Beziehungs-ABC: XY wie „Diese Sache mit den Chromosomen“

27. Mai 2019

XY oder „Diese Sache mit den Chromosomen“

Was ist typisch für wen? Wie verhält sich eine Frau / ein Mann? Wir sind viel zu schnell dabei, ein Verhalten oder ein Aussehen einem Geschlecht zuzuordnen, und es ist umgekehrt oft schwer, es nicht zu tun. Aber es wird nie jemandem gerecht.

Auf der einen Seite nicht, weil es weder ein typisch weibliches, noch ein typisch männliches Verhalten gibt (alle LGTBQ fallen sowieso da nicht automatisch hinein), und auf der anderen Seite nicht, weil jeder Mensch einzigartig ist: eine wunderbare Mischung verschiedener Eigenschaften.

Denn es gibt Menschen, die sind zärtlich, liebevoll, emotional, fürsorglich, empathisch und warmherzig. Es gibt Menschen, die sind effizienzorientiert, strukturiert, rational, durchorganisiert, zielstrebig. Es gibt Menschen, die sind musikalisch, spirituell, kreativ und Menschen, die sind knallhart, kühl und logisch. Es gibt Menschen, die sind gut und solche, die das nicht sind. Es gibt hinterlistige Menschen und solche, die offen sind wie ein Buch. Es gibt Menschen, die grausam sind und gewalttätig, und solche, die sich mit allen Mitteln für Frieden und Verständigung einsetzen.

Und all das hängt weder vom Geschlecht ab, noch von den Genen oder sonstigen von der Natur vorgegebenen „selbstverständlichen“ Dingen. Die Grenze zwischen all diesen Eigenschaften geht also weder durch die Geschlechter noch die sexuelle Orientierung, denn sie geht gar nicht zwischen den Menschen hindurch. Die Grenze verläuft innerhalb der einzelnen Menschen, durch die Herzen und Köpfe der Einzelnen.

JedeR von uns kann alles sein, und ist es auch immer wieder. Klar, wir haben Eigenschaften, die wir öfter anwenden und andere, die wir nicht so oft benutzen. Manchmal sind wir richtig gut, da sind wir stolz auf uns selbst. Und manchmal sind wir gemein und böse, auch wenn wir das nicht so gerne an uns haben.

Es ist schön, dass es diese große Vielfalt gibt, die uns alle einzigartig macht. Niemand hat das Recht, sich mit anderen Menschen zu vergleichen, weil wir immer nur einen kleinen Teilaspekt mit anderen gemeinsam haben. Auf diesem kleinen Teilaspekt kann man sich vergleichen, aber dann bleiben noch die vielen, unendlich vielen anderen, die wir gar nicht mit diesem einen Menschen teilen. Es gibt also Eigenschaften, die wir haben, die andere Menschen auch haben, aber niemals alle. Das ist das Wunder der Vielzahl!

„Es gibt dich, es gibt mich. Und dass ich eine Frau bin, bedeutet nicht, dass du irgendetwas über mich weißt, über meinen Charakter, meine Fähigkeiten, meine Vorlieben, meine Eigenarten. Du musst mich kennenlernen, damit du weißt, welche spezielle Mischung aus all den möglichen Eigenschaften der Menschen die meinen sind!“ Das ist die Einladung und das große Abenteuer von Beziehungen!

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Beziehung-ABC: W wie Wir schaffen das!

13. Mai 2019

W wie Wir schaffen das!

Eine wichtige Eigenschaft in der Beziehung ist Optimismus. Wer sich immer nur Sorgen macht, wer ständig das Schlechteste erwartet, wird auch viel eher genau das Schlechte erreichen. Denn es gibt tatsächlich diese selbsterfüllenden Prophezeiungen.

Positiv zu sein bedeutet nicht, alle Probleme unter den Teppich zu kehren (das wäre Verdrängung) oder alles schön zu reden (das wäre unwahr). Positiv zu sein bedeutet, dass es einen großen Unterschied macht, ob man sich mit den Problemen, die sich im Laufe der Zeit stellen, im Modus des Vertrauens nähert oder im Misstrauen, ob man daran glaubt, dass es einen Weg aus der Krise gibt oder ob man sehr oft das Ganze einfach hinschmeissen will (oder damit droht).

