine Woche, nächstes Mal gehen wir wieder einen Schritt weiter! Wenn Sie mit mir über diese oder auch ganz andere Themen reden möchten, dann bitte kontaktieren Sie mich oder reservieren Sie online einen Termin. Ich freue mich darauf, mit Ihnen in Kontakt zu kommen!

 

Den Menschen zuschauen – Teil 2

1. Mai 2017

man-700066_1280Ich hoffe, Sie haben ein paar Erfahrungen damit gemacht, Menschen zuzuschauen, und dabei beim Schauen zu bleiben, ohne die Menschen oder ihr Verhalten zu beurteilen. Und vielleicht haben Sie auch bemerkt, wie schwer das ist, weil wir so viel nicht verstehen, nicht nachvollziehen können.

Daher mache ich Ihnen heute einen Vorschlag:

denken Sie sich gute Gründe aus, warum Menschen genau so handeln, wie sie es tun!

Strengen Sie Ihre Phantasie an, überlegen Sie sich, was diese Menschen dazu bringen könnte, so (komisch, falsch, dumm – in Ihren Augen!) zu handeln. Das macht Spaß und hilft uns auf Dauer, nicht alle für dumm und falsch zu halten.

Jeder hat gute Gründe für das, was er/sie tut!

Ich habe noch nie mit jemandem gesprochen, der nicht rechtfertigen konnte, was er/sie getan hat: alles erscheint uns in dem Augenblick, wo wir uns für etwas entscheiden, sinnvoll. Selbst eine „Schnapsidee“ finden wir in diesem Moment gut (wenn wir auch ahnen, dass wir es morgen bereuen werden!) Niemand entscheidet sich bewusst falsch: jetzt gerade scheint es die gute Idee zu sein.

Wir beurteilen uns selbst immer nach der Motivation, die anderen aber nach ihren Handlungen.

Das macht die vielen Missverständnisse aus: unsere Motivation ist (wie die der anderen auch!) immer gut, wir finden immer, dass wir im Recht sind. Das gilt im persönlichen Bereich wie im Großen, Politischen. Die Gründe der anderen kennen wir ja nicht, da sehen wir nur, was sie tun. Und die Handlungen von Menschen sind nicht immer nur gut und förderlich – weder im privaten noch im politischen Bereich.

Und – wenn wir ehrlich sind – auch unsere Handlungen sind nicht immer nur freundlich.

Jede Handlung kommt aus einer guten Motivation, kann aber trotzdem für andere unverständlich, ja sogar verletzend sein! Das gilt für uns und die anderen.

Daher: denken Sie sich Gründe aus, warum Menschen so handeln wie sie es tun!

Ihre Gründe mögen falsch sein, sind es vermutlich auch, aber das spielt keine Rolle. smart-1348189_1280Es geht nur darum, den anderen gute Gründe zu unterstellen.

Ich habe das lange Zeit beim Autofahren gemacht, wo ich mich früher oft sehr geärgert habe. Jetzt denke ich mir: dieser Mensch, der mich so leichtfertig überholen muss – sicher hat er Durchfall und braucht dringend ein Klo, oder seine Frau liegt in Wehen oder das Kind hat Liebeskummer und muss schnellstens getröstet werden, …!

Oder eine Person trägt genau dieses Gewand, weil es ihr die Oma geschenkt hat oder die Teenager-Tochter und sie ihr eine Freude machen will. Oder dieser Mensch redet so laut, weil …

Sie merken: es macht Spaß – und eine Menge Krisen treten auf :))!

Aber wer sagt, dass Sie nicht Recht haben? Sicher ist nur, dass ich mich seitdem viel weniger über Menschen ärgere, weil ich einfach annehme, dass sie einen guten Grund haben (und nicht einfach nur deppert sind, wie die Meisten denken).

Achtsamkeit – den Menschen zuschauen

24. April 2017

Wir kommen zurück zur Achtsamkeit, womit wir uns vor Ostern schon beschäftigt haben. Haben Sie ein Mandala gemalt, haben Sie dem Klang der Welt gelauscht? (Wenn nicht, tun Sie es, machen Sie Ihre eigenen Erfahrungen damit!)

u-leg-bridge-1370437_1280Heute lade ich Sie zu einer Achtsamkeitsübung der besondern Art ein:

den Menschen zuschauen.

Wenn Sie versucht haben, achtsam dem Klang der Welt zu lauschen, haben Sie eine Ahnung, um was es dabei gehen könnte:

um das nicht-wertende Schauen:

Was tun Menschen so? Wie sehen sie aus? Was sagen sie, wie verhalten sie sich?

Diese Übung ist etwas schwerer als der Klang der Welt, denn da merken wir, dass wir noch schneller im Werten sind: gut, schlecht, angenehm, unangenehm, richtig, falsch.

Aber wenn Sie genau beobachten, werden Sie merken, dass die Menschen, bzw das Verhalten von Menschen, das Sie verstehen oder das Ihrem eigenen Verhalten ähnlich ist, von Ihnen besser beurteilt wird als das, das Sie nicht verstehen oder das anders ist als  Ihres. Das ist verständlich, aber auch schade: denn wer andere verurteilt, kann auch von ihnen nichts lernen.

Es ist immer das Andere, an dem wir lernen können.

Das Eigene, das Bekannte, bestätigt uns, aber es bringt uns nicht dazu, eine neue Erfahrung zu machen.

Wenn Sie immer nur dieselben Ausflüge machen, immer nur dieselben Orte besuchen, lake-1887584_1280dann hat das den angenehmen Charakter des Vertrauten und Gewohnten, aber Sie werden nie erleben, wie andere Orte aussehen, Sie werden keine Erweiterung Ihrer Erfahrungen machen.

Mut zu Neuem!

Es ist nichts dagegen einzuwenden, sich bestätigen zu lassen oder Vertrautes wieder zu besuchen: das fühlt sich gut an, man kennt sich aus, man ist irgendwie „daheim“. Aber es bereichert uns anders als Neues. Es verleiht Wurzel, aber keine Flügel.

Neue Erfahrungen zu machen ist erst einmal ungewohnt: man muss die Komfortzone verlassen, sich auf Ungewohntes einlassen, das Risiko einer Enttäuschung eingehen. Das kann auch geschehen, aber:

wenn man nichts zu erleben bereit ist, wird man auch nichts erleben…

(Genug für diese Woche, nächstes Mal geht es weiter mit diesen Gedanken…)