Beziehungs-ABC: M wie Männer mag man eben.

14. Januar 2019

M wie Männer mag man eben.

Ich bin eine Frau, das macht es mir auf der einen Seite leicht, über Männer zu schreiben, auf der anderen Seite unmöglich. Denn ich habe nicht die geringste Ahnung, was es bedeutet, ein Mann zu sein, wie sich das Leben für einen Mann anfühlt, oder auch nur: wie sich ein Männerkörper (von innen) anspürt. Und selbst wenn: es ist ja auch nicht jeder Mann gleich, alle haben ihre eigene Geschichte – und „wann ist ein Mann ein Mann“?

Ich kann aber sagen, was ich an Männern mag und was mir nicht so gefällt. Und überraschender Weise liegt das ziemlich nah beisammen, nur durch eine Nuance voneinander getrennt: Stärke, Macht, Überlegenheit, Kraft, Autorität, Konzentration.

Das alles mag ich, wenn es gut und gezielt eingesetzt wird: zu Gunsten einer Sache oder einer Person. Aggression ist eine Kraft, die im Menschen steckt, und die ihn in die Lage bringt, „Berge zu versetzen“, Erfindungen zu machen, Gegenden zu erkunden, Bereiche zu erforschen. Oder die ihn dazu bringt, sich ein Heim zu bauen und das gegen Angriffe zu verteidigen. Männer brauchen „soft skills“, aber dabei soll es nicht bleiben, auch die „hard skills“ sind wichtig!

Dieselbe Aggression aber, gegen andere eingesetzt (Kinder, Frauen, unterlegene Männer, aber auch Tiere oder die Natur an sich) mag ich nicht. Es ist erschreckend, wie mit Gewalt so leicht und so viel zerstört wird, was lebendig sein will. Damit meine ich nicht nur die großen und deutlichen aggressiven Handlungen, sondern auch die kleinen, beinahe unsichtbaren. Jemanden nicht ausreden lassen, sich vordrängeln, Blicke, die entwertend sind – all das ist darauf aus, die eigene Person gegen die andere durchzusetzen.

Das muss nicht sein, denn wahre Größe hat das nicht notwendig. Echte Helden, wahre Ritter, wirklich Mächtige setzen sich für eine Sache ein, ohne dabei andere zu zerstören. Ein Kampf gelegentlich muss vielleicht sein, aber erstens muss der Gegner dabei auf Augenhöhe sein und zweitens muss der Kampf fair geführt werden. Es soll nicht darum gehen, den anderen klein zu machen oder auszunutzen, sondern darum, Klarheiten zu schaffen, Kompetenzen zu klären oder Dinge zu beschützen.

Männer sind … unbegreiflich, unvernünftig, unverzichtbar, unergründlich – mit einem Wort: unbeschreiblich!

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Beziehungs-ABC: L wie Liebe, Lust und Leidenschaft

7. Januar 2019

L wie Liebe, Lust und Leidenschaft

Erst einmal willkommen zurück nach den Weihnachtstagen, dem Urlaub und alles Gute im Neuen Jahr 2019! Mögen all Ihre Sehnsüchte deutlich werden und viele davon in Erfüllung gehen! Das gilt auch für unser Thema Beziehung. Auch hier möge Ihnen viel gelingen, möge sie Ihnen Freude und Zufriedenheit bringen!

Liebe, Lust und Leidenschaft – all das sind schöne Dinge, die das Leben zu zweit so richtig beglückend machen. Vor allem zu Beginn einer Beziehung können wir meist gar nicht genug voneinander bekommen, können Hände und Münder nicht voneinander lassen, der/die andere riecht, schmeckt so gut, fühlt sich so schön an, …! Wir könnten ganze Tage im Bett miteinander verbringen, und oft tun wir das auch. Und das ist auch sehr gut so!


Finden Sie dennoch im Laufe der Zeit mehr Möglichkeiten als „nur“ Sex, um diese Leidenschaft miteinander zu leben! Denn die Zeiten ändern sich, man gewöhnt sich aneinander, ist nicht mehr so neugierig auf den Körper der/des anderen – der Alltag hat einen wieder. Das geschieht immer, ist unvermeidlich und sogar richtig, aber die Leidenschaft sollte dann nicht abnehmen müssen.

Suchen Sie gemeinsam nach Ausdrucksformen, die auch im Alltag leicht möglich sind: Berührungen, kleine Zärtlichkeiten, Kuscheleinheiten, Küsse. Gehen Sie miteinander tanzen oder betreiben Sie Sport, bei dem Sie einander berühren können, wo Sie miteinander auf ein Ziel hinarbeiten. Versuchen Sie auf viele Arten, die Freude aneinander, am Körper der/des anderen und an seinem/ihrem Dasein aufrecht zu erhalten.

Und vergessen Sie die lieben Worte nicht! Wir alle freuen uns über eine kleine Notiz, einen Brief, ein SMS, ein Mail – irgendeine Nachricht, die uns zeigt, dass die/der andere sich an uns wichtige Dinge erinnert, schon auf uns wartet, mit Liebe an uns gedacht hat – uns einfach liebt und uns das auch zeigt.

Das alles erhält die Leidenschaft, macht Lust aufeinander

und vertieft die Liebe.

Beziehungs-ABC: K wie Kinder und andere kreative Projekte

17. Dezember 2018

K wie Kinder und andere kreative Projekte

Viele Paare wollen irgendwann einmal Kinder, aus den verschiedensten Gründen: Weil es dazugehört, weil es schön ist, weil man etwas für die Gesellschaft tun will, weil Kinder herzig sind, weil man seiner Liebe Ausdruck geben will, weil man das Leben in all seinen Varianten kennenlernen möchte, … Jeder dieser Gründe ist gut und richtig.

Paare, die trotz eines starken Wunsches keine (eigenen) Kinder bekommen können, kommen dann leicht in eine Krise. Das Miteinander kann oft sehr mühsam und voller Vorwürfe werden, jeder misslungene Versuch die Frustration erhöhen, andere Paare mit erfülltem Kinderwunsch gemieden werden, und auf Dauer kann  das Thema sehr schmerzhaft und belastend sein. Die Frage, warum es bei einem nicht klappt, kann sich über das ganze Leben stellen und auch mitunter die Partnerschaft zerstören.

Kinder zu haben ist keine leichte Aufgabe: ständig ist man mit Situationen konfrontiert, über die man sich früher nie den Kopf zerbrochen oder die man sogar milde belächelt hat. Entscheidungen, die nicht ohne Bedeutung für ein Kind sind, sind beinahe täglich zu fällen: was sind die Erziehungsstrategien, welche Ernährung wählt man für sein Kind, welche Schule ist die richtige, wie geht man mit religiöser Erziehung um, wann muss es zuhause sein, wie viel darf es im Internet machen, …?

Keine Kinder zu haben (willentlich), ist auch nicht einfach: man wird immer gefragt, wie es denn jetzt damit ausschaut, wird vielleicht auch noch von unbedachten Äußerungen verletzt, man muss sich oft rechtfertigen für seine Lebensweise, ist Zielscheibe für Neid oder auch Mitleid.

Wie auch immer die Entscheidung aussieht: als Paar ist es wichtig, etwas zu haben, was über das Ich und Du hinaus geht, wo man gemeinsam an einem Projekt arbeitet, das einen verbindet. Kinder zu bekommen ist eine sehr gute Möglichkeit, sich kreativ zu betätigen (im Sinne von „erschaffen“), aber es ist nicht die einzige. Jede andere Lösung ist auch gut, von gemeinsamem sozialem Engagement bis zum Hobby, das wir teilen. Das alles gibt uns als Paar die Möglichkeit, „in eine Richtung“ zu schauen, statt immer nur „einander an“. Gemeinsame Versuche, Erfolge, aber auch Misserfolge schweißen zusammen, formen eine gemeinsame Geschichte, die uns verbindet und beisammen hält.

Beziehungs-ABC: J wie Jagdverein und sonstige Hobbys

10. Dezember 2018

Jagdverein und sonstige Hobbys

Wie viel Zeit soll man eigentlich gemeinsam verbringen? Wie ist es mit der Zeit, die wir für unsere Hobbys und Interessen brauchen, die wir nicht miteinander teilen? Ist es so, dass diese Hobbys hinter der Beziehung zurücktreten sollen oder haben sie nach wie vor ihre Berechtigung, auch wenn sie sehr viel Zeit brauchen?

Oft höre ich von Menschen, dass sie sich ganz aufgeben, wenn sie in eine Beziehung kommen, dass sie sich ganz verlieren. Der Prototyp wurde in dem bekannten Film „Die Braut, die sich nicht traut“ sehr gut beschrieben: die Betreffende weiß nicht einmal, wie sie ihre Frühstückseier gerne mag, weil sie sie einfach immer so gegessen hat wie ihr jeweiliger Verlobter.

Es ist natürlich schön, wenn man viel Zeit gemeinsam verbringt, aber sich dabei ganz zu verlieren, ist nicht zielführend: denn die PartnerIn hat sich ja in den Menschen verliebt, der man ist und nicht in eine Version von einem, die letztendlich beziehungsmäßig „weichgespült“ ist. Das Beispiel dazu ist der Rocker, der von seiner Frau so lange „bekehrt“ wird, bis er ein eintöniger Spießer ist, den seine Frau verachtet, weil er so langweilig ist. 

Die Kunst ist hier, den richtigen Mittelweg zu finden: man soll sehr wohl die eigenen Hobbys pflegen, aber das Entscheidende daran ist wohl, dabei die PartnerIn nicht ganz draußen vor zu lassen, ihr/ihm nicht das Gefühl zu vermitteln, unwichtig oder nebensächlich zu sein. Das ist auf der einen Seite eine Zeitfrage, auf der anderen aber eine der Aufmerksamkeit: man kann einander von den Erlebnissen erzählen, die man in der Zeit ohne einander gemacht hat, dabei auch darauf achten, was der/dem anderen interessant erscheinen kann.

Es ist die innere Verbindung, die den Unterschied macht, ob sich jemand eingeschlossen fühlt oder nicht. Und im Grunde wissen wir meist sehr genau, ob wir unsere PartnerIn an unserem Leben teilhaben lassen oder nicht. Und sie/er merkt das dann eben auch ….

Beziehungs-ABC: I wie Ich liebe dich!

3. Dezember 2018

I wie Ich liebe dich.

Manchmal ist es ganz leicht, diese „berühmten drei Worte“ zu sagen. Sie sind verbunden mit der Hoffnung, dass es auch in Zukunft so bleiben soll, weil es so schön ist, geliebt zu werden und lieben zu dürfen. Aber nicht immer ist es so, dass wir diese Liebe auch wirklich in unserem Inneren empfinden.

Wie ist das mit der Liebe in einer Beziehung? Wie wichtig ist sie für eine Beziehung, was passiert, wenn man sie nicht mehr fühlt, kann sie vergehen, und wenn ja, warum? Kann man das überhaupt beeinflussen?

Ich habe viel darüber nachgedacht, weil ich das für eine sehr wichtige Frage halte. Liebe kann man, meiner Ansicht nach, nicht überbewerten, aber man darf sie auch nicht überbewerten. Das klingt nach einem Widerspruch, bitte lassen Sie es mich erklären:

Liebe ist für die Beziehung wichtig, ohne Liebe ist sie schal und langweilig, niemand interessiert sich dafür, und schon gar nicht würde man irgendetwas für den/die Anderen tun, wenn man sie nicht lieben würde. Sie ist das Feuer, das die Beziehung am Leben erhält, sie ist die Wärme, die uns zusammenschmilzt, sie ist der Kitt, der uns beisammen hält, die ständige Sehnsucht nach dieser Wärme bringt uns dazu, uns für einander einzusetzen und liebevoll zu sein.

Aber Liebe ist mehr als ein Gefühl, sie ist auch eine Entscheidung, und daher darf das Gefühl nicht überbewertet werden. Es ist die Entscheidung, der/dem Anderen gegenüber wohlwollend zu sein, ihr/ihm zuerst einmal mit einem positiven Vorurteil zu begegnen, und auch in mühsamen Zeiten das Handtuch nicht gleich zu schmeißen. Manchmal ist es mit der Liebe wie mit dem Grundwasserspiegel, der immer noch da ist, auch wenn oben das Wasser schon spärlich wird. Dann muss man – wie bei einem Brunnen – pumpen, damit es oben auch wieder erscheint, dann muss man an der Beziehung arbeiten, damit sich die Liebe wieder einfindet.

In diesem Sinne ist es manchmal wie schwere Arbeit, „Ich liebe dich“ zu sagen, und manchmal ganz leicht. Wenn es leicht ist – genießen Sie es. Wenn es schwer ist – machen Sie sich an die Arbeit! Je größer die Mühe, desto besser schmeckt das Ergebnis, wenn es gelingt!

Beziehungs-ABC: H wie Hochzeiten und Alltagstrott

26. November 2018

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Hoch-Zeiten und Alltagstrott

Es gibt Zeiten in der Beziehung, da ist alles wunderschön, da funkeln die Sterne besonders hell, da ist mir der/die Liebste besonders nah, da knistert die Beziehung, wenn wir einander anschauen, da feiern wir miteinander: da ist alles ein Fest.

amp-shipping-3636421_640Zu anderen Zeiten ist es ruhiger zwischen uns. Nicht gleich unbedingt schwer oder mühsam, nur einfach nicht so unglaublichsuperwahnsinnig toll. Da plätschert es ein wenig dahin, da passiert nicht viel Neues und Aufregendes: es ist der Alltag.

Manchmal bedauern wir, dass es nicht immer so spritzig und aufregend ist, aber das gehört dazu. Ich mag das Prinzip des Zusammen-Lebens: wir sing gemeinsam im gleichen Raum oder in der Wohnung, aber wir machen nichts gemeinsam, sondern gehen unseren eigenen Beschäftigungen nach. Von Zeit zu Zeit treffen wir einander, schenken einander hoffentlich einen freundlichen Blick oder ein liebes Wort, und dann gehen wir wieder unserer Wege. Das schafft auf die Dauer Vertrauen, gutes Miteinander und schöne Gewohnheiten. Eine sanfte Berührung hier und dort, ein kleiner Kuss, ein kleines Lob im Vorbeigehen, eine freundliche Überraschung zwischendurch – davon lebt der Liebesalltag.

tide-841098_640Es braucht diese ruhigen Zeiten, denn sie sind die Basis unseres Lebens. Nur wer Alltag hat, kann auch Feste feiern. Nur wer ruhige Gemeinschaft kennt, weiß um den Zauber der Hoch-Zeit. So wie der Mond in seinem Kreisen um die Erde das Wasser hin und her zieht, dabei Ebbe und Flut auslöst, so gehören Hoch-Zeiten wie Alltagstrott zu unserem Leben. Wäre alles ein Fest – wie anstrengend wäre das! Wir kämen aus dem Feiern nicht heraus (und gerade in der auf uns zukommenden Vorweihnachtszeit erfahren das viele Menschen!), wir sind mit der Zeit einfach gesättigt vom vielen Feiern, Lachen und Reden. Wir benötigen auch die Zeiten der Stille, auch in der der Beziehung: damit wieder Ruhe und Alltag einkehren kann, damit wir wieder unseren vielen kleinen Arbeiten nachgehen können, und damit wir uns darüber freuen, diesen Alltag nicht alleine durchgehen zu müssen. Denn das nächste Fest kommt bestimmt!

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Beziehungs-ABC: G wie Gewohnheiten – Segen oder Fluch?

19. November 2018

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Gewohnheiten – Segen oder Fluch?

Gewohnheiten sind ein Fluch: „Wir leben nur noch nebeneinander her.“

dog-1639528_640Gewohnheit ist etwas, was nach der ersten, hochemotionalen Phase, eintritt. Die erste Verliebtheit ist verschwunden und der Alltag ist eingetreten. Das ist mitunter schwer auszuhalten: es wird langweilig. Man hat schon alles gemacht, was lustig ist, man weiß schon alles aus der Vergangenheit des anderen, man hat alle Grenzen abgesteckt, alle Streitpunkte abgearbeitet. Was nun?

Eine Lösung dafür kann sein, dass wir uns etwas „Drittes“ suchen, auf das wir nun beide schauen. Im klassischen Fall sind das Kinder, es können aber auch gemeinsame Freundschaften, Engagements oder Hobbys sein. Auf diese Weise kann das gemeinsame Leben wieder spannender werden, weil von außen Eindrücke kommen, über die man sich wieder unterhalten kann.

Die andere Lösung ist, sich wieder mehr voneinander zu entfernen: jede findet ihren eigenen Kreis, weil es ja nicht möglich ist, einander „alles“ zu sein. Das ist schon wahr, jeder Mensch braucht seinen Freiraum, und den müssen wir einander auch zugestehen. Aber damit geht manchmal auch eine Enttäuschung einher, weil unsere Wünsche anders waren: mehr Gemeinsamkeit, mehr Intimität.

Gewohnheiten können aber auch ein Segen sein: Vertrautes schafft Verbundenheit.

grandparents-3436463_640Es gibt aber auch eine gute Seite der Gewohnheit: sie kann ein großes Vertrauen bewirken, das längerfristig dazu führt, dass man „im Alter gemeinsam auf der Hausbank sitzt“. Wenn wir gut aneinander gewöhnt sind, wir einander nichts mehr beweisen müssen und nicht mehr in Machtkämpfe verstrickt sind, dann können wir miteinander zur Ruhe kommen. Aneinander gewöhnt zu sein schafft Vertrauen, Gemeinsamkeit und Verbundenheit.

Gewohnheiten sind beides: Segen und Fluch.

Die Kunst besteht also darin, einander nicht für selbstverständlich zu nehmen,  nicht „eh schon alles voneinander zu wissen“, sondern sich immer wieder neu von der PartnerIn überraschen zu lassen. Und dabei gleichzeitig gemeinsam zur Ruhe zu kommen, sich aufeinander verlassen zu können. Man könnte sagen, wir streben eine „bewegte Ruhe“, eine „vertraute Fremdheit“ oder eine „neugierige Gewohnheit“ an, wenn wir sowohl den Segen als auch den Fluch der Gewohnheit nutzen wollen.

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Beziehungs-ABC: F wie Fraulich

12. November 2018

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F wie Fraulich.

Ich bin eine Frau. Stimmt. Aber woher weiß ich das eigentlich?

Weiß ich es, weil ich meinen Körper mit den von anderen Menschen verglichen habe und bemerkt: ich habe Brüste und eine Vagina, ich kann Kinder gebären und stillen? Also: weiß ich, dass ich eine Frau bin, weil ich einen Frauenkörper habe? – Was ist dann mit all den Menschen, die sich im falschen Körper befinden oder deren Körper nicht eindeutig einem Geschlecht zuzuteilen sind? Sind das dann keine „richtigen“ Frauen?

housewife-23868_640Oder weiß ich es, weil mir von klein auf gesagt wurde, dass ich ein Mädchen bin, später eine Frau? Also dadurch, dass ich von außen diese Rückmeldung bekommen habe, und dass ich als Kind Puppen bekommen habe und – anders als meine Brüder – im Haushalt mitarbeiten sollte? Also: weiß ich, dass ich eine Frau bin, weil es mir die Umgebung gesagt und mich als solche erzogen hat? – Was ist dann mit all den Frauen, die sich an diese Rollenstandards nicht halten wollen? Sind das dann keine „richtigen“ Frauen?yin-2730344_640

Weiß ich es vielleicht, weil ich mich (meistens) von Männern angezogen fühle, weil ich mit Männern verheiratet bin/war oder von Männern begehrt und als Partnerin gewählt wurde? Also: weiß ich es aufgrund meiner sexuellen Orientierung? – Was ist dann mit all den Frauen, die sich da nicht eindeutig zuordnen wollen, die auf Frauen stehen oder die vorziehen, gar nicht in Partnerschaften zu leben? Sind das dann keine „richtigen“ Frauen?

Oder weiß ich es, weil ich mich als emotional sorgend, emphatisch und fürsorglich empfinde? Weil ich vielleicht Multitasking kann oder ich alles Niedliche und Kleine mütterlich umsorgen will? Also: weiß ich, dass ich eine Frau bin, weil ich emotionale Intelligenz habe? – Was ist dann mit all den Frauen, die andere emotionales Rüstzeug bekommen haben? Sind das dann keine „richtigen“ Frauen?

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Wieso wissen Sie, dass Sie (oder Ihre Partnerin) eine Frau ist? Woran machen Sie es fest? Ich lade Sie ein, darüber nachzudenken, denn es ist keinesfalls so einfach, wie man normal denkt. Sobald man sich darüber Gedanken darüber macht, werden alle Zuschreibenden willkürlich und fließend.

Beziehungs-ABC: E wie Erotik und Sexualität

5. November 2018

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E wie Erotik und Sexualität

Kaum ein anderes Thema geht uns so nahe wie dieses, kaum eines ist mit Beziehung enger verbunden, kaum eines wird so kontrovers diskutiert: Erotik und Sex sind Dauerbrenner.

Wie können wir uns dem Thema so nähern, dass nicht Altbekanntes zum x-ten Mal wiederholt wird, keine Klischees bestärkt, keine Verletzungen wiederholt, keine Methode verteufelt, kein Ideal beschworen und keine  Phrasen gedroschen werden?

arrow-2085195_640Dazu möchte ich an den Beitrag von letzter Woche anknüpfen: du bist anders. Du bist der/die ganz Andere, und das gilt auch im Bereich der Sexualität. Aber anders zu sein kann uns über uns selbst verunsichern („bin ich richtig so, wo ich doch anders bin als du?“). Ebenso kann uns das Anderssein des/der Anderen unsicher machen  („bist du richtig so, wo du doch so anders bis als ich?“).

lover-1822498_640Diese Unsicherheit verursacht eine Spannung, die gerade in einem Punkt, der uns so nahe geht wie Sexualität, leicht zerstörerisch werden kann. Die Spannung kann dann gegen den/die Andere als Vorwurf verwendet werden: bei unterschiedlich häufigem Auftreten von Lust („immer / nie willst du Sex!“), oder bei unterschiedlichem Tempo beim Sex („du kommst zu früh / zu spät!“), bei unterschiedlichen Vorlieben („du bist zu bieder / pervers!“) oder bei unterschiedlichen Praktiken („immer / nie willst du ….!“). Dann fühlen wir uns verletzt, unverstanden, beschämt. Und gerade die Scham macht es uns schwer, im Gespräch zu bleiben.

boy-2462944_640Die Lösung besteht darin, anzuerkennen, dass alle das volle Recht haben, genau die Art von Sex zu wollen, die sie mögen. Denn das ganze Leben, alle Erfahrungen haben dazu geführt, dass ich genau so bin, wie ich bin, dass mich das erregt, was mich erregt, dass ich dann Sex mag, wann ich mag und dass ich diese Art von Erotik ansprechend finde und eine andere weniger. Es ist völlig legal, genau so zu sein wie ich bin.

Wichtig ist nur, das auch der/dem Anderen zuzugestehen. Wenn wir es aber schaffen, einander liebevoll zuzugestehen: „Ich bin okay, du bist okay!“, dann kommen wir aus der Schleife der Vorwürfe und Rechtfertigungen heraus und können voll Staunen die Welt des/der Anderen entdecken (die aber niemals die unsere sein wird oder sein muss oder soll!).

Dann kann genau diese Ebene eine besonders innige werden, sodass es uns möglich ist, nicht bloß „Sex zu haben“ sondern wirklich „Liebe zu machen“. 

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(Der Kuss. nach Auguste Rodin)

Beziehungs-ABC: D wie Du bist ja ganz anders!

29. Oktober 2018

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Du bist ja ganz anders!

Es gibt zwei Sprüche über Beziehungen, die einander scheinbar widersprechen: „Gleich und gleich gesellt sich gern“ und „Gegensätze ziehen sich an“. Also, was jetzt?

Ich bin der Meinung, dass es um die „magischen 20%“ geht: wir teilen mit fast allen Menschen in etwa 30% an Verhaltensweisen und Eigenschaften: wir fühlen uns wohl, wenn wir ausgeschlafen sind, wir mögen es, wenn wir gemocht werden, etc.

Weiters gibt es Menschen, mit denen wir auf etwa 50% kommen, diese nennen wir dann FreundInnen: mit ihnen teilen wir zusätzlich noch Vorlieben, Hobbys, Anschauungen, Einstellungen. Das sind unsere FreudInnen aus Vereinen, ArbeitskollegInnen, NachbarInnen, dazu gehören auch die meisten Familienmitglieder.

butterfly-3238048_640Und dann gibt es Menschen, mit denen wir auf rund 80% kommen, weil wir so viel gemeinsam haben, dass wir uns ihnen sehr nahe fühlen. Mit diesen Menschen können wir eine Liebesbeziehung haben. Das bedeutet, dass wir einander anziehen, weil wir einander so gut verstehen können, weil wir ähnliche Vorlieben, Ansichten, Freuden und Leiden haben. Es ist wunderschön, wenn wir uns so verstanden fühlen! In diesem Sinne: „gleich und gleich gesellt sich gern“.

arrow-2085195_640Umgekehrt bedeutet das auch, dass es ungefähr 20% gibt, die wir auch in der besten und innigsten Liebesbeziehung nicht miteinander teilen. Und das ist auch gut so! Denn auf der einen Seite sind es die Bereiche, in denen wir unterschiedlich sind und die uns daher auch Schwierigkeiten machen („du verstehst mich nicht“). Auf der anderen Seite aber handelt es sich hier um den Teil, in dem wir einander bereichern, inspirieren und ergänzen können. „Zeig mir deine Welt, erzähl mir Dinge, die ich noch nicht weiß, bring mir bei, wie man noch denken/fühlen/erleben kann!“ Wenn wir alles gleich hätten, wäre uns sehr bald langweilig! Hier gilt also: „Gegensätze ziehen sich an“.

 

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UnserE MärchenprinzEssin erträumen wir uns logischer Weise so, dass sie/er genau zu uns passt, also die vollen 100%. (Alles andere wäre komisch, ich stelle mir ja nicht eine WunschpartnerIn vor, die mir widerspricht …!). Die Aufgabe der ersten Wochen und Monate einer Beziehung ist unter anderem, herauszufinden, wo diese wichtigen 20% zu finden sind und wie wir damit umgehen können.

Wenn uns das gelingt, dann ist der Satz „Du bist ja ganz anders!“ kein Vorwurf mehr sondern eine Aufforderung, einander zu bereichern und zu neuen Ansichten einzuladen.