Vertrauen stärkt die Hoffnung, dass unser gemeinsames Projekt gut ausgehen wird, dass wir immer wieder einen Weg finden werden, weil es einfach gut ist, mitsammen unterwegs zu sein. Das Gefühl der Liebe muss nicht die ganze Zeit da sein, das wäre zu viel verlangt. Aber Liebe ist mehr als ein Gefühl: es ist eine Entscheidung, miteinander wohlwollend zu sein. Diese Entscheidung entsteht aus dem Gefühl, und wenn das Gefühl dann eine Zeitlang nicht leicht zu finden ist, trägt die Entscheidung dennoch durch diese Krise.

Dabei ist eines wichtig: Genauso wenig, wie mich an einem kalten Wintertag die Erinnerung daran, dass es im Sommer wieder warm sein wird, auch nur um ein Grad wärmt, und mir immer noch genauso kalt ist wie vorher, fühlt sich die Erinnerung an das gerade nicht vorhandene Liebesgefühl wohlig oder liebevoll an. Nein, es fühlt sich genauso kalt oder leer an – aber der Unterschied ist im Kopf (nicht im Herz): die Hoffnung darauf, dass es eines Tages wieder warm sein wird, lässt mich die Kälte des Winters ein Stück leichter ertragen. Der Unterschied ist nicht fühlbar (wir können immer nur im Augenblick fühlen), der Unterschied ist in der Erkenntnis!

Und so kann auch die Hoffnung darauf, dass es eines Tages wieder leichter zwischen uns wird, dabei helfen, die Krisenzeiten positiv zu bewältigen. Aber erwarten Sie sich nicht, dass es dadurch weniger anstrengend wird – es wird nur vorstellbarer! Der Weg zueinander ist niemals leicht, aber immer lohnend, denn schließlich haben wir ja irgendwann beschlossen, dass es besser ist, gemeinsam zu sein als ohne einander, und dafür hatten wir einen guten Grund: wir lieben einander. Wenn aus uns Lieb-Haber*innen eines Tages dann Recht-Haber*innen, oder sogar Macht-Haber*innen geworden sind, dann haben wir nicht nur die Liebe zueinander, sondern meist auch ein Stück von selbst verloren.

Wir schaffen das!

Beziehungs-ABC: V wie Vergangenes begleitet uns

29. April 2019

V wie Vergangenes begleitet uns

Wir haben eine lange Geschichte: jedeR für sich, und auch gemeinsam. Diese Geschichten sind unsere ständigen Begleiter. Im letzten Eintrag haben wir über das Unbesprochene und Unbestrittene nachgedacht, das unsere Beziehung belastet. Daher wenden wir uns heute den Dingen zu, die wir im Rucksack mit uns herumtragen, die wir jede aus den eigenen Erfahrungen mitgebracht haben.

Wenn eine von uns etwas tut, was der/dem Anderen aus einer früheren Beziehung schmerzlich bekannt ist, dann möchten wir gerne, dass der/die Andere damit aufhört, weil es uns weh tut. Das ist ein verständlicher Wunsch, und oft kann dem auch nachgekommen werden. Aber das ist ein Geschenk unseres Partners, dass er uns machen kann. Oder auch nicht. Weil was uns beängstigt oder ärgert, ist unsere Geschichte und nicht die Verletzung, die uns die Partnerin zumutet.

Denn wenn jemand etwas macht, ohne mir weh tun zu wollen, und die Sache auch an sich nicht verletzend ist, dann ist es meine persönliche Angst / Narbe, die mir da weh tut, und nicht der Fehler meines Partners. Und wenn ich etwas mache, was meinen Partner ärgert, weil das seine frühere Partnerin auch getan hat, die Handlung aber selbst nicht für jeden ärgerlich wäre, dann ist das sein Problem. Wenn wir freundlicherweise damit aufhören, weil wir nett sind, dann ist das ein Geschenk, und kein Recht, das wir einfordern könnten.

Sehr häufig bedeutet „du verletzt mich“ im Grunde „du erinnerst mich an alte Verletzungen“, und dann kommt es zur Angst, dass diese Verletzung sich wiederholen könnte. Wenn also zB meine Partnerin gelegentlich zu spät kommt, und ich das in einer früheren Partnerschaft als ausgesprochen respektlos erlebt habe, dann muss ich mir gut überlegen, ob das hier wieder der Fall ist. Oder ob nicht viel mehr meine Angst, dass ich unter derselben Respektlosigkeit wieder leiden könnte, das ist, was mich am meisten beschäftigt.

Dann darf ich mir die Behandlung meiner Wunden ermöglichen, dann darf ich mich selbst versorgen oder mir Hilfe holen, dann darf ich mich trösten und in den Arm nehmen lassen, auch von meinem Partner – solange mir und ihm klar ist, dass es gerade mein Problem ist, das ich versorge und nicht er sich ändern muss, nur damit ich mich nicht an meine Verletzungen erinnern muss. Ich kümmere mich um meine Narben und Ängste, und er sich um seine. Mit denen wiederum muss ich mich nicht beschäftigen, ich kann aber mit ihm darüber reden, kann klären, was ich mir denke, warum ich etwas mache – und vor allem: dass ich ihn liebe, auch wenn ich das weiterhin mache. Denn es ist nicht mein Problem, wenn er Angst hat. Aber alleine lassen werde ich ihn auch nicht in seiner Angst – also reden wir drüber, tröste ich ihn, halte ihn und sage ihm, dass ich ihn liebe. Und traue ihm zu, mit seinen Problemen fertig zu werden, so wie auch ich das von mir verlange. So ist allen geholfen, und wir erlauben einander sehr viel mehr.

Dann können wir einander gut so sein lassen, wie wir sind, und können gemeinsam darüber reden, wie wir mit unseren Unterschieden und Spannungen umgehen können. Wenn jedeR für sich selbst verantwortlich ist, bleibt viel mehr Kraft für das Gemeinsame, dass zu tun ist. Wenn wir nicht unsere Energie für gegenseitige Vorwürfe verschwenden, können wir uns dem zuwenden, was wir miteinander zu bewältigen haben. Dann können wir Hand in Hand unseren Weg gemeinsam gehen. Statt einander zu bekämpfen sind wir dann in der Lage, gemeinsam alle Widrigkeiten des Lebens zu meistern.

Beziehungs-ABC: U wie Unbesprochenes und Unbestrittenes

8. April 2019

U wie Unbesprochenes und Unbestrittenes

Wie verführerisch ist es doch, einfach „um des lieben Frieden willens“ nichts zu sagen, sich seinen Teil zu denken, nicht „unnötig einen Streit vom Zaun zu brechen“, die Dinge lieber unter den Teppich zu kehren, in der Hoffnung, dass sie von alleine verschwinden werden.

Damit wir uns richtig verstehen: ich bin durchaus auch der Meinung, dass nicht jeder Gedanke ausgesprochen sein muss, dass es manchmal klug ist, für den Moment nichts zu sagen, in der Erwartung, dass die Emotion, die man gerade hat, wieder vorbeigehen wird – denn das geschieht sehr oft, und dann ist es auch gut so.


Aber es gibt auch viele Themen, die angesprochen werden müssen, damit sie nicht als unausgesprochene Belastung zwischen uns hängen bleiben. Damit sie nicht bei nächster Gelegenheit als Waffe verwendet werden („immer bist du so, erst letztens hast du …!“) oder als Verletzung auf der Seele liegen bleiben. Diese Gespräche sind niemals einfach, und sie nicht zu einem Streit werden zu lassen, ist eine hohe Kunst. Aber selbst, wenn uns das nicht gelingt, und wir doch streiten – besser so, als sie liegen uns auf der Seele (und im Magen). Was nicht ausgesprochen wurde (und noch immer weh tut), ist wie eine Tretmine in der Beziehung. Und wenn man viele dieser gefährlichen Themen hat, dann erlahmt das Gespräch irgendwann, weil es dann das reinste Minenfeld wäre – und wer macht das schon freiwillig?

Wie kann das gelingen? Wir haben in der ganzen ABC-Reihe schon immer wieder die Grundzüge eines guten Gespräches aufgezeigt: es geht darum, die andere Person nicht dafür zu beschuldigen, dass sie so ist, wie sie ist, sondern gemeinsam einen Weg zu finden, mit den Unterschieden zwischen uns beiden umzugehen. Es wäre immer einfacher, wenn sich der/die Andere ändert – schon wäre ich mein Problem los. Aber das würde ja umgekehrt auch bedeuten, dass ich mich entsprechend der Wünsche meiner PartnerIn verändern müsste – und das geht doch gar nicht, oder?

Also: „Du darfst sein, wie du bist, und ich darf sein, wie ich bin.“ Wie finden wir einen Weg, mit den Unterschieden umzugehen? Wenn mich etwas an meinem Mann stört, dann habe ich ein Problem, und nicht er. Denn bloß weil es nicht so geht, wie ich mir das vorgestellt habe, ist das noch lange kein Grund, dass mein Partner sich ändern muss. Ich kann doch genauso gut meine Vorstellung ändern. Aber es muss wechselseitig sein: ich will auch gerne, dass er sich seine Probleme behält und nicht mir umhängt…

Und wenn wir diesen – meist unangenehmen – Gesprächen nicht aus dem Weg gehen, sondern uns mutig einander zumuten, wenn wir jedeR für sich versuchen, unsere Probleme zu lösen und einen guten Weg miteinander zu finden, dann wird das Unbesprochene /Unbestrittene sich auflösen und weder beim nächsten Streit als Waffe eingesetzt werden, noch länger auf unserer Seele als Verwundung liegen. Sie sehen also: es zahlt sich aus, sich diese Mühe zu machen. Am Schluss, wenn es uns gelungen ist, werden wir zu einer tieferen Intimität und eine größeren Vertrautheit, zu einer schöneren Liebe finden.

Beziehungs-ABC macht Pause.

25. März 2019

Ich war am Wochenende auf einer Hypnosetagung, und hatte daher keine Zeit, einen Beitrag vorzubereiten. Dafür bin ich mit vielen Anregungen zurückgekommen, wieder mehr Hypnotherapie in meine Arbeit einzubauen. Wer mich kennt, weiß, dass ich das sowieso sehr oft mache (wenn auch nicht die „große Trance“, sondern eher die „kleine Trance zwischendurch“).

Und einen kleinen Witz habe ich auch mitgebracht, der leider sehr wahr ist: „Herr Minister, Sie sind sehr überzeugend, alle denkenden Menschen werden Sie wählen!“ – „Oje, das ist mir nicht genug. Ich will eine Mehrheit.“

Beziehungs-ABC: T wie Trennungen sind nie einfach.

18. März 2019

T wie Trennungen sind nie einfach.

Es gibt sehr, sehr wenige Paare, die sich eine Trennung leicht machen – entgegen der allgemeinen Ansicht, dass sich heute Menschen „einfach so“ verbinden oder dann auch wieder trennen. Trennungen sind meist schmerzhafte Prozesse, die mit vielen Überlegungen, Tränen, oder auch Wut einhergehen können.

Meistens ist es ja so, dass die Trennung nicht gleichzeitig von beiden Seiten gewünscht wird, sondern dass eine Seite beschließt, einen Schlussstrich zu setzen, und die andere Seite wusste entweder noch gar nichts davon, oder ist jedenfalls selbst noch nicht so weit. Diese Spannung ist für beide Seiten schwierig auszuhalten.


Auf einmal ist man wieder alleine, auf einmal ist alles anders, auf einmal steht man vor der Türe. (Dass meist die andere Seite sagt, es hätte sich doch schon längst angekündigt, ändert nichts daran, dass man sich so fühlt, als wäre es „out of the blue“ gekommen!) Für die Alleine-Gelassenen fühlt es sich an, als ob sie aus einer Welt gefallen wären, die vorher noch sicher und planbar war – und jetzt ist auf einmal alles ganz anders. Man ist nicht nur mit der eigenen Wut oder Fassungslosigkeit konfrontiert, man muss sich auch völlig umstellen: von der Tatsache, dass man sich (wieder) alleine um alles kümmern muss bis hin zum leeren Bett, das so kalt und groß erscheint ohne die/den PartnerIn.

Aber auch für die Seite, von der die Trennung ausgeht, ist nicht der/die GewinnerIn. Es fühlt sich nicht gut an, jemanden zu verlassen, es gibt keine „elegante“ Art, das zu tun, man will dem/der Anderen nicht weh tun, schließlich war man ja lange Zeit zusammen und hat einander auch einmal wirklich geliebt. Diesem Menschen weh zu tun ist niemandem egal. Wir suchen nach einer guten Trennung, aber die gibt es nur sehr selten. Denn der Teil, der geht, ist in seinen Gedanken, Plänen und oft auch Taten dem anderen Teil einfach ein paar Wochen oder Monate voraus. Man selbst hat lange darüber nachgedacht, mit FreundInnen gesprochen, eine Zukunft geplant – und der andere nicht. Der andere Teil ist gekränkt, überrascht, oft auch (begründet oder nicht) eifersüchtig – und man selbst kommt sich bei all dem wie einE VerräterIn vor.

Dazu kommt noch die finanzielle und rechtliche Situation, die geklärt werden muss: wer wohnt wo, wer zahlt was, wer kümmert sich um welche Angelegenheiten, wem gehören welche Möbel, etc? Oft hat man das Gefühl, vollkommen überfordert zu sein. In diesen Fällen kann es gut sein, sich jede Menge Hilfe zu holen, von FreundInnen, Familie, bis hin zur Rechtsberatung und Psychotherapie. Bleiben Sie nicht alleine in so einer Situation – es ist so schon schwer genug!

Bitte versuchen Sie beide, die Kinder so weit als möglich draußen zu lassen: das geht die nichts an! Aber so viel sei darüber gesagt: nicht alle Kinder haben lieber, dass die Eltern beisammen bleiben! Ich habe schon so oft gehört: „Ich hätte mir gewünscht, dass sich meine Eltern getrennt hätten!“ Kinder wollen vor allem anderen, dass sie in Ruhe aufwachsen können, und das geht nur, wenn es beiden Eltern gut geht. Wenn das gemeinsam ist – gut. Wenn das aber nicht mehr geht, dann ist es für die Kinder besser, wenn sich die Eltern trennen. Denn dauernder Streit oder auch latente Spannungen sind für Kindern schlimmer als eine klare Trennung.

Trennungen sind nie einfach. Das ist leider so – oder zum Glück, sonst würden wir es leichtfertig machen. Versuchen Sie, die Wut, die Enttäuschung, den Schmerz in sich leben zu lassen (und dabei auf der legalen Seite zu bleiben!), finden Sie eine Form, mit diesen Gefühlen klar zu kommen und lassen Sie sich Zeit. Irgendwann wird der Schmerz / die Enttäuschung / die Wut kleiner und verschwindet wieder, dann sind Sie wieder bereit, sich neu auf jemanden einzulassen, auch wenn Ihnen das jetzt gerade sehr unwahrscheinlich vorkommt. Das Leben geht immer weiter, und neues Glück ist immer möglich!

Beziehungs-ABC: S wie Schwiegerfamilien sind nicht immer einfach.

11. März 2019

S wie Schwiegerfamilien sind nicht immer einfach.

Es gibt so unendlich viele Witze über Schwiegermütter, dass man schon fast nicht mehr glauben kann, dass man sich auch gut mit den Schwiegereltern verstehen kann. Aber: Ja, es gibt genug Familien, für die das gar kein Thema ist, weil sie sich einfach gut verstehen. Für die ist der heutige Beitrag nicht, die dürfen sich genüsslich zurücklehnen und einander zufrieden auf die Schulter klopfen: das haben wir gut gemacht!

Für alle anderen: damit man sich mit den Schwiegereltern / SchwägerInnen / Schwiegerkindern versteht, gibt es ein paar Regeln, die zu beachten sind. Denn dass es so viele Witze darüber gibt, zeigt, dass es ein heikles Feld ist, auf dem viel schief gehen kann. Denn Eltern sind auf der einen Seite für viele Menschen wichtige Bezugspersonen, auf der anderen Seite aber gibt es jetzt eineN neueN PartnerIn, die die wichtigste Person im Leben ist.

Umgekehrt ist es auch nicht leicht, das Kind, das einem lange so nah und für das man so wichtig war, und das man so gut zu kennen glaubt, an einen Menschen „abzugeben“, der einen großen Einfluss auf das Kind hat (das natürlich schon längst erwachsen ist und auch von ganz anderen Menschen schon viel gelernt und übernommen hat). Das Kind entfernt sich von den Eltern, das ist ein schmerzhafter Prozess, und ein Schwiegerkind kann dann auch als Gefahr wahrgenommen werden: jetzt geht er/sie ganz von uns weg! Und verändert sich auch noch so sehr, dass wir am Schluss vielleicht gar nicht mehr zusammenpassen!

Wichtig für beide Seiten ist erst einmal die gegenseitige Anerkennung der guten Intention der anderen, das Verständnis. Und Respekt: man will weder belehrt noch entmündigt werden, man will weder belächelt noch verachtet werden, man will geschätzt und anerkannt werden in der je eigenen Art, mit der eigenen Gewohnheit, mit der guten Absicht, die man hat. Die fremde Familie, die einem da auf einmal so nah ist, und die man sich ja nicht ausgesucht hat, ist immer anders: viel kann man nicht verstehen oder findet man komisch oder unangenehm. Aus Respekt dem Kind /PartnerIn gegenüber soll man versuchen, dieses Anderssein der anderen Familie zu lassen. Das geht leichter, wenn man sich bewusst ist, dass die anderen die je eigenen Gewohnheiten vielleicht auch befremdlich findet…

JedeR ist, wenn die Eltern da sind, in einem Loyalitätskonflikt, denn da steht man zwischen Menschen, die man (hoffentlich) liebt und von denen man hofft, dass sie sich verstehen. (Wir haben ja auch gerne, wenn unsere Freunde sich untereinander verstehen, und im Grunde ist es nicht viel anders.) Als PartnerIn kann ich versuchen, nicht gegen die Schwiegereltern zu konkurrieren, anzukämpfen, sondern freundlich zu ihnen zu sein, irgendetwas Gutes hat jeder Mensch! In der Position der Schwiegereltern gilt das genauso: respektiere die neue Frau / den neuen Mann im Leben deines Kindes, und akzeptiere, dass er/sie sich dadurch verändert (das haben wir ja in unseren Beziehungen auch gemacht!)

Das obige Bild mag ich gerne: es ist nichts falsch an dem einen Stein in der Mitte: es ist ein Pflasterstein, so wie die anderen auch. Aber es ist auch nichts falsch an den grauen Steinen: es sind ebenfalls Pflastersteine. Dass der eine Stein nicht zu den anderen passt, bedeutet also nicht, dass er falsch ist oder die anderen es wären. Es passt nur eben nicht genau zusammen. So ist das in der Schwiegerfamilie auch: richtig, aber nicht ganz einfach. Doch mit etwas gutem Willen, einem Schuss Humor und einer Prise Gelassenheit kann das wirklich gut gelingen!

Beziehungs-ABC: R wie richtig oder falsch?

4. März 2019

Beziehungs-ABC: R wie richtig oder falsch?

In jeder Beziehung gibt es Meinungsverschiedenheiten, und das ist immer schmerzhaft. Und meist mit der Frage verbunden: wer von uns beiden hat Recht? Und damit auch: wer irrt, wer täuscht sich, wer hat etwas / alles falsch gemacht?

JedeR hat Recht, weil jedeR hat ihre/seine eigene Geschichte, aus der heraus die eigene Argumentation logisch erscheint. Niemand macht etwas, das für ihn/sie selbst falsch erscheint. Selbst wenn wir im Nachhinein oft denken, dass wir etwas gemacht haben, was im Nachhinein nicht als so sinnvoll erscheint: in dem Moment, in dem ich etwas gemacht habe, erschien es mir als eine gute Idee.

Nun aber decken sich die eigenen Erfahrungen, die eigene Deutung von Erlebnissen nicht automatisch mit denen unserer PartnerIn. Und so kommt es zu Meinungsverschiedenheiten, die dann leicht in einen Streit münden.

Wir fühlen uns angegriffen, wenn jemand unser Erleben anzweifelt – und das zu Recht. Denn was ich fühle, wie ich etwas erlebe oder wie es mir mit etwas geht – das kann mir niemand wegnehmen. Andererseits aber muss uns klar sein, dass mein Erleben nicht automatisch für andere auch logisch, und damit richtig, ist. Das bedeutet, dass wir das Erleben der/s Anderen zu respektieren haben, wie wir auch einfordern dürfen, dass das für unsere Gefühle gemacht wird. 

Das Beste, was wir tun können, ist in Ruhe miteinander darüber zu sprechen, was jedeR von uns erlebt hat, warum wir so gehandelt oder geredet haben. Wir können einander immer besser verstehen, und wenn wir uns verstanden – und nicht kritisiert fühlen, dann fällt es uns leichter, wieder einen Weg miteinander zu finden.

Beide haben wir Recht: Recht auf unsere Gefühle, aber nicht Recht darauf, dass die auch für alle anderen richtig sind. Ein gutes Miteinander wird einen Weg suchen, bei dem wir beide bestehen können, und wenn wir uns verstanden oder wenigstens respektiert fühlen, dann sind wir auch eher bereit, die Sichtweise der PartnerIn zu respektieren.

Beziehungs-ABC: Q wie Querschläger, Fehltritte und Ausreißer

26. Februar 2019

Q wie Querschläger, Fehltritte und Ausreißer

Es sollte nicht sein, wir wollten es nicht, wir „rutschen“ da in etwas hinein, das so nie geplant war. Aber es kommt dennoch vor, und zwar gar nicht so selten, und sowohl bei Männern wie auch bei Frauen: der Fehltritt. Die Affäre, die Außenbeziehung, die Freundin / der Liebhaber.

Wenn Menschen gefragt werden, wie es dazu gekommen ist, ist die Antwort meist, dass die eigene Beziehung schal geworden ist, dass sie sich nicht mehr geliebt gefühlt haben, dass sie schon lange Zeit nur noch nebeneinander her gelebt haben.

Die andere Variante ist, dass man der PartnerIn „nichts wegnimmt“, weil der Sex sowieso schon lange keine Rolle mehr gespielt hat, nur noch Routine war, oder wegen der Kinder einfach nicht mehr stattfindet. Aber jetzt, mit dem Liebhaber/ der Freundin – da ist alles wieder neu und aufregend! Und mit einem Mal fühlt man sich wieder jung, sexy, geliebt!

Eine Außenbeziehung ist immer eine unglaubliche Krise für jede Beziehung, mit der niemand leicht fertig wird. Viele scheitern daran, der „Scheidungsgrund“ wird zur neuen Beziehung, was manchmal gut geht, oft aber auch nicht.

Wenn man aber die Beziehung nicht aufgeben will, ist es wichtig, dass sich alle Beteiligten bewusst sind, dass jede der drei Personen der Dreiecksbeziehung dabei etwas gewonnen und etwas verloren haben:

Die Person, die fremd gegangen ist, hat natürlich eineN FreundIn, mit der/dem man eine Weile lang unkompliziert flirten / Sex haben / tolle Gespräche führen etc. konnte. Aber sie hat auch etwas verloren: nämlich das Gefühl, irgendwo ganz geliebt zu sein, mit allen Seiten angenommen. Und man muss immer lügen, was gar nichts so einfach ist, denn die Wahrheit drängt ans Licht.

Die Person, die betrogen wurde, hat natürlich verloren: das Vertrauen wurde missbraucht, sie wurde angelogen, hintergangen. Aber sie hat auch etwas gewonnen: sie hatte eine Weile „Ruhe“ von ihrer PartnerIn, und sie kann sich bequem zurücklehnen und die alleinige Schuld an der Krise der anderen Person zuschieben.

Und die Affäre, die hat auch beides: auf der einen Seite eine interessante Beziehung, ohne Komplikationen, ohne Alltag, meist mit schönen Geschenken und Ausflügen. Aber sie ist auch immer nur die „Nummer 2“, alle Feiertage, Urlaube und die meisten Wochenenden ist sie alleine, muss sich immer nach den Möglichkeiten der Ursprungsfamilie richten.

Wenn man sich also bewusst ist, dass alle drei Personen von der Situation auf der einen Seite profitiert haben, auf der anderen Seite verloren haben – nur dann ist es möglich, ohne ständige Vorwürfe, schlechtes Gewissen, Entschuldigungen – und dann wieder Ausbruchsversuchen – aus der Krise wieder heraus zu kommen. Aber einfach ist es nicht, und meistens ist professionelle Hilfe angeraten.

Dennoch: die gute Nachricht ist: alle Paare, die wieder zueinander finden wollen, können das auch tun. Selbst nach einem Querschläger!

Beziehungs-ABC: P wie Patchwork, oder: wie geht das mit uns allen?

11. Februar 2019

P wie Patchwork, oder: wie geht das mit uns allen?

In vielen Beziehungen ist patchworken der ganz normale Alltag: es wird ausgemacht, wann die Kinder bei welchem Elternteil sind, ausgehandelt, wer für was zuständig ist und abgesprochen, wie viel Verantwortung der Stiefelternteil für die Kinder hat. Was früher ungewöhnlich war, ist momentan eher die Regel als die Ausnahme.

Es ist für die Kinder wichtig, dass wir Erwachsene unsere Rollen klar trennen und sie nicht in unsere Ex-Beziehungsprobleme einschalten. Was so einfach klingt, ist doch mitunter so schwierig! Da ist die Neue des Ex, die man für inkompetent hält. Da ist die Mutter der Kinder, die schlecht über den Vater redet oder dem Vater seine Rechte vorenthält. Da gibt es Paare, die nicht miteinander, sondern nur über die Kinder kommunizieren. Und es gibt natürlich die neuen PartnerInnen, die versuchen, einen Kontakt mit den Stiefkindern herzustellen. Oft gibt es auch noch Stiefgeschwister, die das Ganze zusätzlich bereichern.

Kinder haben es schwer genug, wenn sich die Eltern getrennt haben. Sie müssen mit der neuen Situation fertig werden, die sie meist jedenfalls am Anfang nicht besonders mögen. Aber sie schaffen das, wenn die Erwachsenen sie nicht zusätzlich damit belasten, die Probleme, die sie miteinander nicht lösen konnten, jetzt „für die Eltern“ lösen zu müssen. Kinder können sich sehr gut auf die neue Situation einlassen, wenn sie bemerken, dass es den Eltern nun besser geht als vorher, wenn sich die Situation beruhigt und sie sehen, dass alle entspannt sind.

Was Kinder wirklich wollen, ist, dass es ihren Eltern gut geht. Das ist ihnen wichtiger als die Frage, ob diese beisammen bleiben oder sich trennen.

Immer wieder erzählen mir Menschen als Grund dafür, warum sie sich nicht trennen: „wegen der Kinder“. Ich halte dagegen: Kinder leiden mehr darunter, wenn die Eltern in Unfrieden beisammen bleiben oder sogar streiten. (Und wenn Sie glauben, Sie könnten irgendetwas vor Ihren Kindern verbergen, täuschen Sie sich nicht: niemand kennt Sie so gut wie Ihre Kinder. Die haben jahrelanges Training darin, Ihre Stimmungen und Mimik zu deuten, die haben ja lange nichts anderes gekonnt oder verstanden als das!)

Die Aufgabe besteht also darin, die Kinder in Ruhe ihre Beziehungen zu den getrennten Eltern aufbauen zu lassen, zu neuen PartnerInnen zu ermöglichen und darauf zu vertrauen, dass sich am Schluss eine gute Struktur für alle finden wird. Alle Eltern sind aufgefordert, das ebenfalls in Ruhe zu tun: auf sich schauen, ihre Prioritäten klären, die Ex-Beziehung verabschieden, die Kinder der neuen PartnerIn freundlich, aber nicht übervorsichtig behandeln, darauf vertrauen, dass es gut gehen wird.

Patchwork ist Arbeit, wie es das Wort schon sagt. Aber das ist jede Beziehung ja sowieso. Und oft ergeben sich Kombinationen, die man sich gar nicht vorstellen konnte, die richtig gut sind, für Kinder und Erwachsene!