24 Fragen über das Leben 2016: Wer bin ich? 11. Dezember: Bewusstsein und Unbewusstes.

11. Dezember 2016

woman-241329_1280Und weil das mit der Seele noch nicht genug war – es gibt ja auch noch das Unbewusste!

Wir sind zu einem Großteil vom Unbewussten gesteuert,

sagt Sigmund Freud, der sich lange damit beschäftigt hat, und damit hat er sicher Recht. So unangenehm das auch klingen mag: in Wirklichkeit ist das ziemlich gut so. Denn viele Dinge nehmen wir wahr, ohne uns dessen bewusst zu werden – die Menschen, die wir aus dem Augenwinkel heraus sehen, die Autos, die wir sofort wieder vergessen, wenn wir die Strasse überquert haben, der Heimweg, den wir ganz automatisch machen.

Wir werden aber auch in vielen Entscheidungen darüber gesteuert, und die Werbung zB nützt das auch: product placement heißt es, wenn in einem Film Dinge zu sehen sind, die unseren Appetit darauf wecken sollen – wir wollen auch so cool sein wie die im Film, oder wir essen während bestimmter Sendungen mehr, wenn dort auch gegessen wird.

Was kann ich also über mich wissen?

Ich sehe mich wie ein Forschungsprojekt: ich schaue mir zu, versuche in manchen Dingen zu ergründen, warum ich gerade so und nicht anders gehandelt habe, aber das Meiste werde ich wohl nie ganz verstehen. Das ist auch nicht so wichtig: ich muss und darf mich so nehmen, wie ich eben gerade bin: lustig oder nachdenklich, hungrig oder müde, interessiert oder aktiv – wie auch immer.

Selbstliebe: ich bin eben so, und das ist in Ordnung.

Mach das heute: erlaub dir, so zu sein wie du eben bist. Bewerte dich nicht, vor allem: entwerte nicht. Dich und andere. Sei nett zu dir, dann bist du auch nett zu den anderen!

24 Fragen über das Leben 2016: Wer bin ich? 10. Dezember: Seele.

10. Dezember 2016

smartphone-1790835_1280Wer bin ich wirklich? Wann bin ich ich?

Diese Frage beschäftigt viele Menschen, die zu mir kommen: wer bin ich in Wirklichkeit. Und oft höre: ich bin nicht mehr ich, ich kenne mich selbst nicht mehr. Ich war früher anders, da war alles leichter, etc.

Sind wir so, wie wir uns fühlen?

Sind wir so, wie die anderen uns wahrnehmen?

Was macht unsere Seele aus, unser Wesen? Was gehört ganz sicher zu mir, was sind zufällige Situationen, die auch genauso ganz anders sein könnten? Wie wäre mein Leben, wenn ich damals ….?

Bin ich dieselbe, die ich vor 30 Jahren war, bin ich die, die ich in 30 Jahren sein werde?

puzzle-1415247_1280Solche Fragen können einen ganz schön ins Rudern bringen, denn sie sind so nicht zu beantworten. Wir wissen immer nur Bruchstücke von uns selbst, und diese Bruchstücke können wir langsam, und immer neu, zu einem Ganzen zusammensetzen. Bruchstücke wie: ich mag klassische Musik. Ich lebe in einer Beziehung. Ich esse keine Wassermelone. Ich finde Spiritualität interessant. Ich bin liebend gerne Psychotherapeutin.

Aus all diesen kleinen Informationsteilen bauen wir ein Selbstbild, das immer auf der einen Seite stimmt und auf der anderen gar nicht. 

Sich selbst kennenzulernen wird eine lebenslange Entdeckungsreise bleiben!

Schreib einmal auf, was du an Bruchstücken von dir weißt. Frag andere nach dem, wie sie dich wahrnehmen, was sie von dir sehen, was du noch nicht weiß. Finde Teile, die du gerne noch dazutun würdest. Mach dein Puzzle ein Stück weiter!

24 Fragen über das Leben 2016: Wer bin ich? 9. Dezember: Gehirn.

9. Dezember 2016

brain-770044_1280Zu der Frage, was der Mensch ist, darf man die moderne Gehirnforschung nicht vergessen. Von ihr lernen wir, dass das Gehirn eine „Software“ ist, die im Grunde alles berechnet.

Der Mensch – ein ausgesprochen komplexes Rechenzentrum?

Es scheint so zu sein, dass alle Informationen, die ins Gehirn kommen, erst auf irgendwelchen Ebenen verarbeitet werden, bevor sie uns bewusst werden. Dieser große „Computer“ verbindet die neuen Informationen mit denen, die er in der Vergangenheit gemacht hat – alles ohne dass wir davon in Kenntnis gesetzt werden. Und erst, wenn eine Entscheidung gefällt wurde, spielt sie dieser Computer auch noch in die Großhirnrinde, dem Zentrum des Bewusstseins. Dann haben wir das Gefühl, eine Entscheidung getroffen zu haben, die doch in Wirklichkeit bereits (Millisekunden) vorher in anderen Zentren gefällt wurde.

Haben wir dann einen freien Willen? Können wir denn selbst etwas entscheiden?

inside-outOder macht das Gehirn einfach, was es will, verarbeitet es Informationen tatsächlich „ohne mich“? Wer bin „ich“, im Vergleich zum Gehirn? Sind wir eine Ansammlung von 1 und O, von Bits und Bytes, oder sind wir mehr?

Außer Frage steht, dass unser Gehirn ausgesprochen komplex ist und wundervolle Dinge tut. Dass es in Windeseile Entscheidungen trifft, dass es einem Körper vorsteht, den es in den meisten Fällen ohne Fehler durch das Leben leitet.

Wer „Alles steht Kopf“ – „Inside Out“ gesehen hat, kann sich diese Schaltzentrale auch gut vorstellen. Aber wer bin dann ICH? Wer entscheidet in meinem Leben? Die Gefühle, das Gelernte, das Übernommene?

Sei heute besonders nett zu deinem Gehirn: Iss „Brainfood“, mach ein Sudoku, stell dir eine schöne Szene vor. Das Gehirn ist eines der wichtigsten Organe deines Körpers.

 

 

 

24 Fragen über das Leben 2016: Wer bin ich? 8. Dezember: mein Umfeld.

8. Dezember 2016

man-1595369_1280Wer bin ich?

Wer wir sind hängt auch zu einem großen Teil davon ab, wie wir aufgewachsen sind, unter welchen Umständen, in welcher Kultur.

Mädchen oder Bub, Stadt oder Land, Einzelkind, Geschwister, Großfamilie. Ein Elternteil oder zwei, welche Bezugspersonen es noch Gegebenheit.

Ob man oft unterwegs war, welche Dinge man erlebt, welche Länder man bereist hat, welche Ausbildung man hat, in welchen Berufen man gearbeitet hat. Ob man in einer Beziehung lebt, gelebt hat, wie diese gelaufen sind.

Ich bin (auch) das Produkt all dieser Erfahrungen.

Eine Frau, die – wie ich – in Wien aufgewachsen ist, viele Geschwister hat und eine gute Ausbildung genossen hat ist eine andere als eine, die am Land gelebt hat, wo es vielleicht damals nur ein Telefon bei den Nachbarn gab, zu denen man 10 Minuten gehen musste, wo ein Notfall bedeutet hat, dass die Rettung erst viel zu spät kommt.

Denk heute darüber nach, wie du zu der/dem geworden bist, die/der du heute bist: was hat dich zu dem Menschen gemacht, der du heute bist? Dazu gehören alle guten, aber auch die schmerzhaften Erlebnisse deines Lebens. Aus allen ergibt sich die Person, die du heute bist.

24 Fragen über das Leben 2016: Wer bin ich? 7. Dezember: das „denkende Tier“.

7. Dezember 2016

ape-1052567_1280Nachdem wir uns in den letzten Tagen mit der Frage beschäftigt haben, woher wir kommen, wenden wir uns in den nächsten Tagen zu der Frage: Wer sind wir? Eine gängige Definition des Menschen ist:

Der Mensch ist ein denkendes Tier – ein animal rationale.

Wir haben viel mehr mit den anderen Lebewesen dieser Welt gemeinsam als uns lange bewusst war. Lange wurde der Mensch als das einige Lebewesen gesehen, dass denken und fühlen kann, zu Logik und zu Erinnerung fähig ist: die Krone der Schöpfung. Aber stimmt das?

Was unterscheidet uns von Tieren?

Tiere haben – das weiß jede, die sich damit beschäftigt – eine Seele, sie können denken, Aufgaben lösen, die mitunter sehr komplex sein können. Tiere haben Gefühle, die sind wunderbare BegleiterInnen auf unseren Wegen. Erst gestern habe ich mit einer Klientin darüber gesprochen, dass es Katzen auf Krankenschein geben sollte.😉. Tiere haben Sozialsinn, sie haben ausgefeilte Regeln für ein Miteinander.

Was den Menschen eigen ist:

Wir haben eine Neugierde, die uns Dinge sammeln lässt, die nicht zu gebrauchen sind: Wissen, Musik, Philosophie. Wir haben Freude daran, stundenlang imaginäre Dinge anzuschauen (TV, Internet). Und wir kennen den Krieg, die langfristige Planung von Rache, wir sind in der Lage, die Erde nachhaltig zu zerstören. Aber wir können auch Computer und Raumstationen entwickeln, Autos und Waschmaschinen.

Sei dir heute der Aufgabe bewusst, ein „denkendes Tier“ zu sein: sei freundlich zu einem Tier und sei freundlich zu deinen intellektuellen Fähigkeiten. Freu dich daran, Dinge zu tun, die völlig unwichtig für das Überleben oder die Fortpflanzung sind, die einfach nur schön sind!

24 Fragen über das Leben 2016: Woher komme ich? 6. Dezember: Kultur

6. Dezember 2016

nikolausWir stammen aus einer bestimmten Kultur: dem aufgeklärten Abendland. Wir haben viele tausend Jahre Geschichte hinter uns, die anders ist als die von Menschen anderer Länder.

Wir haben andere Werte, andere Bilder, andere Erzählweisen. Wir haben einen Hintergrund, auf dem wir Dinge verstehen: Märchen, Bilder, Mythen, Geschichtsbilder (Sissi, Maria Theresia, Hitler, Jesus, Einstein, Freud)

Oder heute: Nikolaus. Und dem Krampus.

Unsere Kultur ist nicht besser oder schlechter als andere, sie ist nur die uns bekannteste. Sie steckt tiefer in uns drinnen als uns bewusst ist: in tausend Ausdrücken, Metaphern und Redewendungen. Unsere Kultur stellt uns in eine Reihe mit unseren AhnInnen.

Unsere AhnInnen haben vor uns hier gelebt, und unsere Enkelkinder werden das nach uns (hoffentlich immer noch) tun. Wir stammen von Menschen ab, die wir nicht kennen, die uns aber stark beeinflussen, persönlich und kulturell.

Sei dir heute einen Augenblick der Tatsache bewusst, dass du in dieser Kultur zuhause bist, die du nicht gemacht hast, aber für die du verantwortlich bist. Was tust du, damit deine NachfahrInnen in einer angenehmen Kultur leben können?

 

24 Fragen über das Leben 2016: Woher komme ich? 5. Dezember: Gene.

4. Dezember 2016

dna-1811955_1280Woher wir kommen ist wohl auch eine Frage nach unseren Vorfahren und dem, was wir vererbt bekommen haben.

Als Watson und Crick 1953 die Struktur der DNS entdeckten, glaubte man, alle Geheimnisse der Menschen entdeckt zu haben. Man war überzeugt, dass diese Gene der Grund sind, warum wir genau so sind, wie wir sind. Seither sind die WissenschaftlerInnen ständig dabei, diese Genstruktur und ihre Auswirkung zu erforschen.

Bin ich die Summe meiner Gene, der Vererbung meiner Eltern und VorfahrInnen?

Sicher ist, dass wir wohl sehr stark davon bestimmt sind, was in unseren Genen steckt, viel davon können wir gar nicht beeinflussen. Aber die Forschung an eineiigen Zwillingen, die dieselben Gene haben, zeigt, dass das nicht alles ist:

Wir sind immer mehr als unsere Gene.

Wir haben außer über die Gene vieles erlebt, vieles übernommen: von den Eltern, den wichtigen Menschen in unserem Leben, von Erfahrungen, die wir gemacht haben. Wir sind bei weitem nicht durch unsere Vererbung vorprogrammiert.

Was ist bei dir ähnlich wie bei anderen Familienmitgliedern? Was (ganz) anders? Wo bist du so wie deine Eltern, Geschwister, weiteren Verwandten? Wie weit sind dir deine Kinder ähnlich? Stell dich heute bewusst in die Reihe deiner Familie, du bist ein Glied dieser Kette.

 

24 Fragen über das Leben 2016: Woher komme ich? 4. Dezember: Erde.

3. Dezember 2016

IMG_1243Weitere 50 Jahre später, um 450 vor Chr. machten sich zwei weitere Philosophen Gedanken über die Herkunft des Lebens, diesmal in Sizilien.

Parmenides findet, dass die Erde der Urstoff ist,

und sein Kollege Empedokles kommt zu der Erkenntnis, dass es vier verschiedene Elemente gibt, die sich immer wieder neu miteinander verbinden.

Erde als das, was uns trägt und nährt, woraus wir bestehen, was uns ausmacht.

Dazu fällt mir ein Text ein, der aus der Bibel kommt: Bedenk, oh Mensch, du bist aus Erde und wirst zur Erde zurückkehren.

Und ein Liedtext:

Aus dir, Erde, komm ich. Auf dir, Erde, leb ich. Zu dir, Erde, werd ich. Danke für mein Leben!

Gleich ist diesen Texten die Erinnerung, dass Erde etwas ist, aus dem wir kommen und zu dem wir zurückkommen. In gewissem Sinn ist unser Körper – seine Teile – unsterblich: es sind dieselben Atome, die schon beim Urknall dabei waren, aus denen Dinosaurier gewesen sind – und heute sind diese Elemente mein Körper. Das wird nicht so bleiben: auch dieser Körper wird sich auflösen, und etwas Neues wird aus dem entstehen, was ich heute meinen Körper nenne.

Nimm dir heute Zeit, bewusst auf der Erde zu sein: lass ich von ihr tragen, vielleicht hast du Gelegenheit, sie anzugreifen, ihre Form, ihre Festigkeit – und heute vermutlich ihre Kälte zu spüren. Geh ein paar Schritte in der Dankbarkeit für diese Erde, aus der du gekommen bist und die dich wieder aufnehmen wird.

 

24 Fragen über das Leben 2016: Woher komme ich? 3. Dezember: Feuer

2. Dezember 2016

fire-175966_1280Wir gehen wieder 50 Jahre weiter, bleiben in der heutigen Türkei, gehen aber ca 100 km weiter nach Norden: nach Ephesus. Dort lebte um 500 vor Heraklit, der das Feuer als das zentrale Element des Lebens sah.

Feuer ist: Sonne, Wärme, Nahrung, Licht.

Wenn wir uns nach dem Feuer fragen, fällt uns die Sonne ein, die das Leben auf der Erde erst möglich macht.

Wir denken an die Wärme, die wir selbst produzieren indem wir Kalorien verbrennen. (Ja, Kalorien sind kein böses Wort, das wir besser vermeiden sollten. Es ist der Grund, warum wir am Leben bleiben!).

Wir brauchen Feuer, um uns zu wärmen und zum kochen.

Wir brauchen von der Sonne das Licht, viele von uns leiden im Winter, wenn zu wenig davon auf uns trifft. Licht ist das, wonach sich alles streckt. Wir schauen ins Feuer, es ist eine Möglichkeit, nachzudenken und zur Ruhe zu kommen.

Nimm dir heute Zeit, ins Feuer / in einer Kerze zu schauen oder ein paar Minuten in der Sonne zu sein!

 

24 Fragen über das Leben 2016: Woher komme ich? 2. Dezember

1. Dezember 2016

blue-sky-1585764_1280Etwa 80 Jahre nach Thales stellte sich ein Herr Anaximenes dieselbe Frage. Auch er war in Milet zuhause, für ihn war aber nicht das Wasser sondern die Luft der Stoff, aus dem alles entstanden ist.

Auch das ist ein interessanter Gedanke, der uns nicht fremd vorkommt:

Luft ist lebenswichtig!

Wir brauchen die Luft notwendig zum Leben, wir sterben innerhalb weniger Minuten, wenn wir keine Luft bekommen.

Die Bedeutung, die Luft für uns hat, sehen wir auch an Sprüchen wir: ich brauche dich wie die Luft zum Atmen, mir schnürt sich der Atem ab.

Atem ist das, was uns lebendig macht. In der Bibel haucht Gott den Lebewesen den Atem ein. Wir machen den ersten Atemzug bei der Geburt und bleiben bis zum letzten Atemzug bei jemandem.

Atmen kann man zur Meditation einsetzen oder zur Beruhigung, als Zeitmesser oder auch zum Steigern von Gefühlen.

Nimm dir jetzt gleich ein paar Atemzüge lang Zeit, für die Luft dankbar zu sein, die dir das Leben gibt.

Einatmen – ausatmen -einatmen – ausatmen.