Ein gutes Jahr: Großzügigkeit 2021

19. Juli 2021

Die Natur ist großzügig: sie verschenkt reichlich an alle, die von ihr nehmen wollen. Gerade jetzt, im Sommer, können wir an vielen Stellen diese Großzügigkeit verkosten. Beeren in Fülle, Marillen, Kirschen, Pfirsiche, Melonen – es ist eine Freude für alle, die das lieben.

Aber nicht nur beim Essen: die Natur verschenkt Grün in allen Schattierungen, dazu bunte Blumen, blaue Seen, weiße Wolken. Auch hohe Berge, die zum Wandern und Klettern einladen, Höhlen, die Kühle und Abenteuer versprechen, Seen und Meere, die zum Schwimmen, Segeln oder Rudern bereit sind. Wälder, die Schatten spenden, Gewitter, die Spannung abladen, Regen, der erfrischt.

(Aber die Natur ist auch nicht zimperlich: sie kann sich nicht selbst regulieren – die Hochwasser der letzten Tage zeigen, wie gewaltig sie auch ist, bedrohlich, ja, sogar tödlich sein kann. Es ist unsere Aufgabe, die Natur nicht zu zerstören, sondern sie so gut es in unserer Macht steht, zu beschützen – die Aufgabe von jeder und jedem, da kann sich keineR heraushalten!)

Aber zurück zur Großzügigkeit! Ich bin davon überzeugt, dass man niemals zu gutmütig oder großzügig sein kann. Ich weiß: es gibt immer wieder Menschen, die sich ausgenützt fühlen, die von sich sagen, sie wären „zu gut“ gewesen, und dann enttäuscht bei mir in der Praxis sitzen und frustriert sind.

Ich bin mit nicht sicher, ob es das gibt: zu großzügig, zu gut. Ich bin nämlich der Überzeugung, dass Güte und Großzügigkeit erstens Geschenke sind, die wir machen, ohne dafür etwas zu erwarten. (Sonst ist es ein Deal, der nicht besprochen war: „ich gebe dir, damit du mir gibst“. Wenn man das aber vorher nicht ausgemacht hat, sondern nur unterschwellig erwartet hat, dann kann man sehr enttäuscht werden. Aber ehrlich: das liegt nicht nur an der Undankbarkeit der Umgebung, sondern auch an der zu geringen Klarheit von einem selbst.)

Zweitens glaube ich, dass wir vor allem so leben sollen, dass wir uns am Abend in den Spiegel schauen können, und mit unseren Handlungen zufrieden sein können. Ich bin für mich selbst so, wie ich sein möchte, unabhängig davon, wie die anderen darauf reagieren.

Im wirklichen Leben wird das Maßband, das an Menschen angelegt wird, weder um den Kopf, noch um Bauch oder Po gelegt, sondern um das Herz.

Wir alle lieben den Kontakt mit großzügigen Menschen – seien wir selbst auch so, dass wir angenehme ZeitgenossInnen sind!

Lebe großherzig, verschenke freizügig, gib so viel du kannst – für dein eigenes Wohl! Wenn du von Herzen gibst, wird dir das selbst die größte Freude machen!

Ein gutes Jahr: Ekstase 2021

12. Juli 2021

Die Fußball-EM ist vorbei, das hat in den letzen Wochen viele Menschen in Ekstase gebracht. Einmal, weil Fußball immer für Überraschungen gut ist, ein gutes Spiel kann wirklich spannend sein! Dann, weil es Nationaleifer hervorruft, dabei auch Parteilichkeit mit Ländern, die man eher mag oder die man aus Prinzip nicht ausstehen kann (denen gönnt man den Auf- oder Ausstieg).

Und nicht zuletzt, weil es endlich wieder einmal etwas war, was nicht mit Krankheit, Vorsicht und Impfung zu tun hatte – das hatten wir schon dringend notwendig – ein Stück Normalität nach all dem Wahnsinn.

Richtig viel Freude macht auch der Sommer: Ferien, Urlaubszeit, Freibad / See / Meer, Sonnenblumen, Urlaubslektüre, Sandspielsachen, Sport, Spielen, Faulenzen …

Diese Zeit im Jahr ist mit viel Freiheit verbunden, alles muss nicht so schnell gehen, selbst wenn man nicht im Urlaub ist, fühlt es sich ein bisschen danach an: Freiluftkino, Open Air Konzerte oder einfach beisammen sitzen mit lieben Menschen.

Ek-stase kommt von außer-sich-sein. Es ist mit der Erlaubnis verbunden, nicht so ganz vernünftig zu sein, mehr mit dem Körper als mit dem Verstand zu denken, und den Alltag eine Zeit lang zu verlassen.

Was bringt Sie dazu, einmal alles um sich zu vergessen? Einmal un-vernünftig zu sein, ir-rational, ganz frei von Zwängen? Was machen Sie mit solcher Lust, dass der Körper „über den Kopf“ triumphiert?

Lust aufs Leben bringt uns dazu, und auch Lust am Leben. Lust ist ja prinzipiell etwas, das uns leicht in Ekstase bringt. Lust ist körperlich.

Und der Körper will seine Lust auch leben können. Er will spielen dürfen, frei sein, Spaß haben. Als Kind hatte ich immer unglaubliche Spaß daran, so hoch zu schaukeln, dass es in meinem Bauch gekribbelt hat – diese Mischung aus etwas Angst und Freude war total lustvoll.

Essen macht Lust, Tanzen macht Lust, Sex macht Lust – Leben macht Lust aufs Leben.

Wenn wir der Lust nachgeben, wenn wir uns hingeben an eine Sache, dann erfahren wir dieses Gefühl, außer uns zu sein.

Lust ist ein Stück Himmel auf Erden, wenn wir uns dieser Lust hingeben, erfahren wir, dass wir außer uns selbst sind – im „Himmel“.

Erlauben Sie sich das in dieser Woche besonders: ein Stück Himmel auf Erden!

Geraten Sie in Ekstase, kommen Sie in den Himmel!

Wir wissen nicht, ob es ein Leben nach dem Tod gibt, aber wir sind ganz sicher, dass es eines DAVOR gibt – lassen Sie sich das nicht entgehen!

Ein gutes Jahr: Hingabe 2021

5. Juli 2021

Hingabe bedeutet, sich ohne (allzuviele) Bedingungen für eine Sache einzusetzen. Es bedeutet daher, mit ganzem Herzen bei einer Sache zu sein, zB beim eigenen Leben, bei einem geliebten Menschen oder bei einer Idee / einem Projekt / einem Anliegen, an das man glaubt.

Wir haben – gerade in den letzten zwei Jahren – gelernt, alles irgendwie zu dosieren: unsere Hoffnungen, Erwartungen, Pläne. Alles steht unter dem Vorzeichen „falls es die Situation erlaubt“.

Das war wohl notwendig, aber ich befürchte, dass es uns daran hindert, mit Hingabe an etwas zu glauben, uns wirklich für etwas einzusetzen – weil wir befürchten müssen, dass es schließlich nicht eintreten könnte.

Das ist ein Phänomen, das ich nicht erst seit Corona kenne, sondern es war auch vorher schon da: „Ich freue mich lieber nicht, vielleicht tritt es ja nicht ein / vielleicht bekomme ich es nicht / vielleicht schaffe ich es nicht …“

Ich frage mich immer, wie es Menschen gelingen soll, sich nicht zu freuen, nicht etwas zu erwarten, was sie im Grunde schon erwarten, hoffen, freudig ersehnen. Das stelle ich mir schwer vor, denn Gefühle kann man nicht einfach nicht haben.

Wir sind nicht die HerrscherInnen über unsere Gefühle, wir können sie nicht haben oder nicht haben, wir können sie nur wollen oder nicht wollen, und wir sind nicht verpflichtet, nach ihnen zu handeln.

Das bedeutet, dass wir nicht darüber bestimmen können, was uns gefällt, worauf wir hoffen, was wir lustig finden, wen wir lieben, was uns interessiert oder langweilt. Wir können uns nicht aussuchen, welche Gefühle wir haben, aber wir können sehr wohl darüber entscheiden, wie wir mit diesen Gefühlen umgehen!

Wir können uns entscheiden, dass wir Gefühle schwierig finden – und wir können sie daher verdrängen, sie für „irrational“ erklären oder ignorieren. Wir können dann mit mehr oder weniger Aufwand ein emotionsloses oder -armes Leben führen.

Oder wir können unsere Gefühle zulassen, sie ertragen oder genießen, ein Leben voller Hochs und Tiefs leben, mit allen Vor- und Nachteilen, die das hat.

Was wir nicht können: nur die angenehmen Gefühle in aller Breite haben und die unangenehmen nicht spüren. Die Türe der Gefühle, sage ich gerne, ist entweder offen, angelehnt oder zu, aber was dann herauskommt, das können wir nicht bestimmen.

Das bedeutet auch, dass wir entweder mit Hingabe leben, und dann die Fülle der Emotionen erleben, oder dosiert, gebremst, gezügelt.

Verstehen Sie mich richtig: beides hat seine Vorteile, und es gibt kein „falsch“ in dieser Hinsicht. Wir müssen nur wissen, auf was wir uns einlassen, wenn wir uns für die eine oder die andere Variante entscheiden. Hoch-Zeiten und Tiefs können wir erfahren, oder Stabilität und Ruhe.

(Zum Glück ist es ja nicht so, dass es eine Entweder-Oder Entscheidung ist, dazwischen gibt es viele Abstufungen – suchen Sie sich eine Dosierung aus, die Ihnen gefällt!)

Wer sich einer Sache oder einer Person hingibt, wird Intensität erleben, die ihn/sie vielleicht sogar erschreckt, das kommt mit der Hingabe. Wer es lieber ruhig hat, sollte sich das mit der Hingabe besser gut überlegen…!

Ich lebe mein Leben in wachsenden Ringen, die sich über die Dinge ziehn. Ich werde den letzten vielleicht nicht erringen, aber versuchen will ich ihn.

Das ist der Beginn eines Gedichtes von Rainer Maria Rilke. Er hat sich anscheinend dafür entschieden, sein Leben mit Hingabe zu leben: in wachsenden Ringen. Ich persönlich mache das auch so, denn ich finde:

Mein Leben ist zu kurz für Kompromisse!

Ein gutes Jahr: Fließen 2021

28. Juni 2021

An diesen heißen Sommertagen – die nun endlich da sind, wir mussten lange genug auf sie warten! – ist es angenehm, sich kühles Wasser über den Körper oder die Handgelenke fließen zu lassen. Das erfrischt uns, das kühlt uns, das bringt unsere Lebendigkeit wieder zurück ins Fließen.

Wenn wir das Bild ansehen, das ich heute für den Beitrag als Titelbild gewählt habe, dann sehen wir drei Rohre, aus denen Wasser fließt. Das Wasser sammelt sich im Becken. Den Abfluss daraus kann man nicht erkennen.

Wir wissen auch nicht, ob das Wasser trinkbar ist, woher es kommt, ob es kühl ist, etc. Aber wir sehen es fließen, und wir können uns auch das Geräusch des Plätscherns vorstellen, das es vermutlich macht.

Ins Fließen kommen, nicht festhalten müssen, den Dingen ihren Lauf lassen, Geschichten Freiheit schenken – das alles sind Dinge, die mir in den Sinn kommen, wenn ich an „Fließen“ denke.

Wenn wir das Leben so fließen lassen, wie es eben fließen mag, ohne ihm besondere Richtungen aufzwingen zu wollen, dass ist es meist leichter als wenn wir uns genaue Vorgaben stellen, die sich dann einfach nicht erfüllen lassen.

Das Wasser fließt immer nur abwärts, das Wasser sucht sich nicht den schweren Weg, gegen die Naturgesetze. Das Wasser staut sich eine Weile, dann fließt es um die Hindernisse herum – das Wasser macht es sich leicht.

Bei dieser „Leichtigkeit“ ist nicht immer alles einfach oder langweilig. Wasser, das sich seinen Weg sucht, macht wunderschöne Dinge: vom Wasserfall über Stromschnellen, ruhigen Becken und idyllischem Plätschern.

Das alles gehört zum Fließen dazu, und das alles wird auch in unseren Leben geschehen, wenn wir das Leben fließen lassen. Es wird nicht automatisch alles leicht, langweilig oder ruhig – es kostet bloß nicht so viel Energie, wie wenn wir uns dagegen sträuben.

Das Wasser, das aus den oben gezeigten Rohren kommt, kann gut oder schlecht schmecken, kann einen langen Weg hinter sich haben oder erst gerade aus der Erde gekommen sein – all das wissen wir ja nicht. Was wir wissen, ist, dass es ohne Anstrengung einfach abwärts rinnt, und darin kann es uns eine Hilfe für unser Leben sein.

Denn am Schluss landet es im Meer, schaukelt dort in einer großen Menge mit anderen Wassern, die aus anderen Rohren gekommen sind, die über Wasserfälle oder durch Seen geflossen sind – und alle zusammen erst machen das Meer aus.

So dürfen auch wir unser Leben sehen: lassen wir das vergebliche Kämpfen gegen die Widerstände, fließen wir lieber um sie herum!

Stürzen wir uns beherzt in die Tiefe, wenn das grade dran ist, oder bleiben wir eine Weile stehen, weil wir in einem Teil eines Sees gelandet sind, der uns das ermöglicht. Plätschern wir gemütlich vor uns hin, nehmen wir auch mal etwas Geröll mit, solange es leicht geht.

Lassen wir das Leben fließen und seien wir gewiss, dass wir unser Ziel erreichen, auch ohne unsere großen Sorgen oder Bemühungen. Am Schluss landen wir alle im Ozean, sind alle unsere Mühen vergessen und wir können gemütlich in bisher unbekannten Wassern schaukeln.

In diesem Sinne: haben Sie eine gute Woche, erinnern Sie sich beim Fließen des Wassers an die Leichtigkeit, die auch Ihr Leben haben kann!

Ein gutes Jahr – Ziele 2021

22. Juni 2021

Wir hatten so einige Ziele, als das Jahr begonnen hat (heuer wahrscheinlich etwas weniger oder andere als an anderen Neujahrstagen, aber auch heuer hatten wir welche). Das halbe Jahr ist vorbei – wie schaut es mit dem aus, was Sie sich vorgenommen haben?

Denken Sie noch einen Augenblick an diese ersten Jännertage zurück – wie war das damals? Ich habe damals mit dieser Reihe „Ein gutes Jahr“ bewusst begonnen, weil ich allen negativen Gedanken zum Trotz, gegen alle Jammerei und gegen den Pessimismus anschreiben wollte.

Mir war wichtig, das Jahr gut zu starten, denn dieses Jahr hat es, wie alle anderen auch, verdient, ernst genommen zu werden, mit Freude erwartet zu werden – denn es würde genauso Teil meines Lebens werden wie alle anderen zuvor und danach.

In den vergangenen Monaten dieses guten Jahres 2021 habe ich schon viel erreicht, habe viel Positives erlebt, viele freudige Begegnungen gehabt, viele schöne Therapiesitzungen gehalten, viele interessante Gedanken gehört und gelesen (auch ein paar selbst gehabt).

Ich hatte wieder viel mehr Begegnungen, (wenn auch das Händereichen wie auf dem Bild noch nicht möglich war), aber ich bin schon froh, wieder „echte Menschen in 3D“ zu sehen.

Bis jetzt war es also ein gutes Jahr, wenn ich auch nicht nur schöne und freudvolle Erlebnisse hatte. Auch dieses Jahr hat mir schon Sorgen gebracht, Kummer und so manche Traurigkeit. Auch das gehört zu einem guten Jahr dazu, denn auch das ist Teil des Lebens.

Und jetzt – wie geht es weiter? Welche Ziele haben wir noch für dieses Jahr, damit wir am Ende des Jahres auch wirklich auf eine gutes Jahr zurückschauen können? Welche Vorhaben planen Sie noch, jetzt, am Beginn der Urlaubszeit?

Wie weit wird Österreich in der EM kommen (nach gestern scheint ja viel möglich zu sein!) Wie werden Sie heuer Ihren Urlaub gestalten? Was kommt im Herbst auf Sie zu, im Winter?

Was haben Sie für die nächsten Monate persönlich vor, an inneren Zielen. Was wollen Sie erreichen, wer wollen Sie am Ende dieses Jahres sein? Denn egal, was an äußeren Veränderungen im Leben geschieht, das alles macht das Leben immer nur ANDERS, nicht wirklich besser (denn alles hat immer auch Nachteile).

Wirklich BESSER wird das Leben erst, wenn man persönliche, innere Werte erreicht – mehr Gelassenheit, Freundlichkeit, Geduld, etc…

Gestern war Sommersonnenwende, der längste Tag im Jahr. Es war heiß, es ist jetzt (endlich) wirklich Sommer. Aber es bedeutet auch, dass das Jahr in seine zweite Hälfte geht, dass wir nicht mehr unendlich viel Zeit haben, dieses Jahr zu einem guten zu machen.

Es ist noch genug Zeit, aber die ist dennoch beschränkt. So wie unser Leben auch.

Nehmen Sie ihre Ziele für 2021 ins Visier.

Viel ist möglich, alles nicht (mehr).

Was soll es für Sie heuer noch sein?

Eine gute zweite Jahreshälfte wünsche ich Ihnen!

Ein gutes Jahr: Kreativität 2021

14. Juni 2021

Kreativität wird häufig mit „malen“ oder „handwerken“ verbunden, und wer das kann, hat meist Freude daran. In diesem Sinne: Macht es, wenn Ihr es könnt! Erlebt die Freude, die es machen kann, wenn etwas Gestalt annimmt, das es vorher nur in Eurem Kopf gegeben hat!

Aber kreativ zu sein bedeutet nicht nur, ein Bild zu malen, ein Kunstwerk zu schaffen, sondern mir geht es heute um die Art, wie wir unser Leben leben.

Wie kreativ sind wir im Umgang mit Unerwartetem? Wie starr sind wir darauf fixiert, dass etwas so – und nur so – gehen kann? Wie leicht fällt es uns umgekehrt, uns auf alternative Szenarien einzulassen?

Eines ist ohne Zweifel klar: Es ist immer schön, wenn etwas so läuft, wie wir es uns vorgestellt / geplant / gewünscht haben, daran gibt es nichts zu rütteln oder zu diskutieren. Wir hätten gerne, dass etwas genau so funktioniert, wie wir es uns denken (sonst hätten wir es ja nicht so geplant).

Aber es gibt eben auch beinahe an jedem Tag Situationen, die anders laufen als gedacht. Wo es schwierig wird, weil unsere Planung nicht funktioniert, sei es, weil das Wetter nicht mitspielt, weil jemand verhindert ist, weil das Auto nicht anspringt, weil man den Bus versäumt hat, weil man gerade unpässlich ist oder immer noch Pandemie ist…

An unzähligen Dingen kann es liegen, dass wir nicht genau das bekommen, was wir uns gewünscht hätten. Und die Lösung kann nicht darin liegen, sich auf nichts mehr zu freuen (was mir Immer wieder Menschen in der Therapie sagen). Das fände ich traurig, ist doch die Vorfreude ein nicht zu unterschätzender Teil der Freude (wenn ich auch nicht glaube, dass es die „größte Freude“ ist, wie manche behaupten).

Hier finde ich es wichtig, dass wir in der Lage sind, kreativ auf die Situation einzugehen: „Na gut, dann halt anders“! Dabei ist uns der Plan B oder C niemals so angenehm wie Plan A – sonst wären sie das ja von Anfang an gewesen. Wir dürfen also nicht die Alternative mit der ursprünglichen Idee vergleichen, denn da ist sie immer schlechter (jedenfalls im Augenblick – später schaut es dann eh oft anders aus…).

Was wir machen sollten, ist Plan B mit B´oder B´´zu vergleichen, niemals mit Plan A. Also kreativ nach Alternativen suchen, die alle nicht so einfach sind wie die ursprüngliche Idee, aber auch funktionieren könnten. Wenn also das Wetter schlechter ist als erwartet, bedeutet das nicht, dass man alles abblasen muss, sondern dass man überlegen kann, was sonst noch geht – und nicht die ganze Zeit daran festhält, dass es aber bei Sonnenschein schöner gewesen wäre.

Kreativität bedeutet also auch Flexibilität im Denken. Denn die Alternative ist ja letztlich auch unbefriedigend: immer dem Plan A nachzuweinen und dann trotzig zu werden, weil das blöde Leben – oder wen man sonst dafür verantwortlich machen will – einem nicht das gibt, was man gerne gehabt hätte.

Erlauben Sie dem Leben, seine eigenen Ideen zu haben, und gehen Sie flexibel damit um, wenn etwas nicht so läuft, wie Sie es gerne hätten.

Seien Sie kreativ im Umgang mit Schwierigkeiten, denken Sie an Plan B, Plan C oder überhaupt auch gleich Plan 27…

Je weniger wir an einer einzigen Idee festhalten, sei es auch unsere Lieblingsidee, desto eher finden wir Lösungen, die sich im Nachhinein nicht einmal als ganz schlecht herausstellen.

Und unser Hirn freut sich, denn jeder neue Weg macht neue Verbindungen im Gehirn – und das wiederum beugt einerseits der Demenz vor und macht es uns andererseits in Zukunft noch leichter, flexibel zu reagieren!

Ein gutes Jahr: Konzentration 2021

7. Juni 2021

Wir sind also wieder in einer Art „Normalität“ gelandet: die Lokale sind wieder offen, Veranstaltungen finden wieder statt, wir können einander wieder treffen. Ist es also wie vorher?

Ich habe Sie letzte Woche dazu eingeladen, darüber nachzudenken, was Sie aus dem Jahr Pandemie gelernt haben, was Sie mitnehmen, was Ihnen wichtig geworden ist.

Ich hoffe, Sie haben sich darüber Gedanken gemacht, sodass wir heute der Frage nachgehen können, was diese „neue Normalität“ für uns bedeuten kann.

Denn viele Monate haben wir darauf gewartet, dass es endlich wieder losgeht, und jetzt müssen wir uns fragen: WAS genau soll wieder losgehen, was soll sein wie vorher, worauf können wir gut und gerne verzichten?

Die Welt lebenswert zu halten ist für viele Menschen ein hoher Wert, und zunehmend wird das auch allen bewusst, die bisher gerne daran vorbeigeschaut haben.

Wir haben die Welt von unseren Kindern nur geborgt, wir können sie nicht einfach so behandeln, als ob sie uns gehört und wir mit ihr machen können, was wir wollen. Wir haben Verantwortung, auch wenn wir vielleicht nicht mehr zur Rechenschaft gezogen werden können von unseren Ur-Urenkeln.

„Du bist nicht Schuld, dass die Welt so ist, wie sie ist. Du bist nur daran Schuld, wenn sie so bleibt.“

Miteinander zu arbeiten, einander zu helfen und füreinander da zu sein ist ebenfalls als klares Ziel für viele Menschen immer deutlicher geworden. In Zeiten der Ich-Zentrierung, in der alles dem eigenen Wohl, der eigenen Lust und dem eigenen Spaß dienen sollte – sogar, wenn andere Menschen dafür zahlen mussten – ist es wichtig, dass wir uns der Gemeinsamkeit als Wert wieder bewusster werden.

So schön es auch ist, persönlichen Erfolg zu haben, Spaß und Freude, so traurig ist es aber, wenn dafür andere leiden müssen. Es trübt das Wohlbefinden, wenn man weiß, dass das eigene Wohl für andere ein Problem darstellt, wenn wir also auf Kosten anderer leben.

In der Pandemie ist deutlich geworden: wir können zwar viel über das Internet machen (und das ist sehr gut so!), aber es fehlt uns der menschliche Kontakt, das Miteinander, die Atmosphäre der Gemeinschaftserfahrungen. Wir haben erlebt, dass Menschlichkeit mehr ist, als nur zu funktionieren!

Das Leben braucht auch Magie, um interessant, spannend und aufregend zu sein. Diese Magie erleben wir im Miteinander:

  • im Aufeinander achten, wenn wir uns um die Welt und unsere Nachkommen kümmern.
  • im Miteinander feiern, wenn wir einander endlich wieder treffen können.
  • im füreinander sorgen, wenn wir andere nicht ausnutzen oder auf ihre Funktion beschränken.

All das macht, dass wir uns in unserer Haut, in unserem Leben und auf unserer Welt wieder wohler fühlen können. Darauf sollten wir uns noch eine Weile konzentrieren, bevor wir einfach wieder in die Normalität des Alltags zurücksinken.

Lebe dein Leben in Achtsamkeit, Fürsorge und Freundlichkeit.

Auf diese Weise wird es für alle schöner, auf der Welt zu sein.

Ein gutes Jahr: Lernen 2021

31. Mai 2021

Ja, zum Thema Lernen gäbe es viel zu sagen, gerade in Bezug zu dem vergangenen Jahr, in Bezug zum Home-Schooling, in Verbindung mit der Sehnsucht von Kindern, Jugendlichen und Eltern nach der guten alten Schule, in die man gehen kann! Wer hätte gedacht, dass sie so sehr fehlen würde?

Oder ich könnte über das lebenslange Lernen schreiben, die Wichtigkeit, sich immer weiterzubilden, fortzubilden. Wie wichtig es ist, neugierig zu bleiben auf all das, was ständig entwickelt, erforscht und entdeckt wird. Das wäre auch ein lohnendes Thema, zu dem mir spontan viel einfällt.

Aber ich möchte heute nur eine Frage stellen:

Was haben Sie im vergangenen Jahr, durch die Pandemie, den Lockdown, die Kurzarbeit, Home-Office, das Home-Schooling, die Teststrassen, die Impfkampagnen … gelernt?

Bitte nehmen Sie sich ein paar Augenblicke Zeit – jetzt sofort, bevor Sie weiterlesen oder jedenfalls, bevor Sie weiterklicken – und denken Sie darüber nach.

Es gibt keine falschen oder richtigen Antworten, es gibt nur IHRE.

Was haben Sie gelernt in dieser Zeit?

(Nein, lesen Sie nicht weiter, bevor Sie diese Frage beantwortet haben! Ich weiß die Antwort für Sie sicher nicht!)

Nehmen Sie sich diese Zeit – wir verschwenden so viel, dass es auf diese paar Minuten sicher nicht ankommt – so viel Zeit haben Sie, und zwar genau: JETZT!

Was haben Sie gelernt, im Guten oder Schwierigen? Was wollen Sie behalten, was (wieder) ablegen?

Was hat Sie überrascht, womit haben Sie nicht gerechnet?

Haben Sie eine gute Woche!

Ein gutes Jahr: Hoffnung 2021

25. Mai 2021

Hoffnung ist heuer nicht ganz leicht, das gebe ich zu: die Pandemie scheint nicht locker lassen zu wollen, der Frühling will nicht so richtig in Gang kommen, alles scheint so träge zu gehen.

Da kann man schon einmal die Hoffnung verlieren.

Aber die Alternative ist auch nicht besser, denn das wäre Resignation, Depression oder – gut österreichisch – Raunzen über das Böse in der Welt. Das alles ist zwar verständlich, aber hilfreich für die Seele ist es nicht.

Was aber, wenn diese Gefühle eineN überkommen? Wie kann man damit umgehen, wie kann man wieder zu Optimismus, Freude und Hoffnung gelangen?

Also zuerst einmal: mit Geduld. Wir müssen warten, das haben wir schon lange verlernt. Wir wollen alles und sofort.

Dieses Jahr könnte uns Geduld lehren: es geht nicht alles so schnell, wie wir es gerne hätten. Das Leben lässt sich keine Vorschriften machen, wir lernen besser, ein bisschen demütiger zu sein und nicht alles zu jeder Zeit zur Verfügung zu haben.

Dann: Gemeinschaft. Wenn eineR alleine gerade traurig oder verzweifelt ist, dann gibt es ja noch die anderen. Irgendjemand ist immer in Reichweite, die/der gerade besser drauf ist, der/die uns Mut machen kann.

Das ist das Gute an FreundInnen, Familie, auch virtuellen Bekanntschaften: sie sind da, um uns zu tragen, wenn wir einmal nicht mehr können. Dafür sind wir dann auch bereit, selbst austeilen, wenn wir etwas mehr Mut, Hoffnung oder Freude haben.

Und vor allem: Humor. Lachen stärkt das Immunsystem, vertreibt schlechte Gedanken und Gefühle. Dazu muss man nicht einmal wirklich lustig sein, es geht auch ohne. Probieren Sie einmal aus, beim Autofahren ständig die Mundwinkel nach oben gezogen zu haben! Ich mache das schon seit einiger Zeit, mit dem Effekt, dass ich tatsächlich freundlicher Auto fahre, rücksichtsvoller bin und öfter einmal jemandem die Vorfahrt lasse.

Auf jeden Fall ist es sehr viel angenehmer, immer wieder zu lachen, es tut einfach gut! Und es tut auch Ihrer Umgebung gut, wenn Sie gemeinsam Spaß haben – und das geht immer irgendwie!

Wenn Sie also gerade hoffnungsvoll sind: teilen Sie es aus!

Wenn es Ihnen gerade schwer fällt, die Hoffnung zu halten: bleiben Sie nicht alleine, harren Sie aus, und nehmen Sie sich selbst, die Welt im Ganzen und die Pandemie im Speziellen nicht allzu ernst.

Irgendwann ist immer Sommer, ist es immer warm und Badewetter, irgendwann ist der ganze Spuk vorbei – geben wir die Hoffnung nicht auf!

Am Ende ist alles gut. Wenn es noch nicht gut ist, ist offenbar noch nicht das Ende.

Ein gutes Jahr: Inspiration 2021

17. Mai 2021

Inspiration bedeutet: Begeisterung. Das kann uns ereilen, wenn wir an die kommende Öffnung denken: endlich wieder in einem Restaurant sitzen und frisch gekochtes Essen verspeisen, endlich wieder ins Kaffeehaus gehen können, all das sind Dinge, die wir sehr vermisst haben. An Veranstaltungen teilnehmen, ins Kino gehen, ins Konzert – wie fein wird es, das wieder tun zu können! Das wird sich wie ein Fest anfühlen.

Aber es ist auch so: ein „normaler“ Montag, eine „normale“ Woche fängt an. Nach dem langen Wochenende müssen wir uns oft erst wieder an den Alltag gewöhnen. Alltägliches beginnt wieder, und das Alltägliche erscheint uns nicht besonders, weil es eben genau das ist: alltäglich. Wir haben es jeden Tag, es erscheint uns banal, uninteressant und langweilig. Wir nehmen es für selbstverständlich. Bis es uns genommen wird, sei es, weil eine Person aus unserem Leben verschwindet, wir krank werden oder eine Pandemie uns Hausarrest verordnet. Da wird uns auf einmal bewusst, wie wertvoll dieser Alltag für uns doch war / sein könnte.

Wir brauchen den Alltag, das Gewöhnliche und Normale, denn das ist die Basis für unser Leben. Es ist auch der Ausgangspunkt für alles Besondere, Außergewöhnliche. Das Fest braucht den Alltag als „Hintergrund“, sonst wird es die neue Normalität, der neue Alltag.

Sowohl der Alltag wie auch das Fest brauchen Inspiration, wenn auch mit unterschiedlichen Akzenten. Im Alltag braucht es immer wieder Einfälle, was wir tun könnten, um die kleinen Anliegen oder Probleme lösen zu können – und die sind meist das Entscheidende. (Unterschätzen wir nicht den Wert des Gewöhnlichen!)

Im Unterschied dazu gibt es noch die großen Ideen, die super Einfälle, die wir oder andere haben, die uns mitreißen, anfeuern, aufmuntern. Diese Ideen machen das Leben abwechslungsreich und kreativ. Wir sollten deshalb immer wieder neue Dinge ausprobieren, neue Erfahrungen machen, damit wir nicht festhalten an Dingen, bloß weil sie immer schon so waren.

Öffnen Sie also Ihren Kopf für die Inspiration, die neue Idee, die ungewöhnlichen Gedanken.

Haben Sie Mut, Neues auszuprobieren!

Lassen Sie sich von der Begeisterung anderer anstecken, machen Sie mit, sagen Sie Ja, wenn Sie gefragt werden, auch, wenn es Ihnen fremd vorkommt.

Pfingsten ist das Fest der Begeisterung, der Inspiration: öffnen Sie sich für Neues